Großbritannien

Antisemitische Vorfälle in Großbritannien um 21 Prozent gestiegen

Zwei Passanten im vorwiegend von Juden bewohnten Londoner Stadtteil Golders Green, wo es seit Januar zu mehreren Angriffen kam. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Großbritannien ist im ersten Halbjahr 2026 erneut deutlich gestiegen. Das geht aus dem aktuellen Bericht des Community Security Trust (CST) hervor. Die Organisation registrierte zwischen Januar und Juni 1926 antisemitische Vorfälle – ein Anstieg um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und der zweithöchste Halbjahreswert seit Beginn der Erfassung.

Der CST erklärt, das hohe Niveau antisemitischer Vorfälle habe sich seit dem Hamas-Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 dauerhaft verfestigt. Die Zahl der registrierten Vorfälle im ersten Halbjahr 2026 übertreffe sogar die Gesamtzahl des gesamten Jahres 2022. Nach Einschätzung der Organisation ist Antisemitismus inzwischen langfristig auf einem deutlich höheren Niveau angekommen als vor dem 7. Oktober 2023.

Als wesentlichen Auslöser für den jüngsten Anstieg nennt der Bericht den Krieg zwischen Israel, den USA und dem Iran. Nach den Luftangriffen auf den Iran am 28. Februar sei die Zahl antisemitischer Vorfälle innerhalb einer Woche um 71 Prozent gestiegen. Der CST verweist zudem darauf, dass die Anklage gegen zwei mutmaßliche iranische Spione wegen Ausforschung jüdischer Einrichtungen in London die Sorgen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft zusätzlich verstärkt habe.

Gewalt gegen Juden

Besonders alarmierend bewertet der Bericht mehrere mutmaßlich iranisch gesteuerte Anschläge auf jüdische Einrichtungen. Demnach habe die Gruppe HAYI die Verantwortung für mehrere Brandanschläge und Brandversuche übernommen, darunter Angriffe auf Synagogen sowie auf Fahrzeuge des jüdischen Rettungsdienstes Hatzola. Der CST schreibt, die rasche Abfolge dieser Taten habe den Antisemitismus zusätzlich angeheizt. »Bedeutende Angriffe auf jüdisches Leben können Antisemiten dazu ermutigen, ihren Hass auszuleben«, heißt es in dem Bericht.

Lesen Sie auch

Auch die Gewalt gegen Juden habe deutlich zugenommen. Der CST registrierte einen Fall von lebensbedrohlicher Gewalt sowie 135 körperliche Angriffe – so viele wie noch nie in einem ersten Halbjahr. Fast sieben Prozent aller dokumentierten Vorfälle seien körperliche Übergriffe gewesen.

Mit 1572 Fällen machte beleidigendes oder einschüchterndes Verhalten den größten Teil der Vorfälle aus. Gleichzeitig erreichte die Zahl antisemitischer Online-Vorfälle mit 680 Fällen einen neuen Höchststand für ein erstes Halbjahr. Der CST betont, soziale Netzwerke böten einen besonders günstigen Nährboden für ideologisch motivierten Antisemitismus und Verschwörungsmythen. »Online-Plattformen bieten Antisemiten einen Raum, sich zu vernetzen, ihre Vorurteile gegenseitig zu bestärken und Hassinhalte in großem Umfang zu verbreiten«, heißt es in dem Bericht.

Schulen und Synagogen

41 Prozent aller registrierten Vorfälle standen nach Angaben des CST in Zusammenhang mit Israel, dem Hamas-Terrorangriff oder dem Krieg im Nahen Osten und enthielten zugleich antisemitische Inhalte.

Besonders betroffen waren erneut London und Manchester, wo fast zwei Drittel aller registrierten Vorfälle stattfanden. Zudem verzeichnete der CST einen deutlichen Anstieg antisemitischer Vorfälle an Schulen sowie gegen Synagogen und deren Besucher. im

Der komplette CST-Bericht (Englisch) ist hier einsehbar.

Eklat in Halle

AfD-Mann Tillschneider will an Anschlags-Gedenken teilnehmen

Aktivisten der Jüdischen Studierendenunion Deutschland verhinderten, dass der Landtags-Vizepräsident die Synagoge betrat

von André Anchuelo  09.10.2026

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Sachsen-Anhalt

Zentralratspräsident Josef Schuster: Tillschneider »verhöhnt die Opfer« von Halle

Der rechtsextreme Politiker hatte am Freitag versucht, am Gedenken für die Opfer des Anschlags von Halle teilzunehmen

 09.10.2026

Oslo

Israel-Kritikerin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis

Für ihren Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen und für das Völkerrecht: Mit dem Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay geehrt

 09.10.2026

Magdeburg

Landtagspräsident Rausch plant außenpolitische Initiativen

Mit Tobias Rausch ist erstmals ein AfD-Politiker zum Präsidenten eines deutschen Landtags gewählt. Während noch über die Hintergründe seiner Wahl diskutiert wird, plant der 35-Jährige bereits außenpolitische Initiativen

 09.10.2026

Sondierungen

Lauterbach gegen Rot-Grün-Rot in Berlin

Karl Lauterbach hält den Antisemitismusvorwurf gegen die Linke in Neukölln für gerechtfertigt. Dennoch warnt er vor einer Gleichsetzung mit der AfD

 09.10.2026

Washington D.C.

Trump: Bis zu den Midterms keine Angriffe auf Iran

Am 3. November wird in den USA gewählt. Medien berichteten über mögliche neue Angriffe gegen den Iran noch vor dem Urnengang. Dem widerspricht der Präsident nun

 09.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden kritisiert Antisemitismus-Papier von Linken, Grünen und SPD

Die mutmaßliche neue Regierung will mit Gremien gegen antisemitische Ausfälle von Abgeordneten der Koalition vorgehen. Den Zentralrat der Juden, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die WerteInitiative überzeugt das nicht

 09.10.2026 Aktualisiert

Nahost

Huthis greifen Flughafen in Riad an

Die Huthi und die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung bekämpfen sich im Jemen weiter. Auch Saudi-Arabien gerät immer wieder selbst in die Schusslinie. Droht eine weitere Eskalation am Golf?

 08.10.2026