Offener Brief

Anti-israelisches »Protestcamp«: Jüdische Gemeinde Düsseldorf schlägt Alarm

Auch in anderen Städten – wie hier in München – kam es auf Uni-Gelände zu »Protestcamps«, auf denen Verschwörungstheorien über Israel verbreitet wurden. Terrorverherrlichung ist auf diesen sogenannten »propalästinensischen« Protesten ebenfalls populär. Foto: picture alliance / SZ Photo

Die Jüdische Gemeine Düsseldorf hat einen Brandbrief veröffentlicht. Sie warnt darin vor Judenhass, der von den Teilnehmern eines »Protestcamps« auf dem Gelände der Heinrich-Heine-Universität (HHU) verbreitet wird – Terroristenverehrung inklusive.

Auch fordert die Gemeinde »sehr deutliche Maßnahmen« gegen das »Protestcamp«. Diese Demonstration soll noch bis Ende des Monats andauern.

Die Jüdische Allgemeine dokumentiert den Brief im Wortlaut:

Düsseldorf, 20. Juni 2024

Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich die Lebensrealität von Jüdinnen und Juden grundlegend verändert. Antisemitische Vorfälle nehmen gravierend zu, offener Judenhass findet auf deutschen Straßen statt – offen und direkt.

Konsequenzen? Leider Fehlanzeige!

Wir fühlen uns zurück katapultiert in das Jahr 1933, wo es eine ähnliche Gemengelage gab. Hass und Hetze gegenüber Jüdinnen und Juden nehmen zu und bringen viele unserer Gemeindemitglieder dazu, jüdische Symbole und ihre jüdische Identität wieder zu verstecken.

Und das in Deutschland, in Düsseldorf – im Jahre 2024. Eine Schande für unsere Gesellschaft.

Der Auslöser dieser Situation war ein Terrorangriff der radikalislamistischen Hamas, die 1200 Jüdinnen und Juden massakriert hat. Sie wurden nicht nur ermordet, sondern komplett vernichtet. Mehr als 250 israelische Geiseln wurden verschleppt, davon sind immer noch 120 im Gazastreifen und werden festgehalten.

Es macht uns fassungslos, dass es seit nun mehr zwei Wochen möglich ist, auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität, dessen Namensgeber ein Düsseldorfer Jude war, ein antiisraelisches Protestcamp umzusetzen.

Mit dem roten Dreieck, das die Unterstützung und Solidarität mit den Terroristen der Hamas zeigt und mit Sätzen wie »Widerstand in Palästina ehren« und »Widerstand ist Gerechtigkeit, Menschen werden dort besetzt« entlarvt sich das Protest-Camp und ihre Mitglieder als eindeutig antisemitisch.

Sie leugnen das Existenzrecht Israels und relativieren den Terror auf Israel. Bilder der Geiseln wurden beschmiert und abgerissen. Stattdessen wollten die Mitglieder des Camps Bilder von Terroristen aufhängen.

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Die Versammlungs- und Meinungsfreiheit deckt Antisemitismus nicht! Das Recht der Versammlungs- und Meinungsfreiheit hört da auf, wo Ausgrenzung anderer und Antisemitismus anfängt. Diese Camps sind deutlich antisemitisch und deshalb zu verurteilen.

Leider werden seit dem 7. Oktober und in den Folgemonaten viele Worthülsen geschwungen, doch niemand greift wirklich durch! Wir brauchen härtere Maßnahmen, damit jüdische Studierende wieder angstfrei ihre Universität besuchen können.

Es ist eine Schande für Düsseldorf und für unsere gesamte Gesellschaft, wenn jüdische Studierende noch nicht einmal an ihrer Universität einen sicheren Hafen haben. Jüdische Studierende spüren eine reale Bedrohung, Angst und Unsicherheit.

Es ist nicht nur jüdisches Leben, welches angegriffen wird, sondern unsere gesamten demokratischen und freiheitlichen Werte, die auf dem Prüfstand stehen.

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf fordert alle Verantwortlichen auf, dieses Protestcamp zu verurteilen und sehr deutliche Maßnahmen zu ergreifen. Wir dürfen diesen offenen Judenhass und die Hetze gegenüber Israel nicht tolerieren und diese einfach so hinnehmen.

Wir appellieren an die Stadtgesellschaft, diesen Brief zu unterstützen und sich aktiv gegen jede Form von Antisemitismus zu stellen.

Ansonsten bleibt »Nie wieder ist jetzt« eine leere Hülse.

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