München

Anschlag auf jüdisches Zentrum 1970: Rechtsextremer unter Verdacht

Auf dem jüdischen Friedhof in Nordschwabing findet am 18.02.1970 im Beisein von Bundespräsident Gustav Heinemann die Trauerfeier für die sieben Opfer des Brandanschlages auf das jüdische Altenheim (13.02.1970) und den bei dem Attentat auf dem Flughafen München-Riem am 10.02.1970 ums Leben gekommenen 32-jährigen Arie Katzenstein statt. Foto: picture alliance / dpa

55 Jahre nach einem tödlichen, bislang ungeklärten Brandanschlag auf das Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde in München verfolgen Ermittler eine neue Spur. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins »Der Spiegel« führt sie zu einem inzwischen verstorbenen Deutschen aus dem kriminellen Milieu Münchens, wie das Nachrichtenmagazin am Freitag meldete. Der Mann, der in den 1970er-Jahren mehrfach durch Straftaten aufgefallen war, soll offensiv antisemitische und rechtsextreme Ansichten vertreten haben.

Inwieweit der Verdächtige auch mit der organisierten Neonazi-Szene in Kontakt stand, sei ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen, heißt es. Ausgelöst wurden diese durch einen Hinweis an den Antisemitismusbeauftragten der bayerischen Justiz bei der Generalstaatsanwaltschaft München. Demnach machte der Kriminelle zu Lebzeiten selbst Angaben zu dem Anschlag.

Neues Verfahren eingeleitet

Ob er tatsächlich der Brandstifter war, müssen nun die Ermittler klären - ebenso wie die Frage, ob es noch lebende Mittäter oder Zeugen gibt. Die Münchner Generalstaatsanwaltschaft bestätigte laut »Spiegel«, dass ein neues Verfahren wegen siebenfachen Mordes eingeleitet wurde. Zu Details wolle sich die Behörde aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit nicht äußern.

Bei dem Anschlag auf das Gemeindezentrum an der Münchner Reichenbachstraße waren am 13. Februar 1970 sieben Jüdinnen und Juden getötet worden, die im dort untergebrachten Seniorenwohnheim lebten. Sechs von ihnen starben in den Flammen, ein siebter beim Sprung aus dem vierten Stock.

Bereits 2013 waren neue Hinweise auf mögliche Täter aufgetaucht. Die Ermittlungen wurden wiederaufgenommen, 2017 jedoch ergebnislos eingestellt. 2020 gab es in München zum 50. Jahrestag des Anschlags eine Gedenkfeier. In der alten Synagoge an der Reichenbachstraße soll nach einer Wiederinstandsetzung künftig ein Mahnmal an die Geschehnisse erinnern. epd

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  02.07.2026 Aktualisiert

Augsburg

Neue »Initiative Antisemitismuskritik & Theater« gegründet

Rund 60 Theaterschaffende haben in Augsburg ein neues Netzwerk gegen Judenfeindlichkeit ins Leben gerufen. Ihnen geht es etwa darum, antisemitismuskritische künstlerische Werke zu entwickeln. Und sie wollen expandieren

von Christopher Beschnitt  02.07.2026

Protest

Zehntausende Gegner des AfD-Bundesparteitags in Erfurt erwartet

Erfurt hofft auf ein gewaltfreies Wochenende: Zum AfD-Bundesparteitag in der Stadt werden zehntausende Demonstranten erwartet. Kirchen, Parteien und Bündnisse rufen zu friedlichem Protest auf. Die Polizei bereitet sich auf mögliche Störungen vor

von Matthias Thüsing  02.07.2026

Nahost

Iran besteht auf militärische Kontrolle der Straße von Hormus

Die iranische Armee verlangt, dass Schiffe nur die vom Iran festgelegte Route durch die Meerenge nutzt

 02.07.2026

Diplomatie

USA und Iran sollen Fortschritte bei indirekten Gesprächen gemacht haben

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran erschweren eine Lösung der komplexen Konfliktlage im Nahen Osten. Nach indirekt geführten Gesprächen in Doha melden die Vermittler Fortschritte

 02.07.2026

Meinung

Was Deutschland von Albanien lernen kann

Wer immer noch überrascht tut und nicht konsequenter gegen die Mullahs vorgeht, handelt nicht nur fahrlässig, sondern lädt ihre Killer geradezu ein

von Ralf Balke  02.07.2026

Analyse

Vorteil Putin?

Früh hieß es, Russland sei einer der Profiteure des Iran-Kriegs und die Ukraine ein Verlierer. Doch das greift zu kurz

von Alexander Friedman  02.07.2026

Hintergrund

Wenn Juden- und Israelfeindlichkeit Extremisten aller Couleur vereint

Der Verfassungsschutzbericht 2025 verdeutlicht einmal mehr: Antisemitismus und Antizionismus sind der Bindekitt zwischen ansonsten inkompatiblen extremistischen Strömungen

von Michael Thaidigsmann  01.07.2026

Meinung

Warum Hessens Vorstoß mit der Meinungsfreiheit vereinbar ist

Die Landesregierung will die Leugnung des Existenzrechts Israels unter Strafe stellen. Mit einer veränderten Begründung und anderen leichten Modifikationen wäre der umstrittene Entwurf grundgesetzkonform

von Fiete Kalscheuer  01.07.2026