Meinung

Angriff auf die Demokratie

Die Schändung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma in Berlin in der vergangenen Woche ist ein Aufruf zur Gewalt gegen unsere Minderheit und Ausdruck eines kaum zu begreifenden Hasses. Vor allen Dingen aber ist sie Ausdruck eines Hasses gegen unsere Demokratie, gegen die Werte, die in Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges erarbeitet worden sind. Es ist Aufgabe unseres Staates, diesem Hass jetzt endlich entschieden entgegenzutreten und rechtsextremistische Parolen konsequent zu ächten.

strafanzeige Diese Schändung, die erstmals am Denkmal stattgefunden hat, zeigt, dass die Rechtsextremisten in der momentanen Krise die Gelegenheit sehen, den Ungeist der Nazis, der Europa schon einmal in den Abgrund gerissen hat, wieder neu zu beleben. Der Zentralrat der Sinti und Roma hat nicht nur Strafanzeige wegen Volksverhetzung, sondern auch wegen Aufforderung zur Gewalt erstattet. Den Tätern kam es mit dem Begriff »Vergasen«, den sie auf das Mahnmal sprayten, offensichtlich darauf an, zur Gewalt gegen die Minderheit aufzurufen.

Die Frage bleibt, woher der Hass kommt. Klar ist nur, dass er sich im Kern gegen unsere Demokratie richtet. Es ist hier zuallererst die Verantwortung der Politiker, diesem Hass in aller Deutlichkeit entgegenzutreten. Es ist genau das falsche Zeichen, wenn Politiker versuchen, rechtsextreme Positionen zu bedienen – in der Hoffnung, Wählerstimmen zu gewinnen. Damit wurden diese Parolen zuerst hoffähig und in der Mitte unserer Gesellschaft akzeptabel gemacht. Dadurch wurde die Hetze verharmlost und gleichzeitig den Menschen, auf die der Hass zielt, der Schutz versagt.

Die für den Schutz unserer Demokratie zuständigen Behörden müssen endlich die Gefahr wahrnehmen, die von der organisierten rechten Gewalt ausgeht. Die Brandanschläge auf Flüchtlingsheime sind nicht Ausdruck besorgter Bürger, sondern Zeichen einer Demokratiefeindlichkeit, die sich jetzt zuerst gegen Minderheiten und gegen Flüchtlinge richtet. Auch deshalb fordern wir die Bundesregierung auf, endlich eine Expertenkommission gegen den massiven Antiziganismus einzusetzen, die regelmäßig einen Bericht vorlegt. Der NSU-Skandal hat gezeigt, wie Terror und Gewalt die innere Sicherheit ausgehöhlt haben. Dies darf der Staat nicht hinnehmen. Polizei und Gerichte müssen die rechtsextremen Straftaten konsequent verfolgen und verurteilen. Gerade auch im Internet darf es keinen Freiraum für rechtsextreme Hetze geben.

Der Autor ist Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma.

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  16.09.2026

Bern

Akte Josef Mengele bleibt lückenhaft

Der Schweizer Nachrichtendienst gibt die Josef-Mengele-Akte frei, darin finden sich jedoch nach wie vor viele geschwärzte Stellen

von Nicole Dreyfus  16.09.2026

Unterstützer der Huthi-Miliz demonstrieren in Sanaa, 11. September

Vormarsch der Huthi-Miliz

Angst vor Eskalation auf der Arabischen Halbinsel

Die Huthi-Miliz gräbt sich wohl an der wichtigen Meeresenge Bab al-Mandab ein. Saudi-Arabien warnt vor einer Geiselnahme der Weltwirtschaft

von Christoph Meyer, Ramadan Al-Fatash  16.09.2026

Jubiläum

Jüdischer Landesverband Sachsen feiert 100-jährige Geschichte

Rund 20.000 Jüdinnen und Juden haben vor dem Zweiten Weltkrieg in Sachsen gelebt. Bereits vor 100 Jahren wurde eine jüdische Interessenvertretung gegründet

 16.09.2026

Tel Aviv

Omer Shem Tov: 505 Tage Gefangenschaft, Hunger und Einsamkeit

»Wegen der Angst konnte ich nicht atmen«, sagt die frühere Geisel über die 50 Tage, in denen er in völliger Dunkelheit leben musste

 16.09.2026

Berlin-Wahl

Der Kampf ums Rote Rathaus

Wer in der Hauptstadt neuer Regierender Bürgermeister wird, ist offen – CDU und Linke liefern sich ein enges Rennen

von André Anchuelo  16.09.2026

Kommentar

Hohe Feiertage, wichtige Wahl

Die Bürger von Mecklenburg-Vorpommern wählen am 20. September ihr Parlament. Wird der besorgniserregende Trend, der in Sachsen-Anhalt zu beobachten war, fortgesetzt und verfestigt?

von Juri Rosov  16.09.2026

Judenhass

»Während er mir in den Kopf schneidet, sagt er: ›Die Juden erschießen Kinder‹«

Eine neue Dokumentation enthüllt ein erschreckendes Ausmaß an Antisemitismus im britischen Gesundheitssystem

 16.09.2026

Landtagswahl in MV

Zwischen Engagement und Frust: Besuch in einer AfD-Hochburg

Peenemünde ist ein 400-Seelen-Ort an der deutschen Ostseeküste. Bei der vergangenen Wahl haben hier besonders viele Menschen die AfD gewählt. Und dieses Mal? Ein Besuch kurz vor der Landtagswahl

von Lilli Förter, Helena Dolderer, Verena Schmitt-Roschmann  16.09.2026