Meinung

AfD: Antisemiten finden Durchlass

Einige rechtsextremistische und rechtspopulistische Parteien haben beim Feindbild »umgeschaltet«: Nicht mehr der Antisemitismus, sondern die Muslimfeindlichkeit steht bei ihnen im Vordergrund. Dabei geht die Agitation gegen Anhänger des Islam gelegentlich mit pro-israelischen und pro-jüdischen Bekundungen einher.

Eine solche Neuausrichtung hat für diese Parteien gleich drei Vorteile: Die Islam- und Muslimfeindlichkeit dient als »Türöffner«, wie es die NPD formuliert, in die Mitte der Gesellschaft. Man meint, sich so einem Antisemitismusverdacht entziehen zu können – und dann kann Judenfeindschaft einseitig den Flüchtlingen und Muslimen zugeschrieben werden. Auch in der »Alternative für Deutschland« (AfD) und deren Umfeld finden sich derartige Positionen. Bezogen auf den Antisemitismus wird gar eine »Null Toleranz«-Politik behauptet. Doch wie glaubwürdig und überzeugend sind solche Bekundungen?

Landtag In Baden-Württemberg ist die AfD mit 23 Abgeordneten im Landtag vertreten. Einer ist Wolfgang Gedeon, ein pensionierter Arzt, der mit dem Slogan »Wählt so, wie Ihr wirklich denkt!« warb. Wie er selbst denkt, machen frühere Buchveröffentlichungen deutlich.

In seiner Christlich-europäischen Leitkultur schreibt er unter anderem über das bekannteste antisemitische Machwerk, Die Protokolle der Weisen von Zion, sie seien »mutmaßlich keine Fälschung«, vielmehr wohl »die Mitschrift einer Geheimtagung«. Und in dem Buch Der grüne Kommunismus sieht Gedeon Gemeinsamkeiten zwischen den »Protokollen« und »den politischen Methoden der Brüsseler EU«.

anspielungen Das ist nicht der erste Antisemitismusfall in der Partei. Bereits 2013 hatte der Schatzmeister der hessischen AfD, Peter Ziemann, mit Anspielungen von »satanischen Elementen der Finanz-Oligopole« und »freimaurerisch organisierten Tarnorganisationen« fantasiert. Und 2014 legte der brandenburgische Landtagsabgeordnete Jan-Ulrich Weiß auf Facebook dem britischen Investmentbanker Jacob Rothschild in den Mund, »wir« würden Medien und Regierungen steuern.

Offiziell distanziert sich die AfD vom Antisemitismus, im Fall von Gedeon empfiehlt der Bundesvorstand sogar den Parteiausschluss. Schaut man aber genauer hin, finden sich solche Äußerungen immer wieder. Auch dass ihr jüngst der frühere Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann beitrat, kann da nicht wirklich verwundern. Hohmann hatte die CDU verlassen müssen, weil er von den Juden als »Tätervolk« gefaselt hatte.

Der Autor ist Politikwissenschaftler und Soziologe an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Brühl.

Brandenburg

Cyberangriff auf Gedenkstätten

Immer wieder schädigen Ransomware-Attacken Behörden, Krankenhäuser und andere Einrichtungen. In Brandenburg ist nun die Gedenkstätten-Stiftung betroffen

 11.08.2026

Medien

Geglaubt und geteilt

»Antisemitismus«, definierte Adorno, sei »das Gerücht über Juden«. Was ist dann dessen Verbreitung? Die ARD muss sich einer längst fälligen Debatte stellen

von Esther Schapira  11.08.2026

Gerichtsurteil

Behörde darf Verbeamtung wegen Nähe zu Muslimbruderschaft ablehnen

Die Klägerin arbeitet als Sachbearbeiterin bei der Karlsruher Ausländerbehörde. Das Gericht hat Zweifel an ihrer Verfassungstreue

 11.08.2026

Social Media

Shirin David, Bill Kaulitz und die Wassermelonen-Jünger

Bei der Rapperin reicht ein »Free Palestine« für die Verbündeten, bei dem Sänger ein »Tel Aviv! Love!« für die Gegner. Ein Kommentar

von Pola Sarah Nathusius  11.08.2026

Österreich

Zwei Israelinnen in Wien vermisst

Die israelische Botschaft vor Ort bittet die Öffentlichkeit um Hilfe

 11.08.2026 Aktualisiert

Nordhessen

Vier Meter großes Hakenkreuz in Asphalt gebrannt

Die Polizei sucht nun nach den Täter, der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen

 11.08.2026

Nordrhein-Westfalen

Medienminister übt scharfe Kritik an Georg Restle und dem WDR

Nathaniel Liminiski (CDU): »Israel und das Judentum sind kein Freiwild für jeden Vorwurf, auch nicht für Journalisten«

 11.08.2026 Aktualisiert

Berlin

Neukölln verschärft Regeln: CDU-Politiker will bei Antisemitismus Gelder streichen

Sozialstadtrat Hannes Rehfeldt will Förderbescheide mit strengeren Vorgaben versehen und bei Verstößen die Finanzierung von Projekten stoppen

 11.08.2026

Washington D.C.

Trump soll Bedrohung durch Iran mit Geheimflug aus der Türkei entgangen sein

Wie schafften es die Bewacher des Präsidenten, ihn unerkannt in eine kleinere Maschine zu bringen und nach London zu fliegen?

 11.08.2026