DSDS

Xavier Naidoo fliegt raus

Xavier Naidoo im August 2019 beim Gießener Kultursommer Foto: dpa

Der Fernsehsender RTL hat den Sänger Xavier Naidoo nach Rassismusvorwürfen aus der Jury von »Deutschland sucht den Superstar« (DSDS) geworfen.

In einem selbst gedrehten Video, das am Mittwoch in sozialen Netzwerken geteilt wurde, singt Naidoo über angebliche Gefahren, die von Migranten ausgehen. Auch nach einer Stellungnahme bleibe der 48-Jährige dem Sender viele Antworten schuldig, teilte RTL am Abend in Köln mit.

Zudem seien »weitere Videos aufgetaucht, die in eine ähnliche Richtung gehen«. »Das hat RTL bewogen, ihn am Samstag aus der Jury von ›Deutschland sucht den Superstar‹ zu nehmen«, erklärte der Sender vor dem Beginn der Live-Shows bei der Casting-Sendung, in denen die besten sieben Sängerinnen und Sänger gegeneinander antreten.

Liedtext In dem Liedtext heißt es unter anderem: »Ich habe fast alle Menschen lieb, aber was, wenn fast jeden Tag ein Mord geschieht, bei dem der Gast dem Gastgeber ein Leben stiehlt?« An einer anderen Stelle singt Naidoo: »Eure Töchter, eure Kinder sollen leiden. Sollen sich mit Wölfen in der Sporthalle umkleiden, und ihr steht seelenruhig nebendran.«

RTL-Geschäftsführer Jörg Graf erklärte: »Die jetzt aufgetauchten Videos von Xavier Naidoo haben uns massiv irritiert.« Die Bitte des Senders, über seine Äußerungen live bei RTL persönlich und öffentlich zu diskutieren, habe der Sänger bislang unbeantwortet gelassen.

Dem Sänger war bereits mehrmals vorgeworfen worden, seine Musik enthalte rechtspopulistisches Gedankengut.

»Gerade diese Diskussion fänden wir wichtig, da für uns die Aussagen im Video und seine Kommentierung danach überhaupt nicht zusammen passen«, sagte Graf und fügt hinzu: »Daher haben wir uns entschieden, ihn für die kommende Liveshow von DSDS auszuschließen.«

Laut dem Sänger stammt der Text aus dem Jahr 2018. Naidoo erklärte, er setze sich »aus tiefster Überzeugung gegen Ausgrenzung und Rassenhass ein«.

herkunft Das bedeutet für mich aber auch, dass alle in der Verantwortung sind, wachsam gegenüber Angriffen auf ein friedliches Miteinander aller Menschen zu sein, egal aus welcher politischen Richtung und ungeachtet der Herkunft», heißt es in der Stellungnahme, in der sich der Musiker selbst als Christ bezeichnet.

Auch seine Familie sei als Gast nach Deutschland gekommen und habe sich «natürlich an Recht und Moralvorstellungen des Gastgebers gehalten». «Diese Selbstverständlichkeit sollte für alle gelten – auch wenn nur ein sehr kleiner Teil dies missverstanden hat. Aber gerade dieser kleine Teil belastet alle anderen», fügte Naidoo hinzu.

Diese würden in «Sippenhaft» genommen und durch eine erschreckende Zunahme von Gewalttaten in Gefahr gebracht.

Eurovision Song Contest Dem Sänger war bereits mehrmals vorgeworfen worden, seine Musik enthalte rechtspopulistisches Gedankengut. Vor dem Eurovision Song Contest 2016 wurde Naidoo beschuldigt, in Liedern gegen Juden und Homosexuelle zu hetzen. Der NDR wollte Naidoo für Deutschland zu dem Wettbewerb schicken. Nach einer Protestwelle nahm der Sender die Entscheidung zurück.

2017 sorgte der Song «Marionetten» von Naidoos Band «Söhne Mannheims» für Diskussionen. Darin werden beispielsweise «Volksvertreter» als «Volks-in-die-Fresse-Treter» bezeichnet, die wie Marionetten von «dunklen Mächten» gesteuert würden. Naidoo sprach von einer «zugespitzten Zustandsbeschreibung gesellschaftlicher Strömungen». epd

Fernsehen

Adolf und seine »Akte«

Die fünfte Staffel von »Babylon Berlin« spielt 1933 zur Zeit von Hitlers Machtergreifung. Unterhaltung mit politischem Anspruch, aber stimmen die Fakten?

von Ayala Goldmann  29.09.2026

Hard-Rock-Legenden

Kiss feiern 50 Jahre »Rock and Roll Over«

Eine umfangreiche Neuauflage des Albums kommt. Was ist enthalten?

 29.09.2026

Fußball

Im Kreuzfeuer: Irischer Nationalspieler mit israelischer Mutter

Finn Azaz wurde für Irlands Nationalkader für die Länderspiele gegen Israel nominiert. Weil er eine israelische Mutter hat, soll seine Zukunft im irischen Team aber infrage stehen

von Michael Thaidigsmann  29.09.2026

Geburtstag

Streitbare Mahnerin: Lea Rosh wird 90 Jahre alt

Ihr Name ist eng verbunden mit dem Holocaust-Mahnmal in Berlin. Schon früh beschäftigte sich die Journalistin Lea Rosh mit der Judenverfolgung im Nationalsozialismus. Am Donnerstag wird sie 90 Jahre alt

von Birgit Wilke  29.09.2026

Die frühere rbb-Intendantin Patricia Schlesinger

Berlin

Strafprozess gegen Ex-RBB-Intendantin Schlesinger

Im Sommer 2022 erschüttert der RBB-Skandal den öffentlich-rechtlichen ARD-Sender. Der Fall beschäftigt auch die Justiz. Nun soll es wegen Untreue-Vorwürfen zum Prozess kommen.

 29.09.2026

Berlin

CDU-Kulturexperte schlägt Wolf Biermann für Nobelpreis vor

»Biermanns Werk, seine poetische Stimme stehen für die Unantastbarkeit individueller Freiheit als Würde des einzelnen Menschen bis heute«, schreibt Uwe Lehmann-Brauns zur Begründung

 29.09.2026

Archäologie

Hoffnung auf Latrinen - Grabung legt mittelalterliche Keller frei

Die Funde auf dem Areal der zweiten Jüdischen Gemeinde informieren über das Leben im mittelalterliche Erfurt. Zugleich geben sie Einblicke in die Stadtplanung des 13. Jahrhunderts

von Matthias Thüsing  28.09.2026

Sachsen-Anhalt

Der 7. Oktober und die Folgen: Podiumsdiskussion in Halle

Vor drei Jahren überfielen islamistische Terroristen Israel und rissen damit Gaza in einen bis heute andauernden Krieg. Zeitgleich nahmen weltweit antisemitische Ausschreitungen zu. Diskutanten erörtern die Ursachen

 28.09.2026

Berlin

Verschollene Golem-Filmmusik feiert Berliner Erstaufführung

Der Komponist Hans Landsberger, ein späteres Holocaust-Opfer, hatte die sinfonische Begleitmusik für den Film geschrieben. Seine Komposition gilt als Meilenstein in der Entwicklung der Filmmusik

 28.09.2026