Hochschule für Jüdische Studien

»Wir sind das älteste Stück Bildungsinitiative«

Johannes Heil Foto: Marco Limberg

Herr Heil, in dieser Woche beginnt das Wintersemester. Was sind die Pläne der Hochschule für Jüdische Studien (HfJS) für das neue akademische Jahr?
Zwei Pfeiler sind wesentlich für die HfJS. Zum einen die wissenschaftliche Exzellenz. Wir wollen noch stärker inter- und transdisziplinär wirken. So hat etwa der Lehrstuhl für Talmud von Ronen Reichman eine Arbeitsperspektive entwickelt im Hinblick auf vergleichende Rechtsgeschichte, vergleichendes Sakralrecht, etwa den Vergleich von Halacha und Scharia. Dazu gab es in diesem Jahr zusammen mit der Universität Osnabrück eine Summer School in Sarajevo. Diesen Bereich wollen wir noch stärker ausbauen.

Und der zweite Pfeiler?
Das ist die Zusammenarbeit mit den Gemeinden. Hier gibt es ja neue Verknüpfungen. Wir werden etwa beim Gemeindetag in Berlin im November an mehreren Workshops beteiligt sein. Wir wollen unser Angebot in den Gemeinden unmittelbarer präsent machen und mehr Nachwuchs von dort für die HfJS bekommen. Da gibt es noch Potenzial. Mit der Bildungsabteilung des Zentralrats sind wir im intensiven Gespräch über die künftige jüdische Akademie. Wir sind ja sozusagen das älteste Stück der Bildungsinitiative des Zentralrats.

Was wird es auf inhaltlicher Ebene an der HfJS Neues geben?
Vielfalt. Ich biete erstmals eine Lehrveranstaltung zu nordamerikanischen Diasporakulturen an. Interessanterweise haben sich zufällig noch andere Kollegen entschieden, Seminare zu nordamerikanischer Literatur und Philosophie anzubieten, sodass wir einen Nordamerika-Schwerpunkt haben. Ferner wird Daniel Krochmalnik die Trialog-Arbeit im Bereich Religionspädagogik ausbauen. Auch das 200. Jubiläum unserer Disziplin Jüdische Studien rückt langsam näher.

Gibt es auch öffentliche Veranstaltungen?
Öffentliche Vorträge gehören ja immer dazu, auch die Heidelberger Hochschulreden. Außerdem gibt es am 8. Dezember ein Kolloquium zum 70. Geburtstag von Salomon Korn zum Thema sakrale Räume und Synagogenarchitektur, das in eine Festschrift münden soll. Im Frühjahr 2014 spricht zum Beispiel der Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma.

Was wird aus dem Ben-Gurion-Gastlehrstuhl für Israel- und Nahoststudien?
Dessen Finanzierung ist noch für ein weiteres Jahr durch das Land Baden-Württemberg gesichert. Wir sind gerade dabei, die weitere Finanzierung dieses für Deutschland einzigartigen Lehrstuhls zu sichern. Als Nachfolger von Noam Zadoff kommt dieses Jahr Matti Steinberg aus Israel – und damit ein stärkerer Akzent auf der israelischen Politik.

Was macht das studentische Campusleben?
Das hört nicht um 18 Uhr mit dem Seminarende auf. Das gilt erst recht seit der Gründung einer Heidelberg-Hillel-Gruppe im April. Zusammen mit einer derzeit vom Zentralrat finanzierten Mitarbeiterin hat sich ein Kern von Freiwilligen gebildet, die an einem Programm für die kommenden Monate und Jahre arbeiten. Das Hillel Center ist keine Einrichtung der Hochschule, aber eine bei ihr und für die Region. Finanziell muss das künftige Hillel-Zentrum auf eigenen Beinen stehen können, und langfristig soll es auch ein eigenes Gebäude mit Begegnungsräumen und Studierendenzimmern geben.

Kooperiert die HfJS weiterhin mit anderen Institutionen?
Gewiss, und wer die Chancen am Wissenschaftsstandort Heidelberg nicht nutzt, könnte ja auch sonst wohin ziehen. In der Verbundforschung, etwa Hanna Liss mit dem Lehrstuhl Bibel, sind wir in Heidelberg und darüber hinaus vernetzt. Ich kann hier nur die Neuigkeiten im Portfolio aufzählen. Mit der Universität Heidelberg und den judaistischen Standorten in Freiburg, Tübingen und Frankfurt bauen wir für die Doktorandenausbildung einen Südwestverbund der Jüdischen Studien auf, der inhaltlich eine zeitgemäße Selbstverortung des Faches in der europäischen Hochschullandschaft bieten wird. Ferner bauen wir die Zusammenarbeit mit der Universität Beer Sheva aus und werden im kommenden Jahr einen gemeinsamen Master-Studiengang in Israelstudien auflegen. Das wird der überhaupt erste Joint Degree-Master zwischen Hochschulen in Deutschland und Israel sein.

Was hat im kommenden Jahr die absolute Priorität?
Der strukturelle Ausbau unserer Hochschule mit dem Ziel der Verlängerung der institutionellen Akkreditierung beim Wissenschaftsrat 2019, die Stärkung des Drittmittelbereichs in der Forschung und die Erhöhung der Studierendenzahl. Wir befinden uns derzeit in einer Konsolidierungsphase, das heißt, wir machen keine großen neuen Pläne, sondern setzen um, was im Strukturplan 2017 beschlossen ist. Damit erreichen wir die volle Operationsfähigkeit. Bis 2016/17 wollen wir auf zwölf Professuren kommen, also das Minimum von Universitätsförmigkeit, und damit auch ein selbstständiges Promotionsrecht erlangen.

Mit dem Rektor der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg sprach Ingo Way.

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