Glückwunsch

Superstar mit Bodenhaftung

Komödiantin, Sängerin und Schauspielerin: Bette Midler Foto: dpa

Glückwunsch

Superstar mit Bodenhaftung

Der Entertainerin und Schauspielerin Bette Midler zum Siebzigsten

von Bettina Thienhaus  01.12.2015 09:55 Uhr

Bette Midler ist ein Multitalent. Gerade mal 155 Zentimeter groß, blitzende Augen, rotblonde Locken, füllt sie dank ihrer Präsenz und Ausstrahlung auch die größte Bühne.

»Live-Auftritte sind immer noch die Königsdisziplin. Wenn Sie etwas können, das die Leute live sehen wollen, dann haben Sie eine große Karriere vor sich«, sagte sie einmal dem Nachrichtenmagazin Spiegel. Bühnenshows etwa in Las Vegas (»The Showgirl Must Go On«), Hit-Songs (»The Wind Beneath My Wings«) und starke Filmrollen (The Rose) machten sie weltweit bekannt.

Die Komödiantin, Sängerin und Schauspielerin wurde vielfach ausgezeichnet, mit Golden Globes, etlichen Emmys und Grammys; sie verkaufte gut 30 Millionen Alben und war zweimal für den Oscar nominiert. Sie ist ein Superstar mit Bodenhaftung.

Osteuropa Den Erfolg hat Bette Midler sich hart erarbeitet. 1945 wird sie auf Hawaii in eine jüdische Handwerkerfamilie geboren, deren Vorfahren aus Osteuropa eingewandert waren. Die Midlers sind arm, »richtig arm«, wie sie einmal dem Jewish Chronicle erzählte: »Ich bin der Beweis, dass man zwischen Kakerlaken aufwachsen kann und trotzdem später zum Dinner mit dem Präsidenten im Weißen Haus sitzt.«

Bette, nach Hollywoodstar Bette Davis benannt, jobbt in einer Ananas-Fabrik, versucht sich beim Radio und an der Universität. Lehrerin oder Krankenschwester, was der Vater sich für sie wünscht, kommt nicht infrage. Die junge Frau will eine Bühnenkarriere und geht nach New York. »Meine Eltern haben mir beigebracht: Verlasse dich nicht auf einen Mann. Baue nicht darauf, dass du heiratest und er für dich zahlt. Das habe ich kapiert.«

In New York spielt sie zunächst in Musicals mit und hat Erfolg mit Bühnenshows in der populären Schwulen-Sauna »Continental Baths«. Musikalisch begleitet wird sie von Barry Manilow, der 1972 The Divine Miss M produziert, das erste von Midlers zahlreichen Alben.

Die jüngste Songsammlung It’s The Girls! (2014) ist eine Hommage an Girl Groups der frühen 60er-Jahre, die sie bis heute inspirieren: »Mit diesen Liedern bin ich aufgewachsen. Sie sind der Soundtrack meiner Erinnerung. Das erste Lied, das ich bewusst gehört habe, war ›It’s the Girl’‹ von den Boswell Sisters. Deswegen heißt das Album auch so.«

Feministin Als Komödiantin beweist sich Midler auch im Kino. Mit Woody Allen hat sie Ehekrach in Ein ganz normaler Hochzeitstag (1991), in Zoff in Beverly Hills (1986) bringt sie Nick Nolte aus der Fassung und in der turbulenten Komödie Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone gibt sie das kongeniale Gegenüber für Danny DeVito. Im Remake der Frauen von Stepford (2004) ist sie die einzige unangepasste Hausfrau.

Eine Glanzleistung bringt Bette Midler im Club der Teufelinnen (1996). Sie spielt, clever und burschikos, die ältere übergewichtige Brenda, die von ihrem Ehemann betrogen und ausgenutzt wird. Zusammen mit Goldie Hawn und Diane Keaton setzt sie einen genialen Racheplan um.

Midler sieht sich als »eine Art Feministin«, seit ihr klar wurde, »dass es Männer gibt, die Frauen gegenüber kalt ihre Macht ausspielen«, wie sie der Süddeutschen Zeitung sagte. Dass die Schauspielerin auch ernsten Rollen gewachsen ist, zeigte sie schon 1979 in Mark Rydells Drama The Rose, das sich lose am Schicksal von Janis Joplin orientiert. Midler verkörpert die tragisch scheiternde Rock- und Bluessängerin und wurde für ihre sensible Darstellung mit einem Golden Globe und einer Oscar-Nominierung bedacht.

showbusiness Mit ihrem Ehemann, dem Performancekünstler Martin von Haselberg, lebt Bette Midler in New York. 30 Jahre sind sie glücklich verheiratet – eine Rarität im Showbusiness. Tochter Sophie ist Schauspielerin und in Woody Allens neuem Film Irrational Man auf der Leinwand zu sehen.

Für ihr geliebtes New York engagiert sich Obama-Anhängerin Bette Midler mit dem »New York Restoration Project«, das sie 1995 ins Leben rief. Dessen Ziel ist es, die Stadt grüner und lebenswerter zu machen. Den Anstoß dazu habe ihr deutscher Schwiegervater mit seinem Garten mitten in Frankfurt gegeben. »Ich möchte eine Million Bäume pflanzen«, hat Energiebündel Bette Midler sich vorgenommen.

Am heutigen Dienstag wird Bette Midler 70 Jahre alt. Masal Tow – und bis 120!

Kalifornien

Israelischer Schauspieler Guy Kapulnik stirbt bei Flugzeugabsturz

Parallel zur Schauspielerei entwickelte sich das Fliegen zu einem zentralen Bestandteil seines Lebens

 02.10.2026

Fernsehen

Adolf und seine »Akte«

Die fünfte Staffel von »Babylon Berlin« spielt 1933 zur Zeit von Hitlers Machtergreifung. Unterhaltung mit politischem Anspruch, aber stimmen die Fakten?

von Ayala Goldmann  02.10.2026

Auszeichnung

Rafael Seligmann erhält Gerty-Spies-Literaturpreis

Der Schriftsteller Rafael Seligmann setzt sich mit seinem Werk dafür ein, dass die Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland nicht vergessen wird. Dafür wird er in Mainz ausgezeichnet

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Aufgegabelt

Gitti

Unser Rezept der Woche!

 01.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Imanuel Marcus, Katrin Richter  02.10.2026 Aktualisiert

Madrid

Kritik an Zara wegen Halloween-Kostüm mit Ähnlichkeit zu KZ-Kleidung

Die Hintergründe

 01.10.2026

Aufruf

Rapper Danger Dan: Man darf sich von Angst nicht lähmen lassen

Das ZDF untersagte im Sommer den Auftritt von Danger Dan und Igor Levit mit ihrem Song »Keine Angst« in der Satire-Sendung »Die Anstalt«. Doch das Lied motivierte andere, aktiv zu werden gegen Neonazi-Umtriebe

von Barbara Just  01.10.2026

»NAZA«

Die Banalität der Propaganda

Der umstrittene Film über Israels digitale Kriegsführung in Gaza beherrscht das Spiel mit Gefühlen. Ein Versuch, sachlich zu bleiben

von Sophie Albers Ben Chamo  30.09.2026