Berlin

Roland Berger sagt Preisverleihung ab

»Heute bin ich klüger«: Unternehmensberater Roland Berger Foto: imago

Berlin

Roland Berger sagt Preisverleihung ab

Zwei von drei Geehrten wollen den von Roland Berger gestifteten Preis nicht entgegen nehmen

 20.10.2019 11:46 Uhr

Die Roland-Berger-Stiftung hat die für Montag geplante Verleihung ihres Preises für Menschenwürde verschoben. In einer Mitteilung vom Samstag hieß es, mit diesem Schritt möchte der Stifter Roland Berger vermeiden, »dass die aktuelle Berichterstattung über die Rolle seines Vaters in der Zeit des Nationalsozialismus die Würde und das Renommee dieses seit 2008 verliehenen Preises gefährdet«.

Einem Bericht des »Handelsblattes« zufolge war Georg Berger 1931 in die NSDAP eingetreten und von 1936 bis 1939 Reichskassenverwalter der Hitler-Jugend gewesen. Anschließend sei er Generaldirektor einer »arisierten« Backfabrik geworden und habe in einer beschlagnahmten Villa gewohnt.

HISTORIKER Der Unternehmensberater Roland Berger hatte seinen Vater lange als Gegner und Opfer der Nazis dargestellt - um Klarheit zu bekommen, beauftragte er inzwischen zwei Historiker, um »reinen Tisch zu machen und alles aufzuklären«, wie er dem »Handelsblatt« sagte. Der Bericht der Historiker soll der Mitteilung zufolge voraussichtlich Ende des Jahres vorliegen und veröffentlicht werden.

Mit Traurigkeit und Enttäuschung habe er die Ablehnungen zur Kenntnis genommen, erklärte Berger.

Der polnische Bürgerrechtler Adam Bodnar, der den Preis für Menschenwürde am Montag im Jüdischen Museum in Berlin erhalten sollte, hatte am Freitag erklärt, er nehme die Auszeichnung wegen der Zweifel an Bergers Rolle im Nationalsozialismus nicht entgegen. Auch das Netzwerk »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« verzichtete der Mitteilung der Stiftung zufolge auf den Preis. Mit Traurigkeit und Enttäuschung habe er die Ablehnungen zur Kenntnis genommen, erklärte Berger.

»Geschichtsklitterung nehmen wir nicht hin, denn sie widerspricht einem couragierten Einsatz für die Menschenwürde«, erklärte die Vorsitzende des Vereins »Aktion Courage«, Sanem Kleff, am Samstag in Berlin. Die Vereinsinitiative »Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage« sollte den mit 30.000 Euro dotierten Preis bei der Festveranstaltung am Montag in Berlin entgegen nehmen.

ABLEHNUNG »Ich respektiere diese Entscheidungen und sage die Veranstaltung für Montag ab, um weiteren Schaden von meiner Stiftung abzuwenden und den Geist der Auszeichnung für kommende Preisträger zu wahren«, sagte Berger. 

Bei der Preisverleihung am Montagabend in Berlin sollte als dritter Preisträger die Initiative »#ichbinhier« gegen Hass und Hetze im Internet ausgezeichnet werden. Sie wollte den Preis entgegennehmen.

»Da die Verleihung des Preises für Menschenwürde von der Roland Berger Stiftung explizit nicht in Verbindung zu der Person Georg Bergers steht, sehen wir auch keinen Grund dafür, diesen Preis abzulehnen«, erklärte das Projekt auf seiner Homepage. dpa/epd

Literatur

Im Tunnel

Eli Sharabis Erinnerungen an seine Geiselhaft in Gaza sind ein Manifest der Menschlichkeit. Ein Buch voller Grausamkeit, aber ohne Hass

von Maria Ossowski  10.01.2026

Reimund Leicht

»Präsenz und Sichtbarkeit verstärken«

Der Leiter des Judaistik-Instituts an der FU Berlin über Herausforderungen auf dem Campus, die vakante zweite Professur und Lehre zu jüdischer Kultur im modernen Israel

von Ayala Goldmann  09.01.2026

Berlin

Dschungelcamp-Kandidatin stichelt gegen Gil Ofarim: »Ganz übel«

Die Teilnahme des jüdischen Musikers sorgt für heftige Reaktionen. Nun wirft ihm auch Kandidatin Belstler-Boettcher Fehlverhalten in der sogenannten Davidstern-Affäre vor

 09.01.2026

Osnabrück

Christian Berkel hat zu viele Bücher

Das Problem: »Wir haben mal versucht, eine alphabetische Ordnung in den Bücherschrank zu bringen, aber mittlerweile liegen die Neuen einfach obenauf«, so der jüdische Autor und Darsteller

 09.01.2026

Berlin

Swing-Konzert nach Hüftoperation

Nur Tage nach dem Eingriff will Andrej Hermlin wieder auf der Bühne sein. Unter anderem steht ein großes Konzert in der Philharmonie an

von Imanuel Marcus  08.01.2026

Trauer

Schöpfer der Todesmarsch-Mahnmale: Hubertus von Pilgrim ist tot

Der Bildhauer Hubertus von Pilgrim ist im Alter von 94 Jahren in Pullach bei München gestorben. Internationale Bekanntheit erlangte er durch sein Mahnmal für die Opfer des Dachauer Todesmarschs vom April 1945

 08.01.2026

Debatte

Gil Ofarim reagiert auf Kritik an Dschungelcamp-Teilnahme

Gil Ofarim sorgt mit dem Einzug ins Dschungelcamp wieder für Wirbel. Nach Boykott-Aufrufen von Fans äußert er sich erstmals selbst

 08.01.2026

Kulturkolumne

Litwaks: Bin ich einer von ihnen?

Kühl, rational, berechnend und skeptisch – so sind sie laut der »YIVO Encyclopedia of Jews in Eastern Europe«

von Eugen El  08.01.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter  08.01.2026