Hören

Reut Regev, Jazzposaunistin

Noch morgens im Interview hat die feingliedrige junge Frau mit den glatten langen Haaren fast schüchtern über ihre Musik und ihre Herkunft erzählt. Jetzt am Abend steht sie als Posaunistin breitbeinig beim Berliner JazzFest auf der Bühne und haut den staunenden Zuhörern fette Fanfaren um die Ohren. Eine Frau mit Posaune? Das ist selten, auch im zeitgenössischen Jazz. Doch wer die junge Israelin auf ihrem Album This Is R* Time spielen hört, zusammen mit Brad Jones am Bass und ihrem Ehemann Igal Foni am Schlagzeug, vergisst schnell das Vorurteil, Posaune sei reine Männersache.

Zu ihrem Instrument kam die junge Frau aus Kirjat Ono bei Tel Aviv, weil am Konservatorium, wo sie eigentlich Klavier und Trompete lernte, keiner außer ihr sich zutraute, es zu spielen. Seit 1998 lebt Reut Regev mit ihrem Mann in New York, wo sie in unterschiedlichen Formationen Jazz oder Latin gespielt hat, aber auch Klesmer zusammen mit dem legendären »Klezmatics«-Trompeter Frank London. »Klesmer ist ein Teil meines kulturellen und familiären Erbes«, erzählt sie. »Die Familie meines Vaters kommt aus einer Gegend irgendwo zwischen Polen und Russland.« Der Schoa entkamen die Vorfahren nur knapp. »Die Nachricht vom Kriegsausbruch hat meine Großmutter im Radio gehört. Da stand sie gerade an Bord des rettenden Schiffs nach Palästina.

Programm

100 Synagogen, zwei Chemnitzer und ein Eis am Stiel: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 16. Juli bis zum 23. Juli

 15.07.2026

David Baddiel

»Inzwischen kann man Messi in den Griff bekommen«

Der britische Autor über das Halbfinale England vs Argentinien, seinen legendären Fußball-Song »Three Lions« und warum er immer noch glaubt, dass England gegen Argentinien gewinnen wird

von Katrin Richter  15.07.2026

Interview

»Musik ist meine Heimat«

Die Sängerin Anna Margolina über Jazz, jiddische Lyrik und ihr Judentum

von Alicia Rust  14.07.2026

Medien

Wechsel im ARD-Studio Tel Aviv: Sophie von der Tann wird abgelöst

Während der BR seine Korrespondentin in höchsten Tönen lobt, wurde extern immer wieder heftige Kritik geübt. Von der Tanns Nachfolgerin in Israel ist Pia-Marie Steckelbach

 14.07.2026

Kommentar

Wenn Studenten wieder anfangen, Juden auszugrenzen

Es sind Beschlüsse wie der Boykott-Beschluss des Studierendenparlaments der Humboldt-Uni, bei denen man sich unwillkürlich fragt, ob die zukünftige sogenannte deutsche Bildungselite noch zu retten ist

von Leeor Engländer  14.07.2026

München

Bayerns 180-Grad-Restitutionswende

Der Freistaat hat sich entschieden, eine Bronze von Picasso zurückzugeben und dabei gleich seinen Umgang mit NS-Raubkunst zu reformieren

von Michael Thaidigsmann  14.07.2026

London

Sacha Baron Cohen als »Ali G« in Wimbledon

Der britische Komiker und Schauspieler hat viele Gesichter. Eine Kunstfigur erscheint plötzlich beim Tennis

 14.07.2026

Sehen!

»In the Hand of Dante«

Die Handlung springt zwischen den Jahrhunderten hin und her. Trotzdem ist der Film mit Gal Gadot und Oscar Isaac ein gelungenes Werk

von Katrin Richter  13.07.2026 Aktualisiert

Paris

»Die Isolation Israels ist ein historisches moralisches Versagen«

»Es ist ein dunkler Moment für Juden auf der ganzen Welt«, sagt der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy. »Wir müssen stolz, stark und weise sein.«

 13.07.2026