Journalismus

Pulitzer-Preise für Weinstein-Enthüllungen

Die »New York Times«-Journalistinnen Jodi Kantor und Megan Twohey (3. und 4. v.l.) mit ihren Kollegen im Newsroom Foto: dpa

Berichte über sexuelle Übergriffe in Hollywood und eine russische Einflussnahme auf die US-Wahl sind mit dem diesjährigen Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden. Journalisten der »New York Times« erhielten am Montag in New York drei der begehrten US-Auszeichnungen, jeweils zwei Preise gingen an die »Washington Post« und die Nachrichtenagentur Reuters.

Die Preise zählen zu den wichtigsten Auszeichnungen der Welt für Journalismus. Das Pulitzer-Preis-Komitee ehrte Journalisten, Fotografen und Publikationen in 14 Kategorien. Zudem wurden Preise verliehen für musikalische und literarische Werke.

MeToo In der Königskategorie »Dienst an der Öffentlichkeit« (»Public Service«) wurden die »New York Times« und das Wochenmagazin »New Yorker« gemeinsam ausgezeichnet. Mit Berichten unter anderem über den Fall des Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein hätten die beiden Publikationen die »MeToo«-Bewegung angestoßen, bei der seitdem Frauen Missbrauchserfahrungen offenlegten, hieß es zur Begründung.

Die »Washington Post« und die »New York Times« teilten sich den Preis für »Nationale Berichterstattung«. Die prämierten Texte befassten sich mit einer mutmaßlichen Einmischung Russlands in die US-Präsidentenwahl. Die »Washington Post« erhielt zudem den Pulitzer-Preis für investigative Berichterstattung für Artikel über Missbrauchsvorwürfe, die den republikanischen Senatskandidaten Roy Moore zu Fall brachten.

Donald Trump Die Auszeichnung für »Erklärende Berichterstattung« ging an die Zeitung »The Arizona Republic« und das »USA Today Network« für Beiträge über Präsident Donald Trumps Plan zum Bau einer Grenzmauer. Die Zeitung »The Press-Democrat« aus dem kalifornischen Santa Rosa erhielt den Preis in der Kategorie »Aktuelle Berichterstattung« für Artikel über Waldbrände.

Weitere Auszeichnungen gingen an den »Cincinnati Enquirer« für Lokalberichterstattung über eine Heroin-Epidemie in der 300.000-Einwohner-Stadt, die freie Journalistin Rachel Kaadzi Ghansah für ein Feature über einen Massenmörder im Magazin »GQ« sowie John Archibald von der Alabama Media Group für Kommentare über Korruption.

In der Kategorie »Kritik« bekam Jerry Saltz vom »New York Magazine« den Pulitzer-Preis für Texte über darstellende Künste. In der Sparte »Editorials« erhielt Andie Dominick vom »Des Moines Register« in Iowa die Auszeichnung für Beiträge über die Privatisierung des Gesundheitswesens. Als »Karikatur« ehrten die Juroren eine Bildergeschichte in der »New York Times« über eine Familie auf der Flucht.

Charlottesville Die Nachrichtenagentur Reuters erhielt den »Internationalen Pulitzer« für ihre Berichterstattung über den Kampf gegen Drogen auf den Philippinen, wie es hieß. Reuters bekam zudem einen Pulitzer-Preis für Fotos über die Gewalt gegen Rohingya-Flüchtlinge in Myanmar. Ein weiterer Fotopreis ging an die Zeitung »The Daily Progress« in Charlottesville im US-Staat Virgina für ihre Berichterstattung über eine Kundgebung gegen Rassismus.

Bei der Bekanntgabe in der New Yorker Columbia-Universität erklärte die Vorsitzende der Verwaltung der Pulitzer-Preise, Dana Canedy, die Preisträger hätten sich in schwierigen Zeiten an den »obersten Werten einer freien und unabhängigen Presse« orientiert. Medien könnten jedoch mehr tun, um mehr Vertrauen zu gewinnen von der manchmal skeptischen Öffentlichkeit.

Der von dem in Ungarn geborenen US-Zeitungsverleger Joseph Pulitzer gestiftete Preis wurde dieses Jahr zum 102. Mal vergeben.
Die Jury setzt sich aus Journalisten, Verlegern und Akademikern zusammen. Im Unterschied zu 2016 und 2017 wurden 2018 keine Online-Publikationen ausgezeichnet.

www.pulitzer.org

Zahl der Woche

6,6 Gramm Zucker

Fun Facts und Wissenswertes

 01.09.2026

Kino

Film »Vaterland«: Eine Rückkehr, keine Heimkehr

Hanns Zischler und Sandra Hüller glänzen in »Vaterland«, Pawel Pawlikowskis Drama über Thomas Manns Reise durch das geteilte Deutschland 1949

von Rudolf Worschech  01.09.2026

London

Gal Gadot drehte »The Runner« auf Krücken: »Ich brauchte eine Pause«

»Irgendwann waren meine Füße kaputt und das war’s dann«, sagt die israelische Darstellerin. »Danach musste ich mich erholen und all das.«

 01.09.2026

Literatur

Die perfekte Paranoia

»Howl« ist eine romangewordene Angstattacke, die Hoffnung macht. So etwas kann nur der britische Schriftsteller Howard Jacobson

von Sophie Albers Ben Chamo  01.09.2026

Mainz

Besucherzentrum an Welterbe-Friedhof öffnet seine Türen

Nach zweijähriger Bauzeit öffnet am Gelände des historischen Mainzer Judenfriedhofs ein Besucherzentrum. Der Friedhof selbst war fünf Jahre zuvor zum Weltkulturerbe ernannt worden

 01.09.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Aufgegabelt

»Back to school«-Müsliriegel mit Tahini

Rezepte und Leckeres

 31.08.2026

Tournee

Graham Gouldmans Band 10cc kommt nach Deutschland

In diesem Monat erobert die legendäre britische Gruppe fünf Bühnen in der Bundesrepublik. In welchen Städten sind Auftritte vorgesehen?

 31.08.2026

Debatte

Börsenverein des Deutschen Buchhandels hält an Israel-Hasserin El Hissy fest

Die Literaturkritikerin Maha El Hissy verbreitet israelfeindliche Stereotype von ethnischer Säuberung bis zum angeblichen Völkermord. Trotz massiver Kritik und Vorwürfe nimmt der Börsenverein El Hissy in Schutz

 31.08.2026