Leipzig

»Politischer Wahn«

Waffen und Munition, die bei einem mutmaßlichen »Reichsbürger« beschlagnahmt wurden Foto: Polizeipräsidium Heilbronn/dpa

Der jüdische Hamburger Autor und Theaterregisseur Tobias Ginsburg hat eindringlich vor der rechtsextremen Reichsbürger-Szene gewarnt. Es handele sich »nicht nur um schrille Einzelfälle, sondern man hat es mit einer ernsten Gefahr zu tun«, sagte er am Freitag auf der Leipziger Buchmesse. »Die Vorstellung, wir Deutschen haben kein legitimes Land und sind Opfer einer internationalen Weltverschwörung – das ist die Basis für diesen gesamten politischen Wahn«, fügte er hinzu.

Ginsburg hat für sein Buch Die Reise ins Reich. Unter Reichsbürgern nach eigenen Angaben mehr als sechs Monate undercover in der Szene recherchiert. Das sei viel leichter gewesen als gedacht, sagte der Autor: »Ich bin mit offenen Armen empfangen worden.«

verfassungsschutz Reichsbürger leugnen die Existenz der Bundesrepublik und behaupten, das Deutsche Reich bestehe bis heute fort. Einige sind in rechtsextremistischen Gruppen engagiert. Der Verfassungsschutz beobachtet die Szene bundesweit.

Viele Aussagen von Reichsbürgern hörten sich zunächst kindlich
oder naiv an, sagte Ginsburg. Das Katastrophale an den
Verschwörungstheorien der Reichsbürger sei, dass an ihrem Anfang ein Realitätsboykott und ein Gefühl des Belogenseins ständen. Wer sich von Medizin, Politik und Presse belogen fühle, werde empfänglicher für andere Verschwörungstheorien, betonte er. »Und da wird man abgeholt von der rechten Szene«, warnte Ginsburg.

Die größte Gefahr für die Gesellschaft bestehe darin, »dass durch
populistische Parteien wie die AfD solche Verschwörungstheorien hoffähig werden«, erklärte Ginsburg. »Teile der AfD und der Reichsbürgerbewegung sind identisch«, betonte der Autor. epd

Die Träger des Georg-Stefan-Troller-Preises 2026

Frankfurt am Main

Auszeichnung für Journalisten und Buchautoren

Der Georg-Stefan-Troller-Preis für die Berichterstattung über jüdisches Leben wurde erstmals verliehen. Mit Mascha Malburg und Joshua Schultheis sind auch zwei JA-Journalisten unter den Ausgezeichneten

 11.10.2026

Frankfurt am Main

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Philippe Sands überreicht

Der Völkerrechtsanwalt forderte in seiner Rede ein Ende angeblicher »Debattenbeschränkungen« in Deutschland

 11.10.2026

Julia Franck

»Sie liebt, aber sie wird nicht geliebt«

Die Schriftstellerin über ihre literarische Biografie der Jüdin Baladine Klossowska und den Dichter Rainer Maria Rilke

von Knut Elstermann  11.10.2026

Aufgegabelt

Rote Bete mit Tahini

Rezepte und Leckeres

 11.10.2026

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Texten der Jüdischen Allgemeinen

 10.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

 10.10.2026

Kino

Ich habe »Naza« gesehen, und es ist ein übles Stück Propaganda

Es ist erschreckend zu sehen, wie große Teile der Filmwelt sich gerade selbst zu nützlichen Idioten der Hamas degradieren, indem sie ihr von Lügen und Blut getränktes Narrativ übernehmen

von Philipp Peyman Engel  10.10.2026

Berlin

733 Tage, 2 Stunden und 35 Minuten

Eine Ausstellung im Paul-Löbe-Haus erzählt von Verlust, Hoffnung und bleibenden Folgen in der Zeit zwischen dem 7. Oktober und dem Abkommen zur Freilassung der Geiseln

von Pascal Beck  09.10.2026

Essay

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Die Grenzen universitärer Selbstgewissheit

Antisemitismus ist an Universitäten längst kein Ausnahmeproblem mehr. Drei Jahre nach dem 7. Oktober stellt sich deshalb eine unangenehmere Frage: Was haben Universitäten über sich selbst gelernt?

von Frederek Musall  09.10.2026