Meinung

Nein, ihr seid nicht mutig

Na, jetzt klopft ihr euch auf die Schulter, nach eurer billigen Neun-Minuten-Provokation. Ihr habt uns lächerlich gemacht, indem ihr euch im Film unseren Stern an die Brust geheftet und das Seil um den Hals gelegt habt. Ihr wusstet, dass wir nervös aufheulen werden, aber eure kalten Anwälte haben euch zugenickt und gesagt, dass das als Kunstfreiheit durchgeht.

Euer Plan ist aufgegangen, unsere Alten haben aufgeheult, da habt ihr angefangen zu lächeln.

Vorfahren Wir wenigen sind die, die getroffen wurden. Wir sind wieder mal als das behandelt worden, was wir sind: als Fremde. Unser Leid, unsere Erinnerung ist eben nicht eure. Wir können nicht so mit unseren Erinnerungen spielen. Es sind unsere Vorfahren, es ist unser Leid, es bleibt unsere Demütigung.

Kalt seid ihr und niemals mitfühlend. Eins waren wir nie für euch: Menschen wie ihr.

Wir haben uns angepasst, uns verleugnet, aber ihr spürt uns auf, eure Kälte spürt uns auf, macht uns immer wieder ängstlich und beschämt. Eure rohe Brutalität, euer Lachen, euer kaltes Hervorzerren unserer Leiden lässt uns in unsere Löcher verkriechen.

Kalt seid ihr und niemals mitfühlend. Manchmal winselt ihr auch, weil ihr auch noch das Gefühl habt, ihr seid übervorteilt worden, wegen des Geldes, das ihr uns mal gezahlt habt, schreit, jetzt ist es aber genug, dann haltet ihr uns immer wieder vor, wir wären nicht besser als ihr, wir würden mit anderen machen, was ihr mit uns gemacht habt. Eins waren wir nie für euch: Menschen wie ihr.

STERN Was mutig gewesen wäre: Ihr hättet euch als die verkleidet, die ihr die ganze Zeit darstellt, deren Gehabe ihr ohnehin kopiert. Ihr wärt Nachbar, Zugführer und letztlich Mann in der Uniform gewesen, der uns Gesichtslose mit dem Stern an der Brust bis zur Gaskammer führt – und wie ihr damit weiterlebt.

Aber so war es nur pure, verlogene Heuchelei, die euch ein paar Taler bringt.

Der Autor ist Sänger der Band »Pankow« und wuchs als Kind jüdischer Kommunisten in der DDR auf.

Kulturkolumne

»Absteiger« oder Zünglein an der Waage?

»Absteiger« oder Zünglein an der Waage: Israelis im Ausland und die Wahl am 27. Oktober

von Ayala Goldmann  30.07.2026

London

Gericht verurteilt Amy Winehouses Vater zu Millionenzahlung nach gescheiterter Klage

Mitch Winehouse muss das Geld an zwei langjährige Vertraute seiner Tochter überweisen

 30.07.2026

Beziehungen

Es geht nicht um Leben oder Tod

Gute Freunde sind ein Geschenk. Und wenn es Krach gibt, sollte man tief durchatmen – und ein paar Tage später wieder anrufen

von Adriana Altaras  30.07.2026

Zahl der Woche

7 Wochen

Fun Facts und Wissenswertes

 28.07.2026

Literatur

Von der Liebe in Zeiten der ’Ndrangheta

In seinem Tatsachenroman erzählt der italienisch-jüdische Autor Roberto Saviano die Geschichte einer verschwundenen Frau

von Knut Elstermann  28.07.2026

Aufgegabelt

Marokkanische Bällchen

Rezepte und Leckeres

 28.07.2026

Vladimir Shikhman

Meinung

Das ibug-Festival 2025 – eine sächsische Documenta?

Antisemitismus in der Kunst: Auf dem internationalen ibug-Festival in Chemnitz wurden im vergangenen Jahr Werke gezeigt, die antisemitische Klischees reproduzierten. Droht dieses Jahr eine Wiederholung?

von Vladimir Shikhman  28.07.2026

London

Boy George veröffentlicht israelsolidarischen Song »We Will Dance Again«

Der britische Sänger stellt in seinem neuen Reggae-Lied klar: »Ich stehe auf der Seite der Juden.«

von Imanuel Marcus  28.07.2026

New York

Carly Simon hat Parkinson

Die Sängerin und Songschreiberin mit jüdischem Familienhintergrund kämpft mit zwei gesundheitlichen Problemen. Trotzdem hat es sie es geschafft, ein neues Album aufzunehmen

 28.07.2026