Kino

Monsieur Claude und die Alija

Ab 4. April im Kino: In »Monsieur Claude und seine Töchter 2« geht es auch um die Alija französischer Juden. Foto: pr

Monsieur Claude und seine Frau haben mit Ach und Weh eine weltweite Besuchstournee bei den Eltern ihrer vier Schwiegersöhne absolviert. Heilfroh über ihre Rückkehr nach »la douce France«, werden sie mit neuen Hiobsbotschaften konfrontiert: Alle Töchter wollen auswandern. Als Gattin Marie einen afghanischen Flüchtling als Gärtner anheuert, ist Claude erst recht alarmiert.

Fünf Jahre nach dem Erfolgsfilm Monsieur Claude und seine Töchter, der in Frankreich sagenhafte zwölf Millionen Zuschauer fand und in Deutschland fast vier Millionen, ist der Patriarch so rauflustig reaktionär wie eh und je. In der Fortsetzung verschiebt sich jedoch der Fokus von Claudes Vorbehalten gegen seine ethnisch diversen Schwiegersöhne auf diese selbst. Denn David (Jude), Rachid (Araber), Chao (Chinese) und Charles (Afrikaner) fühlen sich in Frankreich zunehmend unwohl.

ATTACKEN Die angriffslustige Tonart bleibt aber gleich; auch in der Fortsetzung geht es nicht darum, mittels feinsinniger Ironie die Zuschauer zum kultivierten Schmunzeln zu bewegen. Die humoristischen Attacken sind direkt und tun weh, werden mal mit der Nadel, mal mit dem Holzhammer verabreicht, sind aber kaum je langweilig. Komik hat oft die Funktion eines Ventils, und am lustigsten sind jene Momente, in denen bei Claudes vergeblichem Versuch, eine ernste Miene zu wahren, sein schadenfrohes Es herausplatzt.

Mit keinem Wort geht der Film auf den wachsenden Antisemitismus ein, der jährlich Tausende französische Juden zur Alija treibt.

Auch die Markenzeichen der Komödie, krachlederne Witze über gesellschaftspolitische Themen, hier etwa die gleichgeschlechtliche Ehe und die Reduzierung von Einwanderern auf ethnische Stereotypen, werden weiter gepflegt. Mit den Nöten von Schauspieler Charles etwa, der nur Rollen als schwarzer Dealer angeboten bekommt, oder von Anwalt Rachid, der die Nase voll hat von Burka tragenden Klientinnen, verlässt man das Terrain eines harmlosen Boulevardstücks. Und ist es Rassismus, wenn Madame Marie den Flüchtling als Taliban tituliert, in der irrigen Meinung, es handele sich um eine Volksgruppe?

Unterhaltsam und witzig dagegen ist der ständige verbale Schlagabtausch der Schwiegersöhne, die beim Austeilen und Einstecken rassistischer Beleidigungen eine Art Kameradschaft schmieden. Doch so sehr der Film das politisch unkorrekte Hänseln propagiert, so feige ist der Film angesichts der geplanten Auswanderung des jüdischen Schwiegersohns David.

ISRAEL Sein Vorhaben wird mit seiner Erfolglosigkeit und der Unternehmerfeindlichkeit in Frankreich bewitzelt, ohne mit nur einem Wort auf den wachsenden – muslimischen – Antisemitismus einzugehen, der jährlich Tausende französische Juden zur Alija treibt. Ebenso kleinlaut wirkt das Happy End, dem eine von Claude trickreich inszenierte Werbetour für seine Heimatregion vorausgeht. So legt diese Komödie zwar nicht die Flucht aus Frankreich, wohl aber aus Paris nahe. Finanziert von einem alten weißen Mann. 

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

ZDF

ZDF verbietet Igor Levit und Danger Dan zu singen

Auf Social Media werfen die Musiker Igor Levit und Danger Dan dem öffentlich-rechtlichen Sender ZDF Zensur vor. Dabei geht es um ein gemeinsames Lied für die Sendung »Die Anstalt«

 16.07.2026 Aktualisiert

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  16.07.2026

Kulturkolumne

Heißer Streit um kalte Suppe

Wer hat den gekühlten Borschtsch erfunden? Fast fühlt sich unser Autor an die im Nahen Osten mit noch größerer Verve ausgetragenen »Hummus Wars« erinnert

von Eugen El  16.07.2026

Literatur

Wünsche zum WM-Finale

Ein Roman unseres Autors Eshkol Nevo beginnt mit der Fußball-Weltmeisterschaft 1998. Was ist aus seinen Freunden geworden, die ihre Hoffnungen auf kleine Zettel schrieben?

von Eshkol Nevo  16.07.2026

Justiz

Schweizer Comedian Hamza Raya wegen Rassismus angezeigt

Ein muslimischer Comedian und ein jüdischer Gastronom loten die Grenzen der Satire aus. Nun droht dem einen von beiden eine juristische Auseinandersetzung

von Nicole Dreyfus  15.07.2026

Programm

100 Synagogen, zwei Chemnitzer und ein Eis am Stiel: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 16. Juli bis zum 23. Juli

 15.07.2026

David Baddiel

»Inzwischen kann man Messi in den Griff bekommen«

Der britische Autor über das Halbfinale England vs Argentinien, seinen legendären Fußball-Song »Three Lions« und warum er immer noch glaubt, dass England gegen Argentinien gewinnen wird

von Katrin Richter  15.07.2026

Interview

»Musik ist meine Heimat«

Die Sängerin Anna Margolina über Jazz, jiddische Lyrik und ihr Judentum

von Alicia Rust  14.07.2026

Medien

Wechsel im ARD-Studio Tel Aviv: Sophie von der Tann wird abgelöst

Während der BR seine Korrespondentin in höchsten Tönen lobt, wurde extern immer wieder heftige Kritik geübt. Von der Tanns Nachfolgerin in Israel ist Pia-Marie Steckelbach

 14.07.2026