Frankfurt

»Jüdisches Leben wieder sichtbar machen«

Foto: dpa

Das Jüdische Museum Frankfurt, zwischen Theater und Main gelegen, öffnet am Mittwoch wieder seine Türen für das Publikum. Aus einem Gebäude sind zwei geworden: Neben dem sanierten klassizistischen Rothschild-Palais erhebt sich kontrastreich der weiße, fünfeckige Neubau.

Museumsleitung und Stadt hat heute den neuen Museumskomplex vorgestellt, der sich als »Zentrum für jüdische Kultur in Geschichte und Gegenwart« versteht. »Das Museum gibt der jüdischen Vergangenheit der Stadt einen Rahmen«, widme sich aber vor allem gegenwärtigem jüdischen Leben in Frankfurt und sei damit bundesweit einmalig, sagte der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

»Das Museum gibt der jüdischen Vergangenheit der Stadt einen Rahmen.«

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) nannte die Neueröffnung des Museums einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung des Hauses. Das Museum habe bereits zuvor als Stätte der Erinnerung und des Wissens dazu beigetragen, jüdische Geschichte und Kultur in Frankfurt zu vermitteln.

»Wir wollen, dass jüdisches Leben in diesem Land sichtbar ist - in einer Gesellschaft, die friedlich und in gegenseitigem Respekt miteinander lebt«, betonte Bouffier.

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Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sagte, das Museum sei einer der wichtigsten öffentlichen Räume der Stadt. Dort werde Pluralität verteidigt. Sie lobte die Offenheit des Museumskomplexes als »wichtiges Signal im Kampf gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus«.

Die Nutzfläche des Museums hat sich verdoppelt, zu den knapp 2300 Quadratmetern im Altbau kommen nun knapp 2400 Quadratmeter im Neubau hinzu. Die Kosten von Sanierung und Bau waren mit 50 Millionen Euro veranschlagt.

Frankfurt war die erste Stadt, in der nach dem Holocaust in Deutschland ein Jüdisches Museum errichtet wurde.

Der von dem Berliner Architektenbüro Staab entworfene Neubau bietet auf mehr als 600 Quadratmetern Raum für Wechselausstellungen. Frankfurt war die erste Stadt, in der nach dem Holocaust in Deutschland ein Jüdisches Museum errichtet wurde. Es öffnete am 9. November 1988 im nun sanierten historischen Rothschild-Palais am Mainkai.

AUSSTELLUNGEN Die erste Wechselausstellung »Die weibliche Seite Gottes« wird von Freitag an öffentlich gezeigt. Daneben beherbergt das Gebäude ein Foyer, einen Veranstaltungsraum, eine öffentliche Bibliothek mit Lesesaal, ein koscheres Café und einen Laden, Werkstätten, Büros und das Archiv.

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Im Rothschild-Palais wird die erweiterte und neu konzipierte Dauerausstellung auf drei Etagen über mehr als 1400 Quadratmetern gezeigt. Das erste Obergeschoss erzählt die Geschichte von drei Frankfurter Familien über drei Generationen hinweg, die der Bankiersfamilie Rothschild, der bürgerlichen Kaufmannsfamilie Frank, aus der die Tagebuchschreiberin Anne Frank (1929-1945) stammt, und der aus Osteuropa stammenden Familie des Kommunisten Valentin Senger.

Die zweite Etage widmet sich der Wandlung der jüdischen Tradition in eine moderne Religion. Im Zentrum steht die Pracht der jüdischen Zeremonialkultur, an einer interaktiven Videoinstallation beantworten fünf Rabbiner und eine Rabbinerin Fragen.

Für Kinder gibt es Stationen zum Anfassen und ein Mitmachheft, das neue »Studio Alef« dient als Ort für kreatives Werken und Kochen.

Die dritte Etage beschreibt die jüdische Nachkriegsgeschichte bis zur gegenwärtigen Alltagskultur mit ihrer Vielfalt an Lebensentwürfen. Illustriert wird, wie Juden nach der Aufhebung der Ghettoisierung vor 200 Jahren das kulturelle Leben, das

Bildungs- und Gesundheitswesen, die sozialen und politischen Veränderungen und die wissenschaftliche Forschung in Frankfurt geprägt haben. Die Entrechtung und Verfolgung von Juden im Nationalsozialismus wird anhand einzelner Lebensläufe anschaulich gemacht.

ANNE FRANK Der letzte Raum der Ausstellung zeigt Objekte und Dokumente aus dem Besitz der Familie von Anne Frank. Die nach Angaben des Museums weltweit erste Präsentation von Alltagsgegenständen, Möbeln, Gemälden, Briefen und Fotos gibt einen Einblick in die familiäre Kultur des bekanntesten Opfers der Schoa.

Der Vetter von Anne Frank und ehemalige Präsident des Anne-Frank-Fonds Basel, Buddy Elias (1925-2015), gründete 2012 zusammen mit dem Jüdischen Museum das dort angesiedelte Familie-Frank-Zentrum. Es bewahrt rund 1000 Erinnerungsgegenstände der Frankfurter Familie aus vier Jahrhunderten.

An der Verbindung von Alt- und Neubau wurde im September 2019 eine elf Meter hohe und 1,8 Tonnen schwere Skulptur des israelischen Künstlers Ariel Schlesinger installiert.

Die Ausstellung zeigt neben persönlichen Aufzeichnungen, Fotografien, Gemälden, historischen Dokumenten, Alltagsgegenständen und religiösen Objekten auch Filmstationen, mediale Rauminszenierungen und interaktive Video-Installationen. Für Kinder gibt es Stationen zum Anfassen und ein Mitmachheft, das neue »Studio Alef« dient als Ort für kreatives Werken und Kochen.

Zwischen dem Neubau und dem Rothschild-Palais, dem 1821 errichteten Familiensitz der jüdischen Bankiersfamilie, ist ein neuer Museumsplatz entstanden. Er trägt den Namen der österreichisch-deutschen Frauenrechtlerin und Gründerin des Jüdischen Frauenbundes, Bertha Pappenheim (1859-1936), und ist die neue Adresse des Museums.

BÄUME An der Verbindung von Alt- und Neubau wurde im September 2019 eine elf Meter hohe und 1,8 Tonnen schwere Skulptur des israelischen Künstlers Ariel Schlesinger installiert. Sie besteht aus zwei in Aluminium gegossenen Bäumen, von denen der eine im Boden wurzelt und den anderen - entwurzelten - in der Baumkrone trägt.

Das Museum in Frankfurt war das erste nach der Schoa in Deutschland errichtete Jüdische Museum. Es war am 9. November 1988 im Rothschild-Palais eröffnet worden. Frankfurt kann auf eine kontinuierliche Geschichte jüdischen Lebens vom 12. Jahrhundert bis zur Gegenwart zurückblicken und ist nach Meinung von Historikern die einzige Großstadt im deutschsprachigen Raum neben Prag, die fortwährend ein Zentrum des Judentums darstellte.

Lesen Sie mehr über dieses Thema in unserer Ausgabe am Donnerstag.

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