Erfurt

Jüdisch-Israelische Kulturtage in Thüringen eröffnet

Eröffnung der 34. Jüdisch-Israelischen Kulturtage Foto: Runkewitz, Fotograf

Mit einem Doppelkonzert israelischer und iranischer Musiker sind am Donnerstagabend in Erfurt die 34. Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen eröffnet worden.

Dieser gemeinsame Auftritt zeige eine Welt, nicht wie sie ist, sondern wie sie sein könnte, sagte Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) bei der Eröffnungsfeier. Das lange geplante Festival starte im genau richtigen Moment. Es symbolisiere den Kampf der Brückenbauer und wende sich gegen diejenigen, die sie einreißen wollen.

Voigt betonte, jüdische Kunst, Musik und Kultur prägten Thüringen seit mehr als 900 Jahren. Die Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen zeigten die Vielfalt jüdischen Lebens und erinnerten zugleich an die Bedrohungen durch Antisemitismus. Die historischen Erfahrungen mahnten, dass es den Einsatz aller brauche, um jüdisches Leben zu schützen. Thüringen werde jenen, die das Gift des Antisemitismus in die deutsche Gesellschaft bringen wollen, keinen Zentimeter Platz lassen.

Vorurteile abbauen

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Reinhard Schramm, sagte in einem Grußwort. Das Festival wolle durch kulturellen Austausch auch in dieser Zeit des Krieges Vorurteile abbauen, Begegnungen fördern und damit auch dem wachsenden Antisemitismus entgegentreten. Nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran habe sich die politische Lage grundlegend verändert.

Damit verbänden sich Hoffnungen auf ein Ende des Mullah-Regimes und seines Terrors im Iran und darüber hinaus. Langfristig könne ein »Tag danach« kommen, an dem Juden und Iraner einander die Hand zur Zusammenarbeit und Freundschaft reichen.

Erstmals zur Eröffnung angereist war der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor. Prosor nannte das Festival ein Bekenntnis zu Partnerschaft und Freundschaft. In ihrer 34. Auflage seien die Kulturtage jedoch keine normale Ausgabe. »Wir leben nicht in normalen Zeiten«, sagte der Botschafter. Seit 47 Jahren arbeite der Iran an der Auslöschung Israels. Und daher habe Israel das Recht, seine Bürger zu schützen: »Wir warten nicht, bis sich Geschichte wiederholt.«

Gemeinsamkeiten von Israelis und Persern

Prosor betonte, der Angriff Israels richtete sich nicht gegen das iranische Volk. Juden und Perser verbinde eine lange Geschichte des Respekts, des Austauschs und der Inspiration. Israel wünsche sich einen Iran, in dem die Freiheit stärker sei als der Fanatismus.

Eröffnet wurde das Festival von dem Ensemble Sistanagila aus Berlin. Die Gruppe vereint israelische und iranische Musiker. Sänger Yuval Halpern sagte, es herrsche Krieg und doch zeige Sistanagila, dass der Iran und Israel etwas gemeinsam machen können.

Rund 80 Veranstaltungen

Anschließend spielte das israelische Sharon Mansur Trio aus Haifa, das nach 29-stündiger Anreise kurz vor Auftrittsbeginn in Erfurt eingetroffen war. Ursprünglich sollten 16 israelische Künstlerinnen und Künstler auf dem Festival auftreten. Die Situation in Nahost habe jedoch mehrere Umplanungen notwendig gemacht, hieß es.

Die Jüdisch-Israelischen Kulturtage bieten bis zum 26. März rund 80 Veranstaltungen in 16 Orten Thüringens. Darunter sind Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Führungen zur jüdischen Geschichte. epd

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