Berlin

Israelischer Künstler verhüllt Altar

Die Ausstellungseröffnung in der Matthäus-Kirche Foto: ddk

Berlin

Israelischer Künstler verhüllt Altar

»Parochet«: Die Rauminstallation des Künstlers Benyamin Reich ist für 40 Tage in der Berliner St. Matthäus-Kirche zu sehen

 19.02.2026 11:19 Uhr

Im Rahmen einer ökumenischen Vesper und einer Künstlerrede ist am Mittwochabend eine Ausstellung des Künstlers Benyamin Reich in der St. Matthäus-Kirche eröffnet worden. Mittelpunkt ist der »Parochet«, ein riesiger Vorhang, der für die nächsten 40 Tage der Passionszeit den Altar des evangelischen Gotteshauses im Kulturforum in Berlin-Tiergarten verhüllt. Der Vorhang ist versehen mit talmudischen Texten, Collagen und Fotografien. Auf der Empore der Kirche werden weitere Arbeiten des Künstlers gezeigt.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein, sagte unserer Zeitung, er sei sehr dankbar, dass Benyamin Reich diesen Vorhang für die Kirche gestaltet hat: »Weil er in seiner Symbolik, aber auch in seiner Materialität etwas ganz Persönliches und gleichzeitig etwas für uns in den Traditionen und in der Gegenwart verbindendes darstellt. Das ist großartig.«

Die Ausstellungsmacher der Stiftung St. Matthäus beschreiben die Ausstellung als einen »jüdisch-christlichen Dialog der Traditionen«. Reich sagt dazu: »Ich nehme die heiligen Seiten aus dem jüdischen Bücherschrank und verwebe sie mit Bildern klassischer Skulpturen – scheinbar profaner Art –, die durch ihre Nähe selbst wieder heilig werden.«

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Benyamin Reich, 1976 in Bnei Brak geboren, ist Fotograf und Künstler. Er wuchs in einer ultraorthodoxen Familie in Israel auf. Seit 2008 lebt er in Berlin.

Der Schriftsteller und Kulturjournalist Simon Strauß würdigte Reich in seiner Rede als Künstler des Geheimnisses, dessen Persönlichkeit und Werk sich einer vollständigen Offenlegung bewusst entziehen. Reich sei ein Mittler zwischen den Zeiten und Stimmungen. »Einer, der die Religion seiner gestrigen Welt mit der Ästhetik seiner heutigen verbindet, der die Hochachtung vor der Tradition neben die sehnsuchtsvolle Begierde nach heute und hier stellt.« Und von seiner Kunst ausgehend, könne man vielleicht über den Wert des Geheimnisses in unserer Zeit etwas mutiger nachdenken, so Strauß: »Der Vorhang als Sinnbild für die sinnliche Kraft der Verhüllung, für die Bedeutung der Uneinsichtigkeit, des Verborgenen, eben des Geheimnisses. Der Vorhang ist das Material gewordene Versprechen auf Höheres, auf etwas, das jenseits des Alltäglichen liegt, das größer ist als unsere Vernunft.«

Zur bis zum 3. April gezeigten Ausstellung findet ein Begleitprogramm statt, unter anderem mit einem Künstlergespräch mit Benyamin Reich und Rabbiner Netanel Olhoeft, einem Familienkunstgottesdienst mit Kantorin Avitall Gerstetter und Pfarrer Hannes Langbein sowie einem Konzert mit dem Musiker Ben Osborn. ddk

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