Sehen!

»Future Breeze«

»Jonathan in the kitchen«, 2023 Foto: Kurt Mühlenhaupt Museum

Sehen!

»Future Breeze«

Das Berliner Kurt-Mühlenhaupt-Museum zeigt Porträts, fotografische Arbeiten und Videoinstallationen von Alona Harpaz

von Bettina Piper  15.08.2024 10:13 Uhr

Zwei Künstler, die unterschiedlicher nicht sein könnten: In einer überraschenden Begegnung im Berliner Kurt-Mühlenhaupt-Museum, das sich dem Erbe des 2006 verstorbenen Malerpoeten widmet, kann man sie zurzeit entdecken. Der Dauerausstellung mit Mühlenhaupts humorvollen und zugleich melancholischen Schilderungen des Alltagslebens der Nachkriegszeit sind aktuell die Werke der 1971 in Tel Aviv geborenen Alona Harpaz gegenübergestellt.

Harpaz studierte Kunst und Fotografie in Jerusalem und New York und hat sich mittlerweile als eine der innovativsten Stimmen in der zeitgenössischen Kunstszene Berlins etabliert. Die Ausstellung
Future Breeze zeigt emotionale, in ihrer Form reduzierte und farblich leuchtende Porträts, aber auch fotografische Arbeiten und Videoinstallationen, die eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit der menschlichen Innenwelt, mit Identität, Geschlecht und sozialen Dynamiken dokumentieren.

»Indigo Nights« ist eine Serie von Fotos der Social-Media-Accounts ihres Sohnes Jonathan und seiner Freunde, die ihren Alltag, ihre Unbefangenheit und Selbstinszenierungen illustrieren. Das Werk ist nicht nur ein Spiegel von Harpaz’ Erfahrungen und Gefühlen als Mutter, sondern auch das sensible Porträt einer Jugend.

Eine aktuelle Stellungnahme zur politischen Situation verweigert Harpaz ganz bewusst.

Als das Mühlenhaupt-Museum Alona Harpaz zu der Ausstellung einlud, wollte man damit ein Zeichen gegen antisemitische und israelfeindliche Positionen in der Kunstszene setzen. Eine aktuelle Stellungnahme zur politischen Situation verweigert Harpaz aber ganz bewusst.

Lediglich eine Art Kommentar findet sich am Rande in der 2015 bis 2017 entstandenen Video-Trilogie »Salt«, die in einem Nebenraum zu sehen ist. Darin begleitet die Künstlerin ihren Vater Ehud, einen ehemaligen Kibbuznik, der unter anderem im Sechstagekrieg gekämpft hat, mit einem Blick, der sowohl von seiner Hingabe an das Land als auch von der eigenen Verbundenheit und ihren Grenzen erzählt.

Darauf angesprochen, wie der 7. Oktober 2023 ihre Arbeit verändert habe, entgegnet Harpaz: »Dieser Tag hat vor allem mich verändert, und das wird sich auch in meiner Kunst widerspiegeln.« Die seitdem entstandenen Werke will sie an anderer Stelle zeigen. Man darf gespannt sein, wie die Künstlerin darin dem kollektiven Trauma ihrer Heimat begegnet.

Die Ausstellung »Future Breeze« im Berliner Kurt-Mühlenhaupt-Museum ist bis 22. September zu sehen.

Berlin

Igor Levit: Fünf Prokofjew-Konzerte an drei Abenden

Von Romantik pur bis hin zu rasanten Läufen und ungewohnten Rhythmen: Im März bietet sich in der Philharmonie eine einmalige Gelegenheit

von Imanuel Marcus  24.02.2026

Kanadischer Rock

Geddy Lee Weinrib kündigt Rush-Konzerte in Deutschland an

Die letzten Auftritte des jüdischen Sängers und Bassisten sowie seiner Formation in der Bundesrepublik sind 13 Jahre her

 24.02.2026

Kino

Ein Leben als Pingpong-Partie

Timothée Chalamet glänzt in »Marty Supreme« als ambitionierter Pingpong-Spieler und Überlebenskünstler Marty Mauser, der in den 1950er Jahren den Weltmeistertitel im Tischtennis anstrebt. Auch Deutschlands bester Tischtennis-Spieler aller Zeiten, Timo Boll, ist in dem Film zu sehen

 24.02.2026

Eurovision Song Contest

Israel geht mit »Michelle« an den Start

Jetzt ist klar, welchen Song Noam Bettan im Mai beim ESC vortragen wird. Das Stück soll aber schon im März Premiere feiern

 24.02.2026

Meinung

Xavier Naidoo hat allen etwas vorgemacht

Der Popstar hat gerade erst sein Comeback gegeben, da verbreitet er wieder antisemitisch konnotierte Verschwörungsmythen. Spätestens jetzt ist seine angebliche Läuterung ganz und gar unglaubwürdig geworden

von Ralf Fischer  23.02.2026

Interview

»Putin hat einen riesigen Repressionsapparat aufgebaut«

»Memorial«-Mitgründerin Irina Scherbakowa über vier Jahre Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Folgen für die russische Gesellschaft

von Ralf Balke  22.02.2026

Kino

Wegen israelfeindlicher Propaganda-Rede bei Berlinale: SPD-Minister verlässt die Preisverleihung 

 21.02.2026

Berlinale

»Free Palestine« auf der Bühne

Filmemacher Abdallah Alkhatib wirft der Bundesregierung vor: »Sie machen mit beim Genozid Israels in Gaza«

von Katrin Richter  21.02.2026

Berlinale

David Cunio: »Als ich nicht sprechen konnte, habt ihr mir eine Stimme gegeben«

Die israelische Ex-Hamas-Geisel bedankte sich an einem ebenso denkwürdigen wie emotionalen Abend im Babylon-Kino bei Regisseur Tom Shoval für den Film »A Letter To David«

von Ayala Goldmann  21.02.2026