Initiative

Ein Stern für Luise

Preisfrage: Wer hat als einzige deutsche Filmschauspielerin den Oscar gewonnen – und das gleich zweimal hintereinander? Nein, es war nicht Marlene Dietrich. The winner was: Luise Rainer. Die 1910 in Düsseldorf geborene jüdische Actrice war als 16-Jährige von Max Reinhardt entdeckt worden. Vor den Nazis flüchtete sie in die USA, wo MGM sie unter Vertrag nahm. Gleich mit ihrem zweiten Film The Great Ziegfeld gewann Rainer 1936 einen Academy Award als beste Darstellerin. Im darauffolgenden Jahr bekam sie für ihre Hauptrolle in der Pearl-Buck-Verfilmung Die gute Erde die Auszeichnung erneut. Das war vor Luise Rainer noch keiner Filmschauspielerin gelungen; nach ihr schaffte es nur noch Katherine Hepburn.

lebende legende Wer, wenn nicht diese noch lebende deutsche Filmlegende – Luise Rainer wohnt, inzwischen hundertjährig, in London – hätte einen Platz auf dem Berliner »Boulevard der Stars« verdient? Der wurde nach dem Vorbild des Hollywooder »Walk of Fame« mit großem Tamtam im September 2010 auf dem Potsdamer Platz eröffnet. Nach dem Willen der Initiatoren – unter ihnen »Lindenstraße«-Produzent Hans W. Geißendörfer und Ex-taz-Chefin Georgia Tornow – sollen hier Menschen geehrt werden, »die die Entwicklung der bewegten Bilder im deutschsprachigen Raum nachhaltig geprägt und beeinflusst haben – früher und jetzt«.

Auf einem »roten Teppich« aus gefärbtem Asphalt sind Bronzesterne eingelassen mit den Namen der Geehrten. Mario Adorf ist unter den ersten 40 Sternen, auch Artur Brauner, Romy Schneider, Loriot und Alexander Kluge. Luise Rainers Name fehlt. Dabei heißt es in der Präambel des Trägervereins: »Besonderes Augenmerk gilt ... dem Wirken deutschsprachiger Filmschaffender im Ausland während der Zeit des Nationalsozialismus.«

Das fiel ausgerechnet einem Neuseeländer auf. Paul Baylay lebt seit fünf Jahren in Berlin. »Ich war erstaunt«, sagt der Betreiber einer Künstleragentur. »Die einzige deutsche Oscar-Gewinnerin, die es je gab, hat man vergessen. Ich hätte gedacht, die Deutschen sind stolz auf sie.« Auf seiner Facebookseite machte Baylay vor ein paar Wochen auf die peinliche Auslassung aufmerksam. Zahlreiche Nutzer griffen seinen Appell »Ein Stern für Luise« auf. Inzwischen haben auch die »Boulevard der Stars«-Betreiber reagiert. Ein Artikel auf der Homepage des Vereins würdigt seit Kurzem Luise Rainer. Und im Frühjahr 2011 will die Jury, in der unter anderem Senta Berger und Berlinale-Chef Dieter Kosslik sitzen, darüber entscheiden, ob die deutsche Oscarpreisträgerin im Herbst einen der nächsten zehn Sterne erhält.

Paul Baylay dauert das zu lange. Luise Rainer wird im Januar 101 Jahre alt. Schon deshalb sollte ihre Ehrung möglichst bald erfolgen, meint der Wahlberliner, »damit dieser zu Unrecht vergessene große deutsche Star noch zu Lebzeiten heimgeholt wird«.

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