Hören!

Ein neuer Blick

Mor Karbasi Foto: stylorouge.co.uk/ Rob O’Connor

Hören!

Ein neuer Blick

Mor Karbasi stellt ihr Album »Ojos de Novia« vor

von Jonathan Scheiner  07.06.2016 20:26 Uhr

Mit Ojos de Novia, dem neuen und dritten Album von Mor Karbasi, ist der Sängerin aus Jerusalem ein Meilenstein gelungen. Das hat vor allem damit zu tun, dass sie sich von Traditionen gelöst hat. Statt das musikalische Brauchtum der sefardischen Juden zu pflegen, hat sie sich nun zu neuen Ufern aufgemacht.

Der Sprung ins Unbekannte hatte sich schon auf ihrem letzten Album La Tsadika abgezeichnet, das gespickt war mit Musikern, die im traditionellen Kontext sefardischer Musik nicht zu erwarten waren: etwa der Kamanche-Spieler Mark Eliyahu, der Percussionist Itamar Doari oder der Trompeter Avishai Cohen. Gemeinsam mit diesen Exoten, aber vor allem auch mit einer Band von weit gereisten Musikern, hat Mor Karbasi das Erbe der Sefarden wiederbelebt, indem sie die musikalische Nähe zum Flamenco ausgelotet hat. Dennoch verharrte das Repertoire noch in den alten Mustern. Es waren jene sefardischen Lieder, die Mor Karbasi von ihrer Mutter gelernt hatte.

Mit dem neuen Album geht Karbasi einen entscheidenden Schritt weiter. Sie bereist die Welt Nordafrikas, doch nicht nur die jüdisch-sefardische Welt des Maghreb, sondern auch die der Berber.

Gitarren-Ikone
Das Album beginnt mit zwei nordafrikanischen Liedern, »Bismillah« und »Hayken Juar«, und geht dann weiter mit dem hebräischen Lied »Ahuvati Ester«. Nur noch einige Lieder werden in Ladino präsentiert, und die Musik überschreitet die Welt der Sefarden: Sogar den Titelsong »Ojos de Novia« treibt ein peitschender Berberrhythmus vorwärts. Neben Mor Karbasi stechen ihr Lebenspartner Joe Taylor, die Tomatito-Family oder der Bassist Kai Eckardt heraus, der sich einst mit der Gitarren-Ikone John McLaughlin Duelle lieferte.

Ganz wesentlich hat Karbasis musikalische Weiterentwicklung damit zu tun, dass sie sich vom jeweiligen Kontext inspirieren ließ, in dem sie lebte. Die alten Lieder der Sefarden hatte sie über die Piyutim ihres Großvaters kennengelernt, dessen Familie einst in Marrakesch lebte und dann nach Nazareth auswanderte.

Oud Die Kunst, ihren Gesang zu verzieren, hat sie dann von einem Oud-Spieler und die alten Liedtexte von ihrer Mutter gelernt. Entscheidend war schließlich Mor Karbasis Umzug nach London. Zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit dem Multiinstrumentalisten Koby Israelite auf dessen Album Blues From Elsewhere (2013) oder ihren Auftritt bei der Musikmesse WOMEX mit den Sängerinnen Savina Yannatou aus Griechenland und Mehtap Demir aus der Türkei.

Doch in Swinging London zu leben, war nicht nur bewusstseinserweiternd, sondern hat auch Mor Karbasis Heimweh verstärkt. Das Gleiche gilt nun, da sie mit Tochter und Mann in Sevilla lebt. So ist es kein Wunder, dass sie ihre Herkunft inzwischen in drei Sprachen besingt, und zwar in den höchsten Tönen.

Mor Karbasi: »Ojos de Novia«. Label: Mint (Galileo Music Communication), 2016

Programm

Kleine Großstadtdektive, ein musikalischer Golem und Gespräche: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 5. bis zum 12. März

 03.03.2026

Kult-Comics

80 Jahre Lucky Luke: Der Cowboy mit dem smarten Pferd

Zwar trägt Lucky Luke keinen Davidstern. Der jüdische Autor René Goscinny trug aber entscheidend zum Witz und dem großen Erfolg der Serie bei

 03.03.2026

Berlin

Tuttle will bei Berlinale bleiben - ist der Streit vorbei?

Die US-Amerikanerin Tricia Tuttle leitet das renommierte Filmfestival seit 2024. Nach Vorwürfen und Kontroversen legt sie sich fest: Sie will weitermachen. Aber längst nicht alle Fragen sind geklärt

von Verena Schmitt-Roschmann, Sabrina Szameitat  03.03.2026

Berlin

Weimer: »Auf gutem Weg« zu zukunftsfester Berlinale

Die US-Amerikanerin Tricia Tuttle will Leiterin des Filmfestivals bleiben. Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien reagiert knapp

 03.03.2026

Berlin

Tuttle: Will »in vollem Vertrauen« Berlinale-Chefin bleiben

Nach politischen Kontroversen wird lebhaft über die Zukunft der Berlinale diskutiert - und die ihrer Chefin. Im Interview erklärt Tricia Tuttle, wieso sie im Amt bleiben will

von Sabrina Szameitat  03.03.2026

Potsdam

Zentrum für jüdischen Film wird eröffnet

An der Filmuniversität Babelsberg soll Lea Wohl von Haselberg ein neues Zentrum für jüdischen Film und audiovisuelles Erinnern leiten

 03.03.2026

Doppel-Interview zu Holocaust-Forschung

»Wir streiten uns nicht über die Fakten«

Seit Wochen tobt im Feuilleton ein Streit über den Stellenwert der Kollaboration in den von Nazi-Deutschland besetzten Ländern. Erstmals diskutieren die Hauptprotagonisten, die Schoa-Historiker Jan Grabowski und Stephan Lehnstaedt, direkt miteinander

von Ayala Goldmann, Michael Thaidigsmann  03.03.2026

Berlin

Wirbel um Berlinale-Chefin: Tricia Tuttle hält an Amt fest

Wie geht es weiter bei der Berlinale? Es wurde lebhaft über die Zukunft des Filmfestivals und die Intendantin diskutiert. Nun äußert sie sich erstmals selbst dazu

 03.03.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Purim-Stress? Absolut zu empfehlen!

von Nicole Dreyfus  02.03.2026