Italien

Echter Rubens, falscher Rabbi

Der Täter hatte sich dem Galeristen als Rabbi Samuel Abraham Lewy Graham vorgestellt. Foto: Thinkstock

Italien

Echter Rubens, falscher Rabbi

Wie es einem kroatischen Dieb gelang, als Kostümjude Bilder im Wert von 26 Millionen Euro zu stehlen

von Tobias Kühn  18.06.2018 23:58 Uhr

Es muss wie in einem Actionfilm gewesen sein: Per Fernbedienung öffneten die Gauner das Eingangstor, entwendeten mit einem Trick die Beute und rannten hinaus. Vor dem Haus warteten im Auto die Komplizen, gemeinsam verschwanden sie – und hängten die Verfolger ab.

Wie jetzt bekannt wurde, wechselten auf diese Art im April 2017 zwei wertvolle Gemälde ihren Besitzer. Von den Bildern fehlt bislang jede Spur, doch nun sind die mutmaßlichen Räuber geschnappt worden. Die italienische Zeitung Corriere della Sera berichtete, dass die Mailänder Carabinieri kürzlich fünf Beschuldigte festnahmen.

Israel Anführer der mutmaßlichen Diebesbande ist der (nichtjüdische) Kroate Nenad J. Er wird beschuldigt, einen sardischen Galeristen betrogen zu haben, indem er sich als Rabbiner und Diplomat ausgab. Er hatte sich dem Galeristen als Rabbi Samuel Abraham Lewy Graham vorgestellt und behauptet, er sei im Auftrag von Israels Außenministerium als Diplomat unterwegs.

Dem Galeristen kam der potenzielle Käufer offenbar derart seriös vor, dass er der Einladung zu einem Treffen folgte. Der falsche Rabbi schlug als Treffpunkt einen Ort vor, den er als das israelische Konsulat ausgab. Dort äußerte er dem Galeristen gegenüber das Interesse am Kauf zweier Gemälde von Pierre Auguste Renoir und Peter Paul Rubens. Gesamtwert: 26 Millionen Euro.

Einige Wochen später, so berichten ita­lienische Medien, trafen sich die Herren zur Übergabe. Der falsche Rabbi schlug das albanische Konsulat als Ort für die Transaktion vor. Und so kam es, dass sich die Herren in einem Haus in Monza trafen. Dort befindet sich tatsächlich das für die Region zuständige Konsulat Albaniens – jedoch in der zweiten Etage, und die Herren kamen im ersten Stock zusammen, wo, wie man heute weiß, eine Immobilienfirma ihren Sitz hat.

Komplizen Der Galerist traf mit Sicherheitsleuten ein sowie mit zwei Kisten, in denen er die Gemälde transportierte. Auch der falsche Rabbi kam nicht allein. Wie sich der Galerist später erinnern wird, stellte er ihm einen gewissen »David« vor. Während des Treffens gelang es Nenad J. und seinem Komplizen offenbar, die beiden Kisten mit den Gemälden gegen leere Kästen zu tauschen und sich aus dem Staub zu machen.

Es ist davon auszugehen, dass die italienische Justiz mit dem falschen Rabbi hart ins Gericht gehen wird. Und da er auch kein echter Diplomat ist, wird er sich wohl kaum auf seine diplomatische Immunität berufen können.

Zeitgeschichte

Entebbe und kein Ende

Der Historiker Jan Gerber zeigt in seinem neuen Buch, wie aus dem Antizionismus der 68er-Generation radikale antisemitische Praxis wurde

von Ralf Balke  01.07.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. Juli bis zum 9. Juli

 01.07.2026

Künstliche Intelligenz

Ich schreibe, also bin ich

Noch nie war es so einfach, Gedanken mit KI in Worte zu fassen. Doch was bedeutet das für unser Denken, unseren Journalismus und eine der grundlegendsten menschlichen Fähigkeiten?

von Nicole Dreyfus  01.07.2026

Fußball

Länderspiel verlegt: Irland verzichtet auf Israel-Boykott

Irlands Fußballverband FAI will das UEFA-Nations-League-Spiel gegen Israel nun in Serbien austragen - auch, um einen Abstieg zu vermeiden

 01.07.2026

Berlin

Jüdische Kunstschule und UdK wollen kooperieren

Auch die Universität der Künste war nach dem 7. Oktober 2023 mehrfach Schauplatz »propalästinensischer« Aktionen. Nun will sie jüdischen Künstlern einen geschützten Raum bieten

 01.07.2026

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Burkhard C. Kosminski

»Ich würde das Stück gerne im Osten spielen«

Der Intendant am Schauspiel Stuttgart über »Die Ermittlung« von Peter Weiss, die Existenzberechtigung Israels in der Kunst und seine Auszeichnung mit der Otto-Hirsch-Medaille

von Nicole Golombek  30.06.2026

Interview

»Der Oscar öffnete mir neue Türen«

Daniel Roher über seinen ersten Spielfilm »The Piano Tuner« und den Dreh mit Dustin Hoffman und Lior Raz

von Patrick Heidmann  30.06.2026

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Früher hätte man Journalisten wie Restle, die Juden unterstellen, sie seien nur Sprachrohr einer Regierung in Israel, die Eignung als Politik-Redakteure beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk abgesprochen. Zu Recht

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026