Tataaaa: Ich hab keine Angst mehr vorm Fliegen! Ist das nicht super? Endlich mal gute Nachrichten. Zugegeben: Die interessieren nur mich und meine Mitreisenden, die in Zukunft nicht mehr mit diesem nervösen Etwas unterwegs sein müssen, aber Sie müssen verstehen: Das ist ein riesiges Ding. Und wer hat mir dabei – ohne es zu wissen – geholfen? Israelis.
Ich ging ein paar Tage nach diesem schrecklichen Flug von Flydubai auf eine Reise und damit auf einen langen, sehr langen Flug. Und weil wir Kollegen einander immer Mut zusprechen und niemals auf die Idee kämen, uns über die kleinen Schwächen des anderen irgendwie lustig zu machen, war der meistgesagte Hinweis, den ich (damals noch zittriges Espenlaub) zu hören bekam: »Hoffentlich sitzt ein Israeli neben dir, falls das Flugzeug in Not gerät.« Ja, so etwas möchte wirklich jeder mit Flugbedenken hören. Macht Spaß.
Ich schlief, aß, schnatterte ...
Aber dann! Ha! Reihe 33, Platz F: ich, Reihe 33, Platz G: Dan aus Israel. Ich fühlte mich spontan sicher. Denn dieser doofe – äh sorry, wohlgemeinte Kollegensatz hatte es sich in mir sehr bequem gemacht. Dan war auf dem Weg nach Südamerika, wo er seit viele Jahrzehnten lebt. Das Erste, worüber wir in Reihe 33 sprachen, war – der Flydubai-Flug. Ich muss präzisierend erwähnen, dass nicht ich darüber sprach, sondern mein israelischer Sitznachbar. Ich war die Ruhe selbst. Ich aß, was aussah wie ... also jedenfalls nicht Gnocchi, ich schlief, wie man halt so schläft mit 29 Zentimeter Beinfreiheit, ich schnatterte. Und schwupps waren die vielen Stunden um.
Genial, dachte ich. Aber so einfach ist es nun auch wieder nicht. Es brauchte insgesamt noch fünf weitere Flüge in dieser Woche (ja, sorry, CO2-Fußabdruck, I know), darunter einen mit einer Boeing 737 MAX, und ich kann Ihnen sagen, dass es auch nicht hilft, die Boeing-Doku bei Netflix zu sehen und dann in genau dieses Flugzeug zu steigen. Diese Flüge jedenfalls waren nötig, bis ich ins letzte Flugezeug stieg, in dem ich eigentlich hätte gar nicht sitzen sollen, und mir dachte: Ich will einfach nur noch nach Hause, soll es doch Turbulenzen geben, ist mir egal.
Einer dieser Flüge war in den ersten vier Stunden so wackelig, dass niemand auch nur in Richtung Toilette gehen durfte. Der Pilot entschuldigte sich hinterher für die Turbulenzen, und immerhin waren die restlichen Stunden wirklich sehr sanft.
Am Gate sitzen und den Flug verpassen?
Weil die Fluggesellschaft meine ursprüngliche Verbindung gecancelt hatte, bin ich auf gefühlt 93 Verbindungen umgebucht worden. Zwei davon beinhalteten sportliche Aktivitäten wie Rennen durch Terminals und Vorbeidrängeln an Menschen.
Jedenfalls saß ich nach fast 24 Stunden Wachsein mit etwas Flugzeugschlaf bei meinem vorletzten Umstieg in Amsterdam am Gate, ich hatte nach all dem Flugzeugbrei ein richtiges Sandwich gegessen, von einem richtigen Teller aus Keramik, hatte Espresso macchiato aus einer richtigen Tasse getrunken und war einfach nur froh, wieder in Europa zu sein (nicht falsch verstehen: die Welt ist super, aber Europa ist nun mal zu Hause).
Ich war tiefenentspannt. In diesem friedlichen Zustand verging die Zeit. Ich hörte Musik, sah, wie Leute ihre Bordkarten scannten, blickte auf die Anzeigetafel, las auch, was da stand, fiel in ein bisschen Sekundenschlaf und begriff erst, als »Gate closed« angezeigt war und sich der Finger vom Flugzeug wegbewegte, was ich da eigentlich beobachtet hatte: Es war mein Flug nach Hause, der nun ohne mich startete. Dabei war ich doch so entspannt ...