Glosse

Der Rest der Welt

Der Autor und sein »Lieblingsfisch«

Genau 50 Jahre ist es her, dass ein Film in die Kinos kam, der nicht nur ein Blockbuster war, sondern ebenfalls ein Sprungbrett für die Karriere seines Regisseurs: Der weiße Hai von Steven Spielberg. Anders hingegen erging es den Fischen mit der markanten Rückenflosse. Sie hatten danach ein Imageproblem und wurden intensiv gejagt.

Aber allein der legendäre Soundtrack von John Williams beschert mir heute noch eine Gänsehaut. Der Schocker von 1975 ist weiterhin daran schuld, dass ich auch im Jahr 2025 beim Schwimmen ein unangenehmes Gefühl habe, wenn ich nicht erkennen kann, was unter oder neben mir so alles unterwegs ist. Also lasse ich es lieber ganz sein oder bewege mich allenfalls ein paar Meter vom Strand entfernt im Wasser.

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Oder ich vermiese meiner Umgebung gerne das Baden. So wie im Sommer vor einigen Jahren, als ich eingeladen war, auf einer Jacht vor der israelischen Küste zu schippern. Bevor alle – außer mir natürlich – zum Sprung ins kühle Nass ansetzten, zählte ich erst einmal sämtliche Attacken von Haien auf Menschen in der Region auf, beispielsweise – und es ist wirklich keine Märchenstunde – der Angriff eines weißen Hais am Strand von Tel Aviv auf einen britischen Polizeioffizier im Jahr 1946. Der Mann überlebte schwer verletzt.

Den Haien, im Grunde ganz harmlose Arten, wurde der ganze Rummel irgendwann zu blöd.

Auch nahe Ashdod gab es in der Vergangenheit mehrfach unfreundliche Begegnungen mit Haifischen, die glücklicherweise alle recht glimpflich ausgingen. Anders dagegen ein Vorfall kürzlich, im April, bei Givat Olga nahe der Stadt Hadera. Seit einiger Zeit kommen dort im Frühjahr Hunderte von Sandbank- und Schwarzhaien zusammen. Der Grund: der nahe Alexander-Fluss sowie das warme Kühlwasser des Kraftwerks dort.

Das mögen die Haie, die sich dann auch ganz nah am Strand aufhalten. Und genau das ist für manche Israelis zu einer Attraktion geworden. Sie rennen ins Wasser, versuchen sogar, ihre Kinder auf den Rücken der Haie zu setzen, oder ziehen die Tiere an den Schwanzflossen. Alle Warnungen, dass das vielleicht keine so clevere Idee sei, betrachtete man nur als Versuch der Obrigkeiten – manche würden vielleicht vom Deep State sprechen –, ihnen einen Riesenspaß zu verbieten.

Den Haien, im Grunde ganz harmlose Arten, wurde der ganze Rummel irgendwann zu blöd. Sie fühlten sich belästigt und machten das, was Haie naturgemäß am besten können: Sie schnappten zu, und ausgerechnet ein Taucher, der dort Beobachtungen über das Verhalten der Haie machen wollte, war tot. Aber wer glaubt, dass danach niemand mehr ins Wasser ging? Weit gefehlt!

Es sollte nur Stunden dauern, und der Strand war wieder voll mit Menschen, die gerne mit den Haien spielen wollten. Deshalb halte ich mich, dem wegen eines Films, den ich vor 50 Jahren gesehen habe, selbst beim Baden in einem bayrischen Bergsee stets mulmig wird, für weniger idiotisch als diejenigen, die Haifische mit einem Streichelzoo verwechseln. Oder anders formuliert: Das Anschauen des Filmklassikers Der weiße Hai könnte Leben retten.

Dana von Suffrin

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