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Danger Dan contra ZDF: Ein Songtext und seine Folgen

Foto: picture alliance / Schoening

Wie weit darf ein Songtext gehen? In einer Jubiläumsausgabe der ZDF-Satiresendung »Die Anstalt« zum Thema politische Radikalisierung und Wehrhaftigkeit der Demokratie sollte der Rapper Danger Dan mit dem Starpianisten Igor Levit einen neuen Song präsentieren. Doch der Sender hält den Text für problematisch und strich den Auftritt kurzfristig aus dem Programm. 

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Was genau war geplant?

Danger Dan war für die Aufzeichnung der 100. Ausgabe der Sendung »Die Anstalt« eingeladen, die am kommenden Dienstag (21. Juli) im ZDF gezeigt wird. Geplant war laut ZDF, dass der Rapper den Song »Keine Angst« präsentiert, in dem es um das Thema »Widerstand gegen Rechtsextremismus« gehe. Anschließend sollte darüber diskutiert werden. Doch es kam anders: Das ZDF strich den Auftritt auf den letzten Metern, ganz kurz vor der Aufzeichnung, wie es in einer Mitteilung der Promotion-Agentur Check Your Head hieß. 

Warum hat das ZDF das getan?

Der Liedtext könne als Aufruf zu Gewalt verstanden werden, erklärte der Sender. Ein solcher Aufruf stünde im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF. Bei der Vorbereitung der Sendung habe man sich intensiv damit beschäftigt, auch die Geschäftsleitung des Senders sei beteiligt gewesen. Letztlich sei man zu der Bewertung gekommen, dass dieser Widerspruch im Anschluss an die mehr als siebenminütige Live-Performance auf der Bühne nicht mehr aufzulösen gewesen wäre.

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Auf welche Passagen des Textes sich der Vorwurf des Aufrufs zur Gewalt genau bezieht, war zunächst nicht klar. Der Song »Keine Angst« wurde in der Nacht auf Freitag veröffentlicht. 

Innerhalb des ZDF wurde nach Senderangaben entschieden, »sich zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan zu befassen und an einer anderen Stelle im Programm aufzuarbeiten«.

Um was geht es in dem Song »Keine Angst«?

Er ruft im Kern zum Kampf gegen Nazis und Faschisten auf. Der Text liest sich wie eine Art Anleitung, wie man sich dafür zusammenschließen kann, ohne ins Visier von Rechtsextremisten oder Sicherheitsbehörden zu geraten. Es brauche geheime Kommunikation, es gelte rechte Strukturen zu recherchieren, deren Aktionen zu dokumentieren, Nazis öffentlich bekannt zu machen. 

 »Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras«, heißt es an einer Stelle. »Nie ohne Handschuhe, nie ’nen Fingerabdruck hinterlassen«, an einer anderen. »Die seh’n gefährlich aus, aber wir legen sie lang«, singt Danger Dan und auch: »Wenn ihr zusammen kämpft, dann kann es funktionieren.« 

Und am Ende schickt er »liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk«. Damit dürften die mutmaßliche Linksextremistin Lina E. und drei ihrer Mitstreiter gemeint sein, die 2023 vom Oberlandesgericht Dresden wegen mehrerer Angriffe auf Rechtsextreme zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. 

Wer ist Danger Dan?

Er heißt mit bürgerlichem Namen Daniel Pongratz. Der 43-Jährige gehört zur Band Antilopen Gang (»Mir kann nichts passieren«, »Pizza«). Vor fünf Jahren veröffentlichte er sein Soloalbum »Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt«. Der gleichnamige Titelsong machte Schlagzeilen. Danger Dan stellte ihn begleitet von Levit auch im »ZDF Magazin Royale« von Jan Böhmermann vor. 

In dem Stück griff der Rapper ebenfalls das Thema Faschismus auf und spielte diverse Szenarien durch. »Nein, ich wär‘ nicht wirklich Danger Dan / Wenn ich nicht Lust hätte auf ein Experiment / Mal die Grenzen auszuloten, was erlaubt und was verboten ist«, heißt es darin. Auf dem gefeierten Klavieralbum ging es aber auch um weniger politische Themen, etwa um Lebensentscheidungen und die Schulzeit.

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Mit seiner Band setzt sich Danger Dan, der aus Aachen stammt, gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus ein. Mit Levit trat er in der Vergangenheit auch beim Festival »Jamel rockt den Förster« in Mecklenburg-Vorpommern auf, mit dem auf die Neonazi-Szene aufmerksam gemacht werden soll. 

In der Ankündigung zum neuen Album und einer Tournee im Herbst 2026 heißt es mit Verweis auf wachsenden Antisemitismus, auf Neonazi-Gruppen, die gezielt Veranstaltungen zum Christopher Street Day attackierten und auf »eine erschreckend bröckelnde Solidarität«: »Was wir jetzt brauchen, ist bitte kein Plädoyer für die Liebe oder halbgares Gesülze über Gemeinschaft. Es ist Zeit für Antifaschismus, radikale Kunst, für den Protest und für eine schonungslose Auseinandersetzung mit der Gegenwart, der Welt und uns selbst.«

Wie reagierte Danger Dan auf die ZDF-Entscheidung?

Mit großem Unverständnis. »Immer Ärger mit dem ZDF, dieses Mal haben sie uns ernsthaft rausgeschmissen«, schrieb der Rapper auf Instagram. Er und Igor Levit hätten einen wunderschönen freien Tag in München gehabt, allerdings unverhofft, wegen der Absage. Eine offizielle schriftliche Begründung für die Ausladung habe man vom ZDF bislang nicht erhalten. 

Das Lied habe dem Sender seit Wochen vorgelegen, schrieb Danger Dan weiter. Er sprach von einem Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit und sieht politische Gründe hinter der Entscheidung des Senders. dpa

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