Fernsehen

Charmante Zeitreise in bunt und schwarz-weiß: »The Last Resort«

Aufnahme aus der Doku »The Last Resort« Foto: KINO LORBER

Fernsehen

Charmante Zeitreise in bunt und schwarz-weiß: »The Last Resort«

Doku der Filmemacher Dennis Scholl und Kareem Tabsch über jüdische Community in den 1970ern

von Jan Lehr  15.07.2024 17:54 Uhr

In den 1970 Jahren begann der US-amerikanische Fotograf Andrew Sweet, die jüdische Rentnergemeinde in South Beach in Miami zu fotografieren. Man sieht auf seinen leuchtenden Schnappschüssen Strände, Bikinis, Party und Art-Deco-Architektur, ganz ähnlich wie heute, nur dass die Menschen auf den Fotos von Sweet um die 70 Jahre alt sind und überwiegend jüdisch. Die Aufnahmen entstammen dem ehrgeizigen »Miami Beach Photografic Project«, mit dem Sweet und der in strengem Schwarz-weiß fotografierende Gary Moore die jüdische Rentnergemeinde ihrer Heimat, aber auch die Veränderungen der Stadt festhalten wollten.

In »The Last Resort« von 2018 präsentieren die Filmemacher Dennis Scholl und Kareem Tabsch ein eindrucksvolles Porträt dieses vergessenen Viertels und der damaligen Jahre. Der Film ist gleichzeitig die Geschichte von zwei Künstlern und eine der Gemeinschaft jener Jahre.

Mit der Kamera in der Hand wollten Sweet und Moore die alternde Bevölkerung in ihrem Paradies dokumentieren und festhalten, wie sich dieses in den turbulenten 1980er-Jahren veränderte. Moore fotografierte in fesselnden, streng komponierten Schwarz-weiß-Bildern, Sweet in bezaubernden Farbfotos, die allerdings oft Schnappschüsse waren.

Doch bald schon begann das »Project« zu bröckeln, analog zur jüdischen Gemeinde. Die glücklich-lächelnden, sonnengebräunten Themen verschwanden aus ihren Bildern. Dafür machten sich Drogenhandel, Tourismus und kriminelle Verflechtungen breit, denen wohl auch Andy Sweet zum Opfer fiel, der 1982 in seiner Wohnung ermordet wurde.

In der charmanten Hommage an die beiden großen Fotokünstler und die jüdische Community im Miami jener Jahre in Miami verweben Scholl und Tabsch eine sehr persönliche, aber auch anthropologische Milieustudie mit einer Geschichte einer Gemeinschaft, die sich in den 1970er-Jahren noch wie im Paradies fühlen konnten. 

Die Dokumentation »The Last Resort« läuft am Donnerstag, 18. Juli, um 23.35 Uhr im SWR-Fernsehen.

Los Angeles

William Shatner kündigt Heavy-Metal-Album mit Starbesetzung an

Der jüdische Schauspieler und Musiker will mit 95 Jahren nicht leiser treten, sondern lauter: Sein neues Album soll prominente Musiker aus der Metalszene zusammenbringen

 01.05.2026

Archäologie

Rätsel um antikes Baby-Massengrab

Wissenschaftler der Universität Tel Aviv haben Knochenreste aus der Perserzeit gefunden, die in Tel Aseka bestattet wurden. Etwa 70 Prozent stammen von Kindern unter zwei Jahren

von Sabine Brandes  01.05.2026

Howard Rossbach

Wanderer zwischen Ostküste und Oregon

Er ist Spross einer Familie bekannter Politiker und Bankiers. Doch seit 50 Jahren reüssiert der gebürtige New Yorker Howard Rossbach am anderen Ende Amerikas als Winzer. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  01.05.2026

Literatur

Herkunft, Schuld und der lange Schatten der Vergangenheit

Krieg, Flucht, Schuld. Diplomat Rüdiger von Fritsch hat ein Buch über seine Familie geschrieben - und über das schwere Erbe deutscher Geschichte

von Christiane Laudage  01.05.2026

Jubilar

Architektur als Zeichen der Hoffnung - Daniel Libeskind wird 80

Das Jüdische Museum Berlin, der Masterplan für Ground Zero in New York: Für den Amerikaner ist Bauen Teil der Erinnerungskultur

von Sigrid Hoff  01.05.2026

Kino

»Nürnberg«: Russell Crowe und Rami Malek locken mit Star-Power

Die Oscar-Gewinner Russell Crowe und Rami Malek glänzen als Nazi-Kriegsverbrecher und Psychiater mit ausgefeiltem Schauspiel. Das ist faszinierend – und problematisch

von Peter Claus  01.05.2026

Zahl der Woche

154.369 Drusen

Fun Facts und Wissenswertes

 01.05.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Marathon oder Volcano Race – von Schnelligkeit und meiner Unsportlichkeit

von Katrin Richter  01.05.2026

Muttertag

Moja Mama!

Die jiddische Mamme ist Motiv in etlichen Witzen. Dabei ist sie ist so viel mehr. Eine Würdigung aus der Perspektive eines Sohnes

von Jan Feldmann  01.05.2026