Schweden

Im Wahlkampf mit dem Davidstern

Simona Mohamsson bei der Debate der Spitzenkandidaten am Montag Foto: picture alliance / TT NYHETSBYRÅN

Es war eine überraschende Geste, die Simona Mohamsson nicht nur Zuspruch, sondern auch viel Kritik, ja Hass, in den sozialen Netzwerken einbrachte. Die schwedische Bildungs- und Integrationsministerin und Chefin der schwedischen Liberalen trug am Montag bei einer Debatte der Parteivorsitzenden demonstrativ eine Halskette mit Davidstern. Die 31-jährige Tochter eines Palästinensers und einer Libanesin ist nicht jüdisch.

Es sei wichtiger denn je zu zeigen, dass man auch mit ihrem Hintergrund Solidarität mit den Juden in Schweden bekunden könne, betonte Mohamsson. »Ich finde, alle Parteivorsitzenden, die heute hier sind, sollten versprechen, sich für die Sicherheit der schwedischen Juden einsetzen und versprechen, in ihren eigenen Parteien für Ordnung zu sorgen.« Es gehe darum, jüdischen Kindern, die es heute nicht wagten, einen zentralen Teil ihrer Identität zu leben, Mut zu machen. »Antisemitismus wird eingesetzt, um einer Minderheit in Schweden Angst einzujagen«, betonte Mohamsson.

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Mohamsson wurde 1994 als Simona Mohammed in Hamburg geboren, wo sie die ersten acht Jahre ihres Lebens verbrachte. Dann siedelte die Familie nach Schweden über. Dort wuchs Simona in einem Dorf südöstlich von Göteborg auf. Ihre Eltern änderten den Familiennamen in das schwedisch klingende »Mohamsson«.

Als junge Erwachsene engagierte sich zunächst in der Göteborger Kommunalpolitik. Im März 2025 wurde sie dann zur Generalsekretärin der »Liberalna« ernannt. Drei Monate später stieg sie bereits zur Parteivorsitzenden auf und wurde Bildungs- und Integrationsministerin im Kabinett von Ministerpräsident Ulf Kristersson.

Die Liberalen sind bislang der kleinste Partner in der Mitte-Rechts-Koalition. Am 13. September wählt Schweden einen neuen Reichstag. Nach den aktuellen Umfragen käme die Partei nur noch auf 2 Prozent der Stimmen und würde damit den Einzug ins Parlament verfehlen. Auch die Mitte-Rechts-Regierung von Ulf Kristersson steht vor dem Aus: Aktuell sieht es danach aus, als könnten die Sozialdemokraten die nächste Regierung anführen.

Mohamsson könnte ihren Parteivorsitz daher schneller wieder los sein, als ihr lieb ist. Ihr bislang wichtigster politischer Schachzug war die Ankündigung im März, die rechtspopulistischen »Schweden-Demokraten« (SD) an einer künftigen Regierung beteiligen zu wollen. Zuvor hatten die Liberalen und auch sie selbst dies immer wieder kategorisch ausgeschlossen. Die Abkehr von der Brandmauer brachte Mohamsson innerparteilich heftigen Widerspruch ein; zahlreiche Mitglieder kehrten der Partei deswegen den Rücken. Fast ebenso umstritten war ihre öffentliche Umarmung des SD-Vorsitzenden Jimmy Åkesson.

Simona Mohamsson umarmt den Chef der rechtspopulistischen »Schweden-Demokraten«, Jimmy ÅkessonFoto: picture alliance / TT NYHETSBYRÅN

Sich selbst bezeichnet Mohamesson als Atheistin. Immer wieder thematisiert sie auch den Antisemitismus in Schweden, vor allem den der politischen Linken. Zielscheibe vieler verbaler Attacken ist die von Nooshi Dadgostar geführte »Vänsterpartiet« (Linkspartei), die sich außenpolitisch mit scharfer Kritik an Israel profiliert. So gerieten Linken-Politiker wegen Unterstützerbriefe an palästinensische Häftlinge, die in Israel wegen schwerer Straftaten zum Teil langjährige Haftstrafen absitzen, in schweres Fahrwasser.

Öffentliches Lob von politischer Konkurrentin

Mohamsson positioniert sich zum Nahostkonflikt und zum Krieg in Gaza deutlich zurückhaltender. Am 7. Oktober 2025 schrieb sie auf ihrem Instagram-Kanal: »Heute ist es zwei Jahre her, dass die Hamas den schlimmsten Pogrom gegen Juden seit dem Zweiten Weltkrieg verübte. Es war ein Terroranschlag, der über tausend Menschenleben forderte und bei dem über 250 Kinder und Erwachsene als Geiseln genommen wurden. Der 7. Oktober 2023 war nicht nur ein Angriff auf Juden und Israel. Es war eine Kriegserklärung an die Zwei-Staaten-Lösung und an alle Friedensbemühungen zwischen Palästinensern und Israelis. Aber es war auch der Startschuss für eine neue globale Welle des Antisemitismus.«

Mit Blick auf den Terroranschlag auf eine Synagoge im englischen Manchester erklärte sie, »kein Jude sollte Angst haben oder gezwungen sein, seine Feiertage mit Familie und Freunden unter bewaffnetem Polizeischutz zu begehen«. Ihr Post endete mit einem Versprechen: »Wir Liberalen werden niemals zurückweichen. Schweden soll ein sicheres Land für alle Juden sein.«

Nach der von den Zeitungen »Expressen« und »Dagens Industri« organisierten Debatte der Chefs der im Reichstag vertretenen am Montag lobte Wirtschaftsministerin Ebba Busch von den Christdemokraten Mohamsson ausdrücklich für ihre klare Haltung und das Tragen des Davisterns. »Die Welle abscheulicher Kommentare und antisemitischen Geschwätzes, der Simona seit gestern Abend ausgesetzt ist, ist inakzeptabel«, schrieb Busch am Dienstag auf ihrer Facebook-Seite.

»Es ist einer von vielen Fällen, in denen der Antisemitismus seine wahre, hässliche Natur nicht verbergen kann. Jener schreckliche Antisemitismus, dem schwedische Juden täglich ausgesetzt sind und der in diesem Land nichts zu suchen hat.« Sie fügte an: »Danke, Simona, dass du das so deutlich gemacht hast. Jetzt ist es an der Zeit, dass alle anderen Politiker das auch tun.«

Doch nicht alle reagierten positiv auf Mohamssons Solidaritätsgeste. Die Politologin und Aktivistin Valley Ghanem, die ebenfalls palästinensische Wurzeln hat, kommentierte auf Instagram, an die Adresse Mohamssons gerichtet, »Möge sie verbrennen«.

Der Davidstern sei für Mohamsson ein Mittel, um blinde Loyalität gegenüber Israel zu signalisieren und dem Völkermord an ihrem eigenen Volk, den Palästinensern, zuzustimmen, so Ghanem. Mohammson nutze »ihren eigenen ‚muslimischen Hintergrund‘ als Schutzschild gegen Kritik, während ihre Politik die Muslime in Schweden zermalmt«.

Außenministerin Maria Stenergard nahm Mohamsson gegen die Anfeindungen in Schutz. Ihr werde »speiübel«, wenn sie den Hass lese, den die Liberalen-Chefin wegen der Halskette ertragen müsse, schrieb Stenergard auf X.

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