Budapest

Veranstaltung kurzfristig abgesagt

Miklós Horthy regierte Ungarn von 1920 bis 1944. Seit 1941 war er ein Verbündeter Hitlers. Foto: dpa

Budapest

Veranstaltung kurzfristig abgesagt

Die »Christliche Gesellschaft der Intellektuellen« wollte am 27. Januar den Hitler-Verbündeten Horthy feiern

von Tobias Kühn  25.01.2018 15:37 Uhr

In Budapest ist am Donnerstag eine Veranstaltung zu Ehren des Hitler-Verbündeten Miklós Horthy abgesagt worden. Sie sollte am Samstag, dem Internationalen Gedenktag für die Opfer des Holocaust, in der Budapester Hauptpfarrkirche zur Heiligen Jungfrau stattfinden.

Als einer der Redner hatte sich Ungarns stellvertretender Parlamentspräsident Sándor Lezsák, ein studierter Historiker, angesagt. Anlass war Horthys 150. Geburtstag – der allerdings erst am 18. Juni ist.

Protest Der Verband der jüdischen Gemeinden in Ungarn, Mazsihisz, hatte am Mittwoch gegen die Teilnahme des Politikers der rechtspopulistischen Regierungspartei Fidesz protestiert. Mazsihisz-Chef Andras Heisler schrieb in einem offenen Brief an Lezsák, der Auftritt bei der Horthy-Feier trete die Erinnerung an alle ungarischen Opfer »mit Füßen«. Kein Vertreter des Staates solle sich an der »Mythen-Bildung um Horthy« beteiligen.

Miklós Horthy regierte Ungarn von 1920 bis 1944. Seit 1941 war er ein Verbündeter Hitlers. In seiner Regierungszeit wurden zahlreiche antisemitische Gesetze erlassen. Horthy gilt als Anführer des »weißen Terrors« nach 1919, der Tausende Juden das Leben kostete. Nach 1941 war er mitverantwortlich für den Mord an mehr als 400.000 ungarischen Juden.

Intervention Der Jüdische Weltkongress (WJC) hatte am Mittwoch den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán darum gebeten, gegen die Horthy-Feierstunde am Holocaust-Gedenktag zu intervenieren.

In einem Brief an Orbán schrieb WJC-Präsident Ronald S. Lauder, er sei »erstaunt und schwer enttäuscht«. Die Veranstaltung, die die »Christliche Gesellschaft der Intellektuellen« organisiert, nannte er »nichts weniger als eine Provokation«. Es sei »unvorstellbar«, dass die Regierung einen hochrangigen Politiker zu einer Veranstaltung schickt, die einen Nazi-Kollaborateur feiert. Admiral Horthy habe der jüdischen Gemeinde Ungarns unermessliches Leid zugefügt – dies dürfe niemals vergessen und niemals entschuldigt werden, so Lauder.

Pfarrer Zoltán Osztie von der »Christlichen Gesellschaft der Intellektuellen« erklärte nach der Absage der Horthy-Feier, er fühle sich von »den hasserfüllten Provokateuren« verleumdet, denn man habe sich schließlich »nichts Politisches« dabei gedacht.

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