Ungarn

Péter Feldmájer tritt zurück

Péter Feldmájer Foto: Martin Fejer / EST&OST

Der Präsident der jüdischen Dachorganisation Ungarns, MAZSIHISZ, Péter Feldmájer, ist zurückgetreten. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete, entzogen ihm bei einer Vollversammlung des Verbands am Sonntag 49 von 89 Direktoriumsmitgliedern das Vertrauen. Daraufhin trat das gesamte MAZSIHISZ-Präsidium zurück.

Kritik Nach Meldungen der Jewish Telegraph Agency wirft man Feldmájer vor, die Ansicht des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán über den Antisemitismus im Land nicht genügend infrage gestellt zu haben. Dieser hatte vergangene Woche in seinem Grußwort bei der Vollversammlung des Jüdischen Weltkongresses in Budapest betont, dass der zunehmende Antisemitismus ein europaweites, nicht speziell ungarisches Problem sei. Während in Westeuropa jüdische Schulkinder ermordet und Anschläge auf Synagogen verübt würden, gebe es nichts Vergleichbares in Ungarn, sagte Orbán.

Feldmájer hatte bei der Vollversammlung hervorgehoben, dass sich die Situation für Juden in Ungarn in den vergangenen Jahren zwar verschlechtert habe, es aber keine wirkliche Bedrohung gebe. »Wir sind nicht so gefährdet wie beispielsweise Juden in Frankreich oder auch Deutschland.«

Neuwahlen Wie die ungarische Nachrichtenagentur MTI meldete, müssen nun innerhalb eines Monats ein neuer Präsident, zwei Vizepräsidenten und elf Präsidiumsmitglieder für die rund 150.000 Mitglieder starke jüdische Gemeinde des Landes bestimmt werden. Bis dahin steht Geschäftsführer Gusztav Zoltai kommissarisch an der Spitze des Dachverbands.

Am Dienstag haben führende Vertreter jüdischer Organisationen in einem Brief an US-Außenminister John Kerry ihre Sorge über den wachsenden Antisemitismus in Ungarn augedrückt. Die Verfasser des Briefes loben Kerry für den jüngsten Menschenrechtsberichts seines Ministeriums: Er stelle den Aufstieg der fremdenfeindlichen und antisemitischen Jobbik-Partei detailliert dar. Sie fordern Kerry auf, »das Problem der Intoleranz und Diskriminierung auf der amerikanisch-ungarischen Agenda zu halten«.

Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören unter anderem Vertreter des Jüdischen Weltkongresses, des Simon Wiesenthal Center, des American Jewish Committee, der Anti-Defamation League und der Jewish Federations of North America. ja

Vilnius

Litauen geht gegen die Hisbollah vor

Anhänger der schiitischen Terrororganisation dürfen ab sofort nicht mehr in das baltische Land einreisen

 13.08.2020

Südafrika

Dem Virus trotzen

Das Land ist ein Corona-Hotspot – wie die jüdische Gemeinde versucht, darauf zu reagieren

von Markus Schönherr  13.08.2020

Schweiz

Aus Basel in die Welt

Die Buchhandlung Goldschmidt hat sich mit ihrem Verlag auf Siddurim und Judaica spezialisiert

von Peter Bollag  13.08.2020

Belarus

»Krieg gegen das eigene Volk«

Michael Rubin über die Wahlen, eine Diktatur mitten in Europa und notwendige Solidarität

von Eugen El  13.08.2020

Paris

Kippa-Träger gewürgt, beschimpft und ausgeraubt

Empörung in Frankreich nach antisemitischem Überfall

von Christian Böhmer  12.08.2020

USA

Medienmogul Sumner Redstone stirbt mit 97 Jahren

Redstones Unternehmen Viacom schluckte 1999 den TV-Sender CBS für 37 Milliarden Dollar

 12.08.2020

George Soros

Bewundert und umstritten

Der Multimilliardär, Philanthrop und Schoa-Überlebende wird heute 90

von Tobias Kühn  12.08.2020

Interview

»Hochstapler, Lügner und Betrüger«

Der israelische Journalist Eldad Beck über die Schattenseiten von Rainer Höß, dessen Nazi-Großvater und den unkritischen Umgang der deutschen Medien mit dem Enkel

von Michael Thaidigsmann  11.08.2020

Polen

Israelischer Eishockey-Kapitän wechselt nach Oswiecim

Eliezer Sherbatov: »Ich möchte an die Schoa erinnern«

 10.08.2020