USA

Mit dem Rücken zur Wand

Für BDS und gegen Israel: Ilhan Omar (M.), demokratische Kongressabgeordnete Foto: imago

Bisher waren die USA der ewige Verbündete des Judenstaates – und zwar auf beiden Seiten der politischen Achse. Nun aber bröckelt der Stein, in welchen diese vermeintliche Gewissheit gehauen schien. Denn das antijüdische Geraune der demokratischen Kongressabgeordneten Ilhan Omar sorgte bei den Demokraten nicht nur für Ablehnung – im Gegenteil, sie erhielt auch eine Welle der Unterstützung von Parteifreunden. Dass mit der BDS-Anhängerin Rashida Tlaib eine zweite dem Antisemitismus anheimgefallene Demokratin zum Liebling der linksliberalen Medien geworden ist, passt da ins Bild.

Absolution gibt es dazu von fast ganz oben: Niemand geringeres als Chelsea Clinton, die Tochter der glücklosen ehemaligen Präsidentschaftskandidatin Hillary, twitterte kurze Zeit später an die Adresse von Donald Trump, der Omars Rücktritt gefordert hatte: »Ilhan Omar hat sich für die Verwendung eines antisemitischen Ausdrucks entschuldigt ... Wann haben Sie sich jemals entschuldigt ...?« Für Clinton ist das Problem also die Verwendung eines bestimmten Ausdrucks – und nicht die damit artikulierte Geisteshaltung.

Dass es die demokratische Basis in Gestalt des »Women’s March« überdies geschafft hat, Jüdinnen aus ihren Reihen herauszumobben, rundet die Sache ab.

Das antijüdische Geraune von Ilhan Omar sorgte bei den Demokraten nicht nur für Ablehnung.

PARALLELEN Bevor nun aber die Fans von Donald Trump zu Triumphgeheul ansetzen, sei ihnen gesagt: Auch bei den Republikanern sieht es nicht besser aus. Hier wird Judenhass zwar nicht zu Humanismus umgelogen, wie die BDS-Bewegung es vormacht. Aber der US-Präsident und seine Einflüsterer wie Steve Bannon haben der alten Mär von der jüdischen Weltverschwörung zu neuer Popularität verholfen. Ihr Codewort: »Globalisten«.

In der Sowjetunion wurde unter dem Begriff »wurzellosen Kosmopoliten« gegen Juden gehetzt. Auch die Nazis warfen den Juden ihre vermeintliche Wurzellosigkeit vor. Wer diese Parallelen nicht erkennt, der will sie nicht erkennen. Alle anderen hören die »dogwhistle« nur zu gut.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Reaktiviert man dieses Ressentiment, drückt man den Mördern zwar noch nicht zwingend die Pistole in die Hand. Aber man erteilt ihnen freundlich Auskunft über den Weg zum nächsten Waffengeschäft.

Die BDS-Unterstützer Ilhan Omar und Rashida Tlaib sind zu den Lieblingen der linksliberalen Medien geworden.

Dass beide – Omar und Trump – vom Ku-Klux-Klan-Führer David Duke unterstützt werden, fasst das Elend zusammen.

BAGATELLE »Aber ich glaube, man wird uns nicht in Ruhe lassen«, schrieb Theodor Herzl in seinem Werk Der Judenstaat und begründete damit die Notwendigkeit staatlicher Unabhängigkeit als Ausdruck jüdischer Selbstverteidigung. Noch stehen die USA an der Seite Israels und damit an der Seite der Juden, die vor Diskriminierung, Pogrom und Völkermord aus ihren Heimatländern geflohen sind.

Aber entweder kann Donald Trump ab 2020 noch für weitere vier Jahre die politische Kultur vergiften. Oder die Demokraten gewinnen – dann wird eine neue Generation junger Politiker ihren Einfluss ausbauen, für die Antisemitismus bloß eine Bagatelle ist.

Der Autor ist Redakteur bei der Tageszeitung »Die Welt«.

Brasilien

Samba unterm Leuchter

Wie die jüdische Gemeinschaft an der Copacabana Chanukka feiert

von Oliver Noffke  02.12.2021

UKRAINE

Der Präsident als Serienstar

ARTE zeigt die Erfolgsserie »Diener des Volkes« mit dem heutigen Staatschef Selenskyj in der Hauptrolle

von Denis Trubetskoy  02.12.2021

Frankreich

Ein Ort für »J’accuse«

In Paris erinnert ein neues Museum an den Justizskandal um den jüdischen Offizier Alfred Dreyfus

von Michael Magercord  01.12.2021

London

Antisemitischer Mob greift Bus mit jüdischen Fahrgästen an

Männer spuckten und schlugen wild auf die Fensterscheiben eines Busses - offenbar, weil sie Juden darin ausmachten

 01.12.2021

Halacha

Israel beschließt Sanktionen für »widerspenstige« Ehemänner

Gerade Frauen in der Diaspora sollen von dem neuen Gesetz profitieren

 01.12.2021

Survivors Night

Licht überwindet Finsternis

Die Jewish Claims Conference ehrte Schoa-Überlebende weltweit mit einer ganz besonderen Initiative

 01.12.2021

Frankreich

Éric Zemmour kandidiert für Präsidentenamt

Er steht weiter rechts als die Populistin Marine Le Pen. Nun hat der umstrittene Publizist Éric Zemmour seine Präsidentschaftskandidatur erklärt

von Michael Evers  30.11.2021

Ehrung

Chanukka für die Überlebenden

Die jährliche International Holocaust Survivors Night findet am Dienstagabend online statt

 30.11.2021 Aktualisiert

USA

Truthahn und Latkes

In diesem Jahr beginnt Chanukka schon kurz nach Thanksgiving. Zu Besuch im Westen Floridas

von Daniel Killy  27.11.2021