US-Wahl

Manhattan contra Williamsburg

Trump oder Biden? Nach der Wahl in New York: der Gemeindefunktionär Yehudah Webster und die Kantorin Lisa B. Segal Foto: dpa

Ob Juden eher Trump oder Biden gewählt haben, hängt auch von der Wohngegend ab, vor allem in New York. Dort braucht man nur 30 Minuten mit der U-Bahn zu fahren, um von einer demokratischen in eine republikanische Hochburg zu gelangen.

Journalisten der israelischen Online-Zeitung »Times of Israel« haben dies am Dienstag getan und ihre Begegnungen aufgeschrieben. Die Szenen vor den Wahllokalen an der Upper West Side und in Williamsburg waren völlig gegensätzlich.

Umfrage Neun neun Uhr morgens an der Upper West Side. Hier leben vor allem konservative und Reformjuden. Das Stimmverhalten scheint die Ergebnisse einer Umfrage des American Jewish Committee widerzuspiegeln, laut der 75 Prozent der amerikanischen Juden den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden unterstützten.

Eine 71-Jährige möchte den Journalisten ungern ihren Familiennamen verraten, denn sie habe, wie sie sagt, für Trump gestimmt.

Vor dem Wahllokal, das in einer High School eingerichtet worden ist, gibt es keine Schlange. Laut Medienberichten haben hier im Viertel sehr viele per Briefwahl abgestimmt. Wie die jüdischen Outreach-Direktoren beider Wahlkampfteams gegenüber der »The Times of Israel« erklärten, machten Juden einen überproportionalen Anteil an Briefwählern aus.

Der 62-jährige Larry Fleischer, dem die israelischen Journalisten vor dem Wahllokal begegnen, gehört nicht dazu. Auf die Frage, mit welchen Themen er sich bei der Stimmabgabe am meisten befasst hat, sagt er ohne lange zu überlegen: »Mit der Abwahl von Donald Trump.« Er habe keine Probleme damit, dies öffentlich zu sagen, sagt Fleischer, denn die Upper West Side sei »stark demokratisch«.

BETRUG Eine 71-Jährige möchte den Journalisten ungern ihren Familiennamen verraten, denn sie habe, wie sie sagt, für Trump gestimmt. »Das erzähle ich hier in der Nachbarschaft lieber nicht so laut.«

Sie habe beschlossen, lieber ins Wahllokal zu gehen, da sie befürchtet, ihr per Briefwahl abgegebener Stimmzettel könne manipuliert werden. Wie Trump glaubt auch sie, dass da »Betrugsfälle grassieren«.

»Wir brauchen eine neue Führung«, fordert Steven. Seine Frau nickt zustimmend.

Später stoßen die israelischen Journalisten auf das Ehepaar Frannie und Steven. Die beiden sagen, dass sie als »jüdische Senioren« bei der Stimmabgabe vor allem die Themen Gesundheitswesen, Umwelt und Covid beschäftigten. »Wir brauchen eine neue Führung«, fordert Steven. Seine Frau nickt zustimmend.

SZENENWECHSEL Wenige Stunden später sind die israelischen Journalisten in Williamsburg unterwegs. Hier leben rund 60.000 Satmarer Chassidim. Umfragen zufolge stimmt man hier vor allem für US-Präsident Donald Trump.

Vor dem im Independence Towers Senior Center eingerichteten Wahllokal geht es zu wie im Taubenschlag, Wähler kommen und gehen. Rabbi Izzy Rosenberg, ein in der Satmar-Gemeinde gut vernetzter Mann, sagt den Journalisten, es sei eine »Mizwa für alle Juden, Donald Trump zu wählen«. Joe Biden hingegen sei »eine Gefahr für Israel«. Der Rabbiner räumt ein, dass die meisten Satmarer »den Staat Israel zwar nicht aus religiöser Sicht unterstützen, aber die Juden, die dort leben, weil sie eben Juden sind«.

Wie Rabbi Rosenberg denken viele in Williamsburg. So auch ein 44-Jähriger, der den israelischen Journalisten beim Verlassen des Wahllokals sagt, dass er große Stücke auf Trump halte. »Dieser Präsident lässt uns in Ruhe. Er lässt uns unsere Religion ausüben, ohne uns zu stören.« Die Demokraten hingegen wollten sich immer »in alles einmischen«. tok

Nigeria

Chef von Auschwitz-Gedenkstätte bittet um Gnade für Jungen. Nun wurde der Teenager freigelassen

Blasphemie: Junge weiterhin in Gefahr

 08.03.2021

Niederlande

Keine Judenkekse mehr

Nach mehr als 130 Jahren wird die Gebäckspezialität »Jodenkoeken« umbenannt – jüdische Organisationen sind irritiert

von Tobias Müller  06.03.2021

Marseille

Mann mit Messer nahe jüdischer Schule festgenommen

Die Polizei ordnete an, die Sicherheit rund um Einrichtungen der jüdischen Gemeinde sofort zu verstärken

 05.03.2021

Spanien

Spanien: Strafverfahren gegen 18-Jährige wegen Aufstachelung zum Judenhass

Nach einer Beschwerde des jüdischen Dachverbands haben die Ermittler in Madrid nun ihren Bericht vorgelegt - der ist eindeutig

 05.03.2021

Ungarn

Orbán will rechte Kräfte um sich sammeln

Am Mittwoch war Fidesz-Partei aus EVP-Fraktion im Europaparlament ausgetreten

 04.03.2021

USA

Terrorwarnung

Nach den Hinweisen des Heimatschutzministers sind die Gemeinden besorgt – aber halten sich bedeckt

von Daniel Killy  04.03.2021

Frankreich

Streitpunkt Heimat

Ein Meinungsartikel in einer jüdischen Zeitung löst eine heftige Debatte um den Oberrabbiner aus

von Michael Magercord  04.03.2021

Argentinien

»Mein Freund, der Gesundheitsminister«

Wie der Journalist Horacio Verbitsky einen Impfskandal aufdeckte – in den er selbst verstrickt war

von Andreas Knobloch  04.03.2021

Europaparlament

Auschwitz-Komitee begrüßt Rückzug von Fidesz-Partei

Viktor Orbán vollzog am Mittwoch den Bruch mit der Europäischen Volkspartei

 03.03.2021