Fußball

Kicken wie Opa

Der 16-jährige David Vorst eifert seinem Großvater nach, der einstigen Ajax-Legende Bennie Muller

von Tobias Müller  20.07.2015 18:36 Uhr

Mit Fußballkippot: David Vorst (vor drei Jahren bei seiner Barmizwa) mit seinem Großvater Bennie Muller Foto: privat

Der 16-jährige David Vorst eifert seinem Großvater nach, der einstigen Ajax-Legende Bennie Muller

von Tobias Müller  20.07.2015 18:36 Uhr

Wer nächste Woche bei den Europäischen Makkabi-Spielen (EMG) in Berlin das Junioren-Fußballturnier verfolgt, wird dort einen jungen Mann in orangefarbenem Trikot am Ball sehen, technisch stark, mit der Spezialität für entscheidende Steilpässe und einem ausgeprägten Hang zum Tricksen.

»Ich spiele gern jedem Gegner den Ball durch die Beine«, sagt David Vorst (16), Gymnasiast und A-Jugendlicher des Amsterdamsche Footbal Club (AFC). Wie so mancher »kickende Künstler« sagt auch er: »Verteidigen ist nicht mein stärkster Punkt. Ich kann schon mal faul rüberkommen.«

Ajax Amsterdam Für seinen Großvater Bennie Muller, der Vorsts Auftritte in Berlin mit besonderem Interesse verfolgen wird, gilt das nicht. Der heute 76-Jährige war mit weit über 400 Spielen für Ajax Amsterdam vor allem in den 60ern eine Legende. »Staubsauger mit jüdischem Herz« nannte ihn einst die Zeitschrift Nieuw Israëlitisch Weekblad. Über seinen Enkel sagt Bennie Muller: »Er kann es weit bringen.« Nach seiner Karriere trainierte Muller drei Mal das niederländische Fußballteam bei Europäischen Makkabi-Spielen, darunter 1995 in Amsterdam, als das Gastgeberland Gold holte – mit Mullers Sohn Danny.

Zum Gewinnen, sagt David Vorst kurz vor Turnierbeginn, führen sie diesmal allerdings nicht zu den Games. »Für uns ist es einfach sehr schwer, ein gutes Team zusammenzustellen, denn die jüdische Gemeinschaft in den Niederlanden ist klein. Engländer und Franzosen haben da ganz andere Möglichkeiten.«

Familiengeschichte Neben dem Spaß mit seinem Team ist da aber auch noch die Familiengeschichte, die Vorst mit dem Austragungsort Berlin verbindet: »Es bedeutet mir sehr viel. Mein Urgroßvater Max Heimann kommt aus Berlin und flüchtete 1933 in die Niederlande.« Dass Deutschland nun zum ersten Mal Makkabi-Spiele ausrichtet, findet David Vorst »eine sehr schöne Geste von Deutschland in Richtung aller Juden«.

Nicht nur die Teilnahme an Maccabi Games gehört bei den Mullers und Vorsts zur Familientradition – auch die Position im Mittelfeld. Bennie, einer der wenigen jüdischen Spieler des als jüdisch geltenden Klubs Ajax, überzeugt sich in der Regel vor Ort von den Fortschritten der kickenden Enkel David, Daniel und Yves sowie ihrer Cousinen Sarah und Noa. »Es gibt nicht viele Großväter, die so sind wie meiner«, sagt Vorst. »Ich sehe ihn fast jeden Tag.«

In einer komplett jüdischen Mannschaft zu spielen, ist für ihn eine neue Situation. Seit seinem vierten Lebensjahr ist er aktiv in seinem Klub AFC – »aber immer mit einem oder mehreren Juden im Team«. Antisemitismus im Fußball kennt Vorst aus eigener Erfahrung. Der Schüler, der in seiner Freizeit vor allem Gitarre spielt und mit seiner Band Stevie Wonder oder John Mayer covert, nuanciert: »Ich finde es aber vor allem wichtig, dass meine Mitspieler nett und gesellig sind. Es kann genauso gut passieren, dass ich in einem jüdischen Team mit einem Mitspieler nicht gut auskomme.«

Wie es nach den Games für ihn weitergeht? Vorst sagt, dass es ihm auf dem Rasen vor allem ums Vergnügen geht. Und der Großvater? Der sieht Davids Talent, räumt aber ein, dass man auf dem Weg nach oben »eine große Menge Glück« braucht. Und wenn David ihm nun eines Tages nachfolgte als neues jüdisches Gesicht von Ajax Amsterdam? »Das wäre schön, aber nötig ist es nicht. Schließlich hat ja schon mein Sohn Danny bei Ajax gespielt.«

Monsey

Mutmaßlicher Attentäter nicht zurechnungsfähig

Grafton Thomas hatte laut Staatsanwalt Ende Dezember fünf Menschen auf einer Hanukkaparty teils schwer verletzt

von Michael Thaidigsmann  28.01.2020

Finnland

Synagoge beschmiert

Eingangsbereich und Außenfassade des Gotteshauses der jüdischen Gemeinde Turku wurde mit Farbe bespritzt

 28.01.2020

Auschwitz

»Wo wart ihr, wo war die Welt?«

Beim offiziellen Gedenken stand das Zeugnis von vier Überlebenden im Zentrum

 27.01.2020

Polen

»Wir können nicht warten«

Oberrabbiner Schudrich warnt vor einem zu zögerlichen Vorgehen gegen Antisemitismus

 27.01.2020

Auschwitz

»Schwierig, an so einem Tag woanders zu sein«

Am Montag findet die offizielle Gedenkfeier zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers statt

 26.01.2020

Schweiz

Was bleibt

Die Psychologin Eva Stocker dreht eine Doku über das Leben nach dem Überleben

von Blanka Weber  26.01.2020

Rumänien

Erfolg im fünften Anlauf

Nach jahrelangem Hin und Her soll in der Hauptstadt Bukarest ein nationales jüdisches Museum entstehen

von Silviu Mihai  26.01.2020

Italien

»Gegen diesen Wahnsinn vorgehen«

Eine antisemitische Schmiererei am Haus von Widerstandskämpferin Lidia Rolfi sorgt für Entsetzen

 25.01.2020

USA

Eine Frage der Zukunft

Der jüdische Klimaaktivismus gewinnt an Fahrt. Auch in Amerika engagieren sich vor allem die Jungen

von Katja Ridderbusch  23.01.2020