Fußball

Kicken wie Opa

Wer nächste Woche bei den Europäischen Makkabi-Spielen (EMG) in Berlin das Junioren-Fußballturnier verfolgt, wird dort einen jungen Mann in orangefarbenem Trikot am Ball sehen, technisch stark, mit der Spezialität für entscheidende Steilpässe und einem ausgeprägten Hang zum Tricksen.

»Ich spiele gern jedem Gegner den Ball durch die Beine«, sagt David Vorst (16), Gymnasiast und A-Jugendlicher des Amsterdamsche Footbal Club (AFC). Wie so mancher »kickende Künstler« sagt auch er: »Verteidigen ist nicht mein stärkster Punkt. Ich kann schon mal faul rüberkommen.«

Ajax Amsterdam Für seinen Großvater Bennie Muller, der Vorsts Auftritte in Berlin mit besonderem Interesse verfolgen wird, gilt das nicht. Der heute 76-Jährige war mit weit über 400 Spielen für Ajax Amsterdam vor allem in den 60ern eine Legende. »Staubsauger mit jüdischem Herz« nannte ihn einst die Zeitschrift Nieuw Israëlitisch Weekblad. Über seinen Enkel sagt Bennie Muller: »Er kann es weit bringen.« Nach seiner Karriere trainierte Muller drei Mal das niederländische Fußballteam bei Europäischen Makkabi-Spielen, darunter 1995 in Amsterdam, als das Gastgeberland Gold holte – mit Mullers Sohn Danny.

Zum Gewinnen, sagt David Vorst kurz vor Turnierbeginn, führen sie diesmal allerdings nicht zu den Games. »Für uns ist es einfach sehr schwer, ein gutes Team zusammenzustellen, denn die jüdische Gemeinschaft in den Niederlanden ist klein. Engländer und Franzosen haben da ganz andere Möglichkeiten.«

Familiengeschichte Neben dem Spaß mit seinem Team ist da aber auch noch die Familiengeschichte, die Vorst mit dem Austragungsort Berlin verbindet: »Es bedeutet mir sehr viel. Mein Urgroßvater Max Heimann kommt aus Berlin und flüchtete 1933 in die Niederlande.« Dass Deutschland nun zum ersten Mal Makkabi-Spiele ausrichtet, findet David Vorst »eine sehr schöne Geste von Deutschland in Richtung aller Juden«.

Nicht nur die Teilnahme an Maccabi Games gehört bei den Mullers und Vorsts zur Familientradition – auch die Position im Mittelfeld. Bennie, einer der wenigen jüdischen Spieler des als jüdisch geltenden Klubs Ajax, überzeugt sich in der Regel vor Ort von den Fortschritten der kickenden Enkel David, Daniel und Yves sowie ihrer Cousinen Sarah und Noa. »Es gibt nicht viele Großväter, die so sind wie meiner«, sagt Vorst. »Ich sehe ihn fast jeden Tag.«

In einer komplett jüdischen Mannschaft zu spielen, ist für ihn eine neue Situation. Seit seinem vierten Lebensjahr ist er aktiv in seinem Klub AFC – »aber immer mit einem oder mehreren Juden im Team«. Antisemitismus im Fußball kennt Vorst aus eigener Erfahrung. Der Schüler, der in seiner Freizeit vor allem Gitarre spielt und mit seiner Band Stevie Wonder oder John Mayer covert, nuanciert: »Ich finde es aber vor allem wichtig, dass meine Mitspieler nett und gesellig sind. Es kann genauso gut passieren, dass ich in einem jüdischen Team mit einem Mitspieler nicht gut auskomme.«

Wie es nach den Games für ihn weitergeht? Vorst sagt, dass es ihm auf dem Rasen vor allem ums Vergnügen geht. Und der Großvater? Der sieht Davids Talent, räumt aber ein, dass man auf dem Weg nach oben »eine große Menge Glück« braucht. Und wenn David ihm nun eines Tages nachfolgte als neues jüdisches Gesicht von Ajax Amsterdam? »Das wäre schön, aber nötig ist es nicht. Schließlich hat ja schon mein Sohn Danny bei Ajax gespielt.«

Brüssel

»Der Eiserne Vorhang schließt sich wieder«

CER-Präsident Pinchas Goldschmidt wirft der russischen Führung vor, gezielt Antisemitismus anzufachen

 27.01.2023

Großbritannien

#BecauseImJewish: Kampagne gegen Judenhass

Eine Plakatkampagne soll auf zunehmenden Antisemitismus aufmerksam machen

von Imanuel Marcus  26.01.2023

Polen

Auschwitz-Gedenken ohne Russland

Erstmals in der Geschichte erhielt Moskau für die Feier des Jahrestags der Befreiung des ehemaligen KZ keine Einladung

 26.01.2023

Porträt

Allein unter Fremden

Rozette Kats überlebte die Schoa als Pflegekind in einer nichtjüdischen Familie. Ihre Eltern und ihr Bruder wurden in Auschwitz ermordet

von Tobias Müller  26.01.2023

Niederlande

Holocaust – was ist das?

Eine Umfrage offenbart, dass vor allem unter jungen Erwachsenen historische Fakten über die Schoa nicht bekannt sind

von Tobias Kühn  26.01.2023

Ukraine

Gemeinsam für die Schwächsten

Ein Hilfsnetzwerk unterstützt NS-Verfolgte in Zeiten des Krieges

von Matthias Meisner  25.01.2023

Großbritannien

Lehrplan gegen Judenhass

Der parlamentarische Sonderberater Lord John Mann fordert, auch modernen Antisemitismus im Unterricht zu behandeln

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  25.01.2023

Grossbritannien

Zum 75. Jahrestag der Staatsgründung: Sunak besucht Israel

Premier Rishi Sunak telefoniert mit Israels Premier Netanjahu – und kündigt Jerusalem-Reise an

 23.01.2023

Russland

Stalins letzte Paranoia

Vor 70 Jahren nahm der sowjetische Staatsführer vor allem jüdische Mediziner ins Visier

von Alexander Friedman  22.01.2023