Brüssel

EU: Abbas-Aussagen »aufrührerisch und zutiefst beleidigend«

Foto: imago images/Future Image

Die Europäische Union hat die judenfeindlichen Äußerungen von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas scharf verurteilt. Seine Rede vor dem Revolutionsrat der Fatah-Partei Ende August habe »falsche und grob irreführende Äußerungen über Juden und Antisemitismus« enthalten, erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Dienstes der EU in Brüssel am Donnerstag.

»Solche Geschichtsverfälschungen sind aufrührerisch, zutiefst beleidigend, können die Spannungen in der Region nur verschärfen und dienen niemandes Interessen. Sie spielen jenen in die Hände, die keine Zweistaatenlösung wollen, für die sich Präsident Abbas wiederholt eingesetzt hat. Darüber hinaus trivialisieren sie den Holocaust, schüren den Antisemitismus und sind eine Beleidigung für die Millionen Opfer des Holocaust und ihre Familien.« Die Europäische Union werde sich weiterhin »jedwedem Versuch, den Holocaust zu billigen, zu rechtfertigen oder zu verharmlosen, entschieden widersetzen«, erklärte der Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell, Peter Stano.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

NS-ZEIT Abbas hatte vor Parteifreunden ausgeführt, Hitler und die Nazis hätten Juden wegen ihrer gesellschaftlichen Stellung als Geldleiher und Wucherer bekämpft und nicht, weil sie Antisemiten gewesen wären. Weiter behauptete der 88-Jährige, aschkenasische Juden seien gar keine Semiten und hätten daher auch kein Recht, im Nahen und Mittleren Osten zu siedeln.

Israels erster Ministerpräsident David Ben-Gurion (selbst ein aschkenasischer Jude) habe in arabischen Ländern Anschläge auf örtliche jüdische Einrichtungen ausüben lassen, um die dortigen Juden dazu zu bringen, nach Israel auszuwandern. So seien in Ben-Gurions Namen Kämpfer in den Irak geschickt worden, um dort »zu töten, zu zerstören und Sprengstoff in Synagogen und an allen möglichen Orten anzubringen, um die irakischen Juden zur Auswanderung zu zwingen.«

Es ist nicht das erste Mal, dass Abbas mit derartigen Aussagen Furore macht. Im vergangenen Jahr hatte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Olaf Scholz einen Vergleich zwischen der Schoa und dem Verhalten Israels gegenüber den Palästinensern gezogen und von »50 Holocausts« gesprochen und große Empörung ausgelöst.

VERURTEILUNG Auch Deutschland hatte die Aussagen von Abbas scharf verurteilt. Deutschlands Botschafter in Israel, Steffen Seibert, erklärte auf X (ehemals Twitter): »Die jüngste Erklärung von Präsident Abbas über die Juden und den Holocaust ist eine Beleidigung für die Erinnerung an Millionen ermordeter Männer, Frauen und Kinder. Die Palästinenser verdienen es, von ihrem Führer die historische Wahrheit zu hören und nicht solche Verzerrungen.«

Das Auswärtige Amt sagte am Donnerstag, was Abbas geäußert habe sei »unsäglich und empörend«. Eine Relativierung des Holocausts sei unerträglich und inakzeptabel, so eine Sprecherin gegenüber der DPA.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Rabbiner Pinchas Goldschmidt, Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz, sagte dieser Zeitung: »Angesichts der chronischen Verfehlungen und eines seit eh und je inakzeptablen Antisemitismus von Palästinenserpräsident Abbas wäre es Zeit, in Brüssel und den Hauptstädten der EU darüber nachzudenken, ob man einen solchen Holocaustrelativierer und Hassprediger überhaupt noch empfangen und hofieren sollte. Dieser aggressive Antisemitismus hilft garantiert nicht der palästinensischen Sache.«

KONSEQUENZEN Die Vorsitzende des Jüdischen Forums in der CDU und schleswig-holsteinische Kultusministerin, Karin Prien, verurteilte Abbas ebenfalls scharf und forderte Konsequenzen. »Mahmud Abbas hat erneut seinen Antisemitismus offen zur Schau gestellt. Wieder und wieder müssen wir von ihm solche Worte hören und lesen. Er weiß, dass ihm keinerlei Konsequenzen von der Bundesregierung und der Europäischen Union drohen«, wurde Prien auf dem X-Kanal der CDU zitiert. »Die Bundesregierung sollte sich dringend fragen, ob Abbas und seine Fatah weiter so unterstützen will.«

In dasselbe Horn hatte zuvor auch Volker Beck gestoßen. Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft sagte: »Solches Zeug sagt und schreibt Abbas seit seiner Doktorarbeit in Moskau. Es zeigt den ganz normalen Antisemitismus der ›gemäßigten‹ palästinensischen Kräfte.« Beck forderte die Bundesregierung und insbesondere Außenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) auf, zu den Äußerungen von Abbas klar Stellung zu beziehen. Auch die SPD und die Jungsozialisten müssten sich zur Positionierung des Chefs der Fatah-Partei äußern, so Beck, da diese Mitglied in der sozialistischen Parteienfamilie sei. mth

Großbritannien

»Die Grünen sind jetzt eine extremistische Partei«

Ein Parteitagsbeschluss der englischen Grünen, in dem der Zionismus als eine Spielart des Rassismus bezeichnet und zur Befreiung Palästinas aufgerufen wird, ist nicht nur in Großbritannien auf heftige Kritik gestoßen

 05.10.2026

Nachruf

Weimer würdigt gestorbene Holocaust-Überlebende Irene Butter

Eine weitere jüdische Zeitzeugin des Holocaust ist tot. Irene Butter starb im Alter von 95 Jahren in den USA. Lange hatte sie nichts von ihren Erlebnissen im KZ erzählt. Dann berichtete sie jahrzehntelang Schülern von ihrem Leben

von Christoph Arens  05.10.2026

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Madrid

Kritik an Zara wegen Halloween-Kostüm mit Ähnlichkeit zu KZ-Kleidung

Die Hintergründe

 02.10.2026

Gespräch

Jüdische Stimme am Vatikan

Viktor Eichner vom Jüdischen Weltkongresses hat ein großes Ziel: sich für die jüdische Gemeinschaft einzusetzen – vor allem beim Heiligen Stuhl

von Sabine Kleyboldt  02.10.2026

USA

Jüdischer Stolz auf der New York Fashion Week

Zum ersten Mal war eine exklusiv jüdische Modenschau Teil des berühmten Events. Mit Modest Fashion, Abendkleidern und Bikinis

von Sophie Albers Ben Chamo  01.10.2026

Großbritannien

Dame Esther Rantzen mit 86 Jahren gestorben

Die Journalistin setzte sich für Kinder, Senioren und eine Legalisierung der Sterbehilfe ein

 01.10.2026

New York

Mamdani legt Antisemitismus-Plan vor, jüdische Organisationen üben scharfe Kritik

Das Konzept des Bürgermeisters blende den Zusammenhang zwischen der Gewalt gegen Juden in New York und antiisraelischer Propaganda bewusst aus, sagt einer der Kritiker

 30.09.2026

Kiew

85. Jahrestag: Selenskyj gedenkt ermordeter Kyjiwer Juden

Vor 85 Jahren besetzten deutsche Truppen die heutige ukrainische Hauptstadt. Sie ermordeten zehntausende Menschen. Präsident Selenskyj stellt bei einer Gedenkfeier den Bezug zur Gegenwart her

 30.09.2026