USA

Einsatz in L.A.

Vor mehr als 30 Jahren zum Judentum übergetreten: Kandidatin Jan Perry Foto: Reuters

Los Angeles wird möglicherweise bald den ersten jüdischen Bürgermeister oder die erste jüdische Bürgermeisterin haben. Wenn Amtsinhaber Antonio Villaraigosa im Frühjahr 2013 abtritt, werden sich mindestens zwei, wenn nicht gar fünf jüdische Angelenos um seine Nachfolge bewerben. Einige davon laufen sich jetzt bereits warm, denn Wahlkämpfe in den USA sind ziemlich lang.

Die Erste, die ihren Hut in den Ring geworfen hat, ist Jan Perry, eine Stadtverordnete, die vor mehr als 30 Jahren zum Judentum übergetreten ist. »Ich war immer eine Sucherin«, erklärte die 56‐Jährige kürzlich der jüdischen Wochenzeitung Forward. Zu Perrys Wahlbezirk gehört neben Teilen Downtowns auch Little Tokyo. Dort läutete sie Mitte Dezember ihre Kandidatur ein.

Perry ist nicht nur Jüdin, sie ist auch schwarz. Sie wäre die erste Afroamerikanerin an der Spitze einer US‐amerikanischen Großstadt. Und sie ist Demokratin, wie Villaraigosa. »Sie ist warmherzig und echt«, meint Rabbi Moshe Greenwald, der ihrer Synagoge in Downtown vorsteht. Perry hat aber auch den Rückhalt der schwarzen Community von Los Angeles. So erklärte die Abgeordnete Maxine Waters, sie werde Perry unterstützen.

Perry hat an der University of Southern California Journalistik studiert. Sie ist geschieden und hat eine Tochter. Seit 35 Jahren lebt sie in Los Angeles, doch aufgewachsen ist sie in Cleveland im Bundesstaat Ohio. Perrys Vater arbeitet als Anwalt für Carl Stokes, den ersten schwarzen Bürgermeister einer US‐Großstadt. Die Eltern waren in der Bürgerrechtsbewegung aktiv; ihre Mutter setzte sich für den Mieterschutz ein.

Downtown Jan Perry wurde früh politisch aktiv. Sie bewunderte den legendären Tom Bradley, den ersten schwarzen Bürgermeister von Los Angeles, der mit der Unterstützung der jüdischen Community sein Amt eroberte. Sie fing als Assistentin im neunten District an und gewann 2001 einen Sitz im Stadtrat.

Ihr ist es mitzuverdanken, dass Downtown mit vielen Kunst‐ und Kulturprojekten wiederbelebt wurde. Sie schaffte es, Fastfood‐Ketten einzuschränken, handelte sich aber herbe Kritik ein, als sie im Sommer 2009 vier Millionen Dollar aus der Stadtkasse für Michael Jacksons Trauerfeier ausgab.

Bisher haben neben Jan Perry drei Kandidaten offiziell ihr Interesse bekundet, darunter YJ Draiman, ein Ingenieur und Immobilienentwickler, der für Umweltschutz und Energiesparen eintritt und ebenfalls jüdisch ist. Einer seiner Söhne ist David Draiman, Sänger der Heavy‐Metal Band »Disturbed«, ein anderer Ben Draiman, Folksänger in Jerusalem.

Wendy Greuel, die Schatzmeisterin der Stadt, die gleichfalls Bürgermeisterin werden will, ist mit einem jüdischen Filmemacher verheiratet. Und auch Austin Beutner, Vize‐Bürgermeister und Banker, der wohl ebenfalls kandidieren wird, ist Jude.

Ein weiterer potenzieller Anwärter ist Eric Garcetti, dessen Vater aus Mexiko stammt. Garcettis Großeltern mütterlicherseits waren russische Juden. Rund sechs Prozent der Bevölkerung von Los Angeles sind jüdisch. Noch höher ist der jüdische Anteil unter den Wählern, denn viele Latinos dürfen noch nicht wählen, weil sie Immigranten sind. Außerdem ist die Wahlbeteiligung jüdischer Einwohner überdurchschnittlich hoch.

Busse Ebenfalls noch nicht offiziell erklärt hat sich Zev Yaroslavsky, der in L.A. County als »Supervisor«, eine Art Parlamentarier, Politik macht. Der Landkreis, einer der größten der USA, umfasst neben Los Angeles auch Malibu, Hollywood, Beverly Hills und das San Fernando Valley.

Hier leben zwei Millionen Juden. Yaroslavsky gilt als chancenreich. Er ist der Sohn zionistischer Juden aus der Ukraine und hat sich dafür eingesetzt, dass Juden aus der Sowjetunion in die USA auswandern dürfen. Auch für Umweltschutz tritt er ein. Am meisten aber ist er dafür bekannt, dass er die »Orange Line« durchgesetzt hat, öffentliche Nahverkehrsbusse im San Fernando Valley.

Übrigens ist auch Amtsinhaber Villaraigosa in der jüdischen Gemeinde beliebt. Der mexikanischstämmige Demokrat spricht sogar ein paar Worte Hebräisch. »Er ist praktisch ein sefardischer Jude«, meint Jack Weiss, der im Stadtrat von Los Angeles das San Fernando Valley und West L.A. vertritt.

Für Villaraigosa, der nach zwei Legislaturperioden nicht mehr kandidieren darf, ist die Karriere noch nicht zu Ende: Ihm werden Ambitionen auf das Amt des Gouverneurs nachgesagt.

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