Finnland

Das schneidet ein

Moshe und Miriam Levi wollten eine wirklich koschere Beschneidung für ihren Sohn Aviv. Also riefen sie nicht den Mohel der Gemeinde in Helsinki, deren Mitglieder sie sind, sondern wandten sich an Chabad. Die orthodoxe Organisation half ihnen und ließ Rabbi Yossi Simon aus dem Londoner Stadtteil Golders Green einfliegen, der als Mohel einen guten Ruf hat.

Panik So wurde der kleine Aviv im April 2008 feierlich beschnitten. Am nächsten Morgen untersuchte Simon den Säugling, und da alles in Ordnung war, kehrte er nach London zurück. Doch wenige Stunden später fing die Wunde an zu bluten. Die Eltern gerieten in Panik und dachten nicht daran, den örtlichen Mohel anzurufen, der auch Arzt ist und zum Hausbesuch gekommen wäre. Schließlich brachten sie ihren Jungen in die Uni-Klinik.

Dort hatte an jenem Tag Harry Lindahl Dienst. Er ist Chefarzt der kinderchirurgischen Abteilung und seit Jahren Wortführer einer Kampagne gegen die Beschneidung. Als Lindahl hörte, dass der Säugling ohne Betäubung beschnitten worden war, ließ er Anzeige erstatten.

Nach einem Beschluss des Obersten Gerichtshofes sind in Finnland Beschneidungen aus religiösen Gründen nur dann erlaubt, wenn sie »medizinisch korrekt« unter Betäubung durchgeführt werden. Wie ein Sprecher der Initiation Society, einer Art Berufsverband der Londoner Mohalim, dem Jewish Chronicle sagte, sei dies bei den Kollegen nicht üblich. Denn Betäubungssalben führten gelegentlich zu Entzündungen, die den Eingriff letztlich verhindern würden. Und eine Spritze könnte für das Baby schmerzhafter sein als der Eingriff an sich.

Urteil Ende Februar wurde der Fall des kleinen Aviv vor dem Bezirksgericht Helsinki verhandelt. Als Zeuge trat auch Harry Lindahl auf. Die Richter verurteilten das Ehepaar Levi zu 1.500 Euro Schmerzensgeld, das sie ihrem inzwischen knapp zweijährigen Sohn auf ein Konto überweisen müssen. Sobald er volljährig ist, kann er darauf zugreifen.

Ursprünglich hatte die finnische Justiz versucht, den Mohel vor Gericht zu bringen. »Aber wie ich gehört habe, sei die britische Polizei nicht kooperativ gewesen«, sagt Dan Kantor, Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde Helsinki gegenüber der Jüdischen Allgemeinen. Der Londoner Mohel selbst stand zu einem direkten Gespräch mit dieser Zeitung nicht zur Verfügung.

»Dass die Beschneidung nicht von einem Arzt ausgeführt wurde, haben die Richter allerdings nicht beanstandet«, hebt Kantor hervor. Doch genau das fordert die Staatsanwaltschaft und verlangt eine Revision des Urteils. Kantor: »Der Fall ist noch lange nicht abgeschlossen.«

Großbritannien

London ehrt Stefan Zweig

84 Jahre nach seinem Tod wird der berühmte österreichische Schriftsteller Stefan Zweig in London geehrt. Dorthin war er 1936 vor den Nazis geflohen

 02.07.2026

Kommentar

250 Gründe, die USA zu lieben

Am 4. Juli 1776 wurden die Vereinigten Staaten gegründet. Eine etwas andere Liebeserklärung

von Imanuel Marcus  02.07.2026

Schweiz

Zürcher Attentäter schweigt vor Gericht

Der 17-jährige Angeklagte, der am 2. März 2024 in Zürich einen orthodoxen jüdischen Mann fast tötete, verweigert vor Gericht jede Aussage. Ihm droht wegen mehrfachen versuchten Mordes die höchstmögliche Jugendstrafe von einem Jahr Freiheitsentzug.

von Nicole Dreyfus  02.07.2026

USA

Es war einmal ein »Reich der Güte«

Vor 250 Jahren wurden die Vereinigten Staaten gegründet. Aus jüdischer Perspektive war die Entstehung der Neuen Welt auch der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte

von Paul Bentin  02.07.2026

Großbritannien

Oberrabbiner Mirvis fordert, den Ruf »Tod der IDF« unter Strafe zu stellen

Oberrabbiner Mirvis hat die Politik seines Landes zu einem schärferen juristischen Vorgehen gegen anti-israelische und antisemitische Hassrede aufgefordert

 01.07.2026

Proteste gegen Kushner-Projekt

Ein Land sieht pink: Albaniens Flamingo-Revolution ist nicht zu stoppen

Flamingos überall - und kein Ende in Sicht: EU-Beitrittskandidat Albanien ist fest im Griff einer Protestwelle. Fällt die Regierung unter der pinken Revolution?

von Markus Schönherr  30.06.2026

Österreich

Rabbiner Yaron Nisenholz wird Wiens neuer Oberrabbiner

Nach einem internationalem Auswahlverfahren übernimmt Rabbiner Yaron Nisenholz die religiöse Führung der IKG Wien

von Nicole Dreyfus  29.06.2026

Venezuela

Jüdische Gemeinde beklagt drei Tote, mehr als 100 Obdachlose

Das Erdbeben in Venezuela hat auch für die rund 5000 Mitglieder zählende jüdische Gemeinschaft des Landes schwere Folgen

 29.06.2026

Eva Erben

»Oft weiß man gar nicht, wie viel Kraft in einem steckt«

Die 95-jährige Holocaustüberlebende war aus Israel nach Prag gekommen, um bei der Verlegung der »Stolpersteine« für ihre in der Schoa ermordeten Eltern dabei zu sein

von Michael Thaidigsmann  26.06.2026