Gazakrieg

Wie sich Emily Damari den Terroristen widersetzte

Emily Damari im Mai 2025 bei einem Besuch im Londoner Stadion von Tottenham Hotspur Foto: picture alliance / dmg media Licensing

Emily Damari, britisch-israelische Überlebende des 7. Oktober und von 471 Tagen Geisel-Gefangenschaft in Gaza, hat auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung in London darüber gesprochen, wie sie ihren Entführern bis zum letzten Moment standgehalten hat.

In dem Interview vor Live-Publikum beim jährlichen UJIA-Dinner (United Jewish Israel Appeal) erzählte die 29-Jährige, die ein begeisterter Fußballfan ist, dass die Hamas-Terroristen ihr am Tag der Freilassung ein rotes Sweatshirt zum Anziehen gegeben hätten, zitiert sie der »Jewish Chronicle«. »Aber ich habe es nicht akzeptiert. Ich ziehe kein Rot an, ich bin Maccabi-Tel-Aviv-Fan. Die ganze Welt wird mich in diesem Moment sehen. Ich kann das nicht. Sie sagten: ‚Bist du verrückt? Du gehst raus.‘ Und ich sagte: ‚Nein. Ich gehe nicht in Rot da raus.‘ Und wie Sie gesehen haben, habe ich Grün getragen.«

Damari stammt aus dem besonders schwer getroffenen Kibbuz Kfar Aza. Sie erinnerte sich an die Schrecken des Morgens, wie Terroristen den Sicherheitsraum aufbrachen, ihren geliebten Hund töteten und sie selbst in die Hand und ins Bein schossen, so der Bericht. Danach seien sie und ihr bester Freund Gali Berman nach draußen gebracht worden. »Wir sitzen auf der Couch auf meinem Balkon (...) ich schaue nach rechts und nach links und sehe, wie etwa 60 oder 70 Terroristen tun, was sie wollen, und das sehr ekstatisch.«

Blut auf dem Fußboden

Damari wurde zusammen mit Gali Berman und dessen Zwillingsbruder Ziv, die noch immer in der Gewalt der Hamas sind, verschleppt. Sie sei zuerst in Wohnungen von Terroristen gebracht worden, »wo eine Familie war, sechs Kinder, Ehefrau, alles«. In der Zeit habe sie vier weitere Geiseln aus ihrem Kibbuz gesehen.

Dann sei sie ins Al-Shifa-Krankenhaus gebracht worden, das kein Ort für Zivilisten gewesen sei, sondern der Hamas, ist sie sich sicher. »Das Erste, was ich sah, als ich den Raum kam, waren ein Toter und Blut auf dem Fußboden.« Als Nächstes zehn oder 15 Terroristen mit Gewehren, und dann sei ein Arzt auf sie zugekommen und habe gesagt »Hallo, ich bin Dr. Hamas«. Der amputierte ihr zwei Finger an der zerschossenen Hand.

Rund 30 Mal sei sie an andere Orte gebracht worden, von Wohnungen mit Familien in Krankenhäuser, von Schulen in Tunnel. In den Tunneln unter dem Gazastreifen seien sie »in kleinen, stinkenden Käfigen« gefangen gehalten worden, »keine Bedingungen zum Überleben«. Mit ihr seien fünf weitere weibliche Geiseln dort gewesen. Sie seien behandelt worden »wie Tiere«.

»Das war der schönste Moment in meinem Leben am schlimmsten Ort meines Lebens.«

Emily Damari

Bei all dem Horror habe sie trotzdem bewusst eine »aktive Rolle« angenommen. »Ich habe versucht, die Wachen zu erziehen. Sie haben uns Gefangene genannt, und ich habe gesagt: ‚Ich bin keine Gefangene. Ein Gefangener darf dreimal am Tag essen. Ein Gefangener schläft auf einem Bett. Ein Gefangener kann seine Eltern anrufen, und sei es nur einmal im Monat. Ein Gefangener trinkt Wasser, kann aufs Klo gehen und spülen.« Vor allem habe ein Gefangener etwas falsch gemacht, »ich bin nur in meinem Bett aufgewacht«.

Während sie in Gaza war, habe sie zuerst geglaubt, dass ihre Mutter und ihr Bruder ermordet worden seien. Doch dann habe sie bei der seltenen Gelegenheit, dass ein Terrorist den Fernseher anschaltete, plötzlich ihre »großartige« Mutter gesehen, die ihr Bild hielt und sich für ihre Freilassung einsetzte. »Das war der schönste Moment in meinem Leben an schlimmsten Ort meines Lebens. Ich fand heraus, dass sie am Leben war und für mich kämpfte.«

Lesen Sie auch

Als sie nach den Plänen für ihre Zukunft gefragt wird, antwortete Damari, dass Zukunft »ein schwieriges Wort ist, bis alle Geiseln freigelassen sind«, heißt es weiter im Bericht: »Solange meine Freunde noch Geiseln in Gaza sind, kann ich meine Zukunft nicht wirklich sehen.« Für die Gegenwart habe sie gelernt, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen, »eine Tasse Wasser zu trinken, meiner Mutter ‚Hallo‘ und ‚Guten Morgen‘ zu sagen, meine Brüder zu umarmen. Das alles hat einen sehr, sehr großen Wert!« sal

Kommentar

Eure Masche zieht nicht mehr!

Mittlerweile hat es sich selbst im Kulturbetrieb herumgesprochen, dass die Bigotterie der sogenannten pro-palästinensischen Aktivisten allzu durchschaubar ist, wenn Menschenrechte gepredigt und im gleichen Atemzug »Genozid« und »Boykott« geschrien wird

von Sophie Albers Ben Chamo  22.02.2026

Kino

Wegen israelfeindlicher Propaganda-Rede bei Berlinale: SPD-Minister verlässt die Preisverleihung 

 21.02.2026

Berlinale

»Free Palestine« auf der Bühne

Filmemacher Abdallah Alkhatib wirft der Bundesregierung vor: »Sie machen mit beim Genozid Israels in Gaza«

von Katrin Richter  21.02.2026

Meinung

Endlich kehrt Ehrlichkeit in die Debatte über die UNRWA ein!

Der CDU-Antrag bringt auf den Punkt, was seit Jahren verdrängt wurde: Palästinensische Gewalt darf natürlich nicht als politisches Instrument akzeptiert werden

von Daniel Neumann  21.02.2026

Berlinale

David Cunio: »Als ich nicht sprechen konnte, habt ihr mir eine Stimme gegeben«

Die israelische Ex-Hamas-Geisel bedankte sich an einem ebenso denkwürdigen wie emotionalen Abend im Babylon-Kino bei Regisseur Tom Shoval für den Film »A Letter To David«

von Ayala Goldmann  21.02.2026

Parteitag

»Die UNRWA ist nicht reformierbar«: CDU will Zahlungsstopp

Einmütig haben die Delegierten des CDU-Bundesparteitags in Stuttgart beschlossen, dass es künftig striktere Auflagen für deutsche Zuschüsse an die Palästinenser geben soll

von Michael Thaidigsmann  21.02.2026

Militär

Bundeswehr und IDF wollen enger zusammenarbeiten

Bei einem Besuch in Israel vereinbaren Vertreter der Bundeswehr eine engere Kooperation mit Israels Armee. Deutschland will dabei auch etwas über die Integration von Frauen ins Militär lernen

 20.02.2026

Nahost

Tucker Carlson blamiert sich in Israel

Der rechte Moderator hatte behauptet, er sei am Flughafen Ben-Gurion festgesetzt worden. Doch Videoaufnahmen zeigen ein anderes Bild

 20.02.2026

Jerusalem

Staatskontrolleur kritisiert unvollständige Aufarbeitung der Versäumnisse vom 7. Oktober

Die Öffentlichkeit und die Knesset hätten bislang nur ein fragmentarisches Bild von den Versäumnissen im Zusammenhang mit dem Hamas-Angriff erhalten, sagt Matanyahu Englman

 20.02.2026