Israel

Wer sind die Huthi?

Eine Pro-Huthi-Demonstration in Jemens Hauptstadt Sanaa (Januar 2024) Foto: picture alliance / AA

Nach dem tödlichen Angriff auf ein Wohnhaus in Tel Aviv ist klar: Die Huthi im Jemen sind schon längst keine lokale Rebellengruppe mehr. Seit Beginn des Krieges gegen die Hamas hat die Terrorgruppe israelisches Gebiet angegriffen und das Rote Meer in einen Nebenschauplatz des Krieges verwandelt. Doch wer sind die Huthi überhaupt?

Woher kommen die Huthi und wofür stehen sie?

Die Huthi verstehen sich als Repräsentanten der schiitischen Strömung der Saiditen, deren Imame im Nordjemen bis 1962 über ein eigenes Fürstentum verfügten. Ihr Name stammt von dem verstorbenen Anführer Hussein al-Huthi, der aus der Bewegung eine politische Kampftruppe formte. Zunächst zettelten sie mehrfach Aufstände gegen die sunnitische Führung in der Hauptstadt Sanaa an, dann richtete sich die Aggression auch zunehmend nach Außen. 2000 übernahm die Gruppe den Hass-Slogan: »Allah ist groß! Tod den USA! Tod Israel! Verdammt seien die Juden! Sieg dem Islam!« Als islamistische, schiitische Gruppierung sind die Huthi eng mit dem Iranischen Regime verbunden. Sie verstehen sich als Teil der vom Iran propagierten »Achse des Widerstands« gegen den Westen und Israel.

Was machen die Huthi im Jemen?

Seit 2014 kämpfen die Huthi im Jemen gegen die Regierung und ein vom sunnitischen Saudi-Arabien angeführtes Militärbündnis. Viele Experten schätzen den andauernden Konflikt als eine Art Stellvertreterkrieg zwischen dem Iran und Saudi-Arabien ein. Der Krieg mit schätzungsweise 377 000 Todesopfern hat im Jemen eine humanitäre Katastrophe ausgelöst.

Heute beherrschen die Huthi die Hauptstadt Sanaa und weite Teile des Landes, vor allem im Nordjemen. Auch der strategische Hafen in Hudaida, der nun von Israel attackiert wurde, steht unter ihrer Kontrolle. Sie haben einen Zwerg-Staat errichtet, in dem sie ihre Ideologie auf totalitäre Weise durchsetzen, mutmaßlich etwa auch durch Folter und Tötung von Kritikern und Journalisten.

Wie groß ist die Terrormiliz?

Bereits eine Analyse von 2019 kam auf schätzungsweise 180.000 bis 200.000 bewaffnete Kämpfer. Im Februar teilte ein Sprecher der Terrormiliz mit, man habe nach dem Gaza-Krieg weitere 200.000 Personen rekrutiert. Die Huthi haben Zugang zu Panzern und technischen Fahrzeugen sowie zu Panzerabwehr-Lenkraketen, ballistischen Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern.

Wer unterstützt die Huthi?

Vor allem der Iran und die Hisbollah im Libanon. Ohne deren Hilfe hätten die Huthi ihr Waffenarsenal - darunter Raketen mit einer Reichweite von bis zu 3000 Kilometer - nach Einschätzung von Experten nicht aufbauen können. Die Al-Kuds-Brigaden, Teil einer Eliteeinheit der iranischen Streitkräfte, stellten ab 2014 verschiedene Waffentypen zur Verfügung, schreibt die US-Denkfabric CSIS. Die Al-Kuds-Brigaden sowie die Hisbollah bildeten die Kämpfer demnach auch aus, um etwa die Kampftaktik der Huthi zu verbessern und ihnen den Einsatz von Raketen wie auch Drohnen zu ermöglichen. Die Waffen sollen auf dem Seeweg in den Jemen geschmuggelt worden sein.

Wie reagieren die Huthi auf den Krieg in Gaza?

Die Huthi haben ihre Solidarität mit der Hamas erklärt und greifen Israel seit dem 7. Oktober an. Sie attackierten Israel vom Süden der Arabischen Halbinsel aus mit Drohnen und Raketen und trafen dabei bereits die südisraelische Stadt Eilat und nun auch ein Wohnhaus in Tel Aviv.

Sie drohen zudem schon länger mit Angriffen auf alle Schiffe mit Israel-Bezug im Roten Meer und haben etliche Frachter und Handelsschiffe am sensiblen Bab al-Mandab angegriffen. Die nur 27 Kilometer breite Meeresstraße verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden. Es ist eine der frequentiertesten Meeresrouten der Welt. So enterten sie im November etwa ein Frachtschiff per Helikopter mit Sturmgewehren und filmten den Verlauf für Propagandazwecke. JA/dpa

Frankreich

»Fick dich, Gisèle, fickt euch, ihr Zionisten«

Gisèle Journo ist Jüdin und betreibt in Paris eine Agentur für Influencer. Jetzt ist sie Zielscheibe antisemitischer Anfeindungen geworden. Auslöser war der Boykottaufruf einer Europaabgeordneten

von Michael Thaidigsmann  21.08.2026

Westjordanland

Nach Messerangriff: Terrorist in Dschenin getötet

Der Mann hatte versucht, Soldaten mit einem Messer anzugreifen. Wie sich herausstellte, war er der Vater eines prominenten Terroristen

 21.08.2026

Terror

Israelische Armee tötet Hamas-Kommandeur, der am 7. Oktober beteiligt war

Bei dem Getöteten handelt es sich laut IDF um Sobhi Sami Mahmoud Shahtot. Er soll als Zugführer der Hamas tätig gewesen sein und verschleppte Israelis bewacht haben

 21.08.2026

Berlin

Amnesty International ruft Hamas zum Ende der Gewalt auf

Gewalt und außergerichtliche Hinrichtungen durch die Terrororganisation auch gegen Palästinenser kommen laut UN regelmäßig vor. Menschenrechtler fordern ein sofortiges Ende dieser Verbrechen

von Anna Mertens  21.08.2026

Jerusalem

Benny Gantz: »Ich kann die politischen Lager zusammenbringen«

Der Oppositionspolitiker will ein Bündnis verantwortungsbewusster und moderater Zionisten aus verschiedenen politischen Richtungen bilden

 21.08.2026

Richter Yechiel Kasher

Tel Aviv

Oberstes Gericht stoppt Schließung von Armee-Sender Galei Zahal

Richter Yechiel Kasher kritisiert den Versuch Jerusalems, das Armee-Radio abzuschalten: »Eine Regierung, die auf diese Weise handelt, ist ausgesprochen undemokratisch.«

 21.08.2026

Westjordanland

Qusra: US-Botschafter warnt Siedler vor Enteignung palästinensischer Familien

Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, sagt, es gehe nicht nur um einen Verstoß gegen menschengemachtes Recht, sondern auch »gegen Gottes Gesetz«

 21.08.2026

Benjamin Graumann Jüdische Gemeinde Frankfurt

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  21.08.2026

Ben Gurion Airport

Gepäckstreik sorgt für Chaos an Tel Aviver Flughafen

Ein Streik beim Gepäckpersonal bringt den Flughafen bei Tel Aviv zum Stillstand. Lange Schlangen und dichtes Gedränge prägen einen der verkehrsreichsten Tage der Sommerferien

 20.08.2026