Start-up

Supermärkte werden smart

Künftig checken Kunden über eine App ein, Kameras, Sensoren und Computer registrieren den Einkauf und buchen ohne direkten Bezahlvorgang ab. Foto: Flash90

Nun also auch in Israel. Nachdem vor knapp einem Jahr die Lebensmittelhandelskette Tesco in London den ersten Supermarkt ohne Kasse eröffnet hatte und bald darauf Rewe, Netto und Aldi-Nord mit Filialen in Berlin, Köln sowie München und im niederländischen Utrecht nachgezogen waren, machte dieser Tage in Tel Aviv ein Geschäft auf, das mithilfe von Künstlicher Intelligenz und vielen Kameras das sogenannte »Pick&Go«-Modell umsetzt.

Denn die Technik, die in dem neuen Hightech-Shufersal-Shop auf der Mendele-Straße unweit der Strandpromenade ebenso zum Einsatz kommt wie bei den Giganten der Branche in Europa, stammt ohnehin aus Israel, und zwar von dem Start-up Trigo.

waren Der mit Trigo-Technik betriebene Supermarkt in Tel Aviv unterscheidet sich jedoch von den Läden im Ausland dadurch, »dass deutlich mehr Waren pro Quadratmeter angeboten werden als in jedem anderen von Trigo betriebenen Geschäft«, so der Trigo-Mitbegründer und zugleich Vorstandsvorsitzende Michael Gabay in einer Erklärung des Unternehmens.

Der mehr als 100 Quadratmeter große Shufersal Express Shop&Go Store »ist in dem Segment der autonom betriebenen Läden aufgrund seiner breiten Produkt­palette einzigartig und wird den Kunden ein Einkaufserlebnis bieten, das es in Israel bisher noch nie gegeben hat«, schrieb er in einem LinkedIn-Post.

Das israelische Unternehmen verspricht ein einzigartiges Einkaufserlebnis.

Egal ob einzigartig oder nicht – wer in Israel regelmäßig einkaufen geht, ist für jede Innovation dankbar. Denn das Personal an der Kasse ist für seine Langsamkeit bekannt wie berüchtigt, sodass man sich nicht vorstellen möchte, wie viel Lebenszeit in einer Warteschlange dort bereits verschwendet wurde. Spätestens wenn die Kassierer beim Einscannen der Waren, was zumeist im Schneckentempo geschieht, noch einmal gelangweilt alle Sonderangebote für Besitzer von Club-Karten herunterbeten, wird das Ganze zu einer Geduldsprobe.

app Die Trigo-Technik funktioniert dagegen vollautomatisch. Kunden checken beim Betreten des Supermarkts per App ein. Dann gehen sie durch die Gänge, packen die gewünschten Waren in den Korb und verlassen das Geschäft einfach wieder.

Kameras, Sensoren und Computer erledigen den Rest. Sie registrieren ohne menschliches Zutun, was alles eingekauft wird, erstellen eine Rechnung und bezahlen am Ende den entsprechenden Betrag über die in der App hinterlegte Zahlungsoption. Anders als beim sogenannten Self Scanning-Verfahren, das man auch in Deutschland bereits in vielen Supermärkten nutzen kann, ist kein gesonderter Bezahlvorgang und ein damit verbundenes zeitraubendes Ausräumen des Einkaufswagens nötig.

Für Rewe ist das Konzept so überzeugend, dass man bereits 8,3 Millionen investierte.

Amazon machte 2016 den Anfang. Der Onlinehandel-Gigant betreibt in den Vereinigten Staaten und Großbritannien unter dem Label »Amazon Go« mittlerweile mehr als 30 solcher Geschäfte, in die die Kunden ebenfalls nur hinein- und mit ihren Einkäufen wieder hinausgehen, ohne mit einer Kasse in Berührung zu kommen, den Bezahlvorgang also quasi überspringen.

infrastruktur Doch während Amazon für seine Technologie maßgeschneiderte Läden bauen muss, kooperiert Trigo mit den Betreibern der Supermarktketten, die bereits über die entsprechende Infrastruktur verfügen. Genau das verschafft den Israelis einen Riesenvorteil, so die Einschätzung von Experten. Und dem Start-up ist es auch schon gelungen, ein Geschäft mit seiner Technik zu betreiben, dessen Verkaufsfläche mit 500 Quadratmeter die doppelten Ausmaße der bisher größten »Amazon Go«-Filiale hatte. Für Rewe ist das Konzept so überzeugend, dass man bereits 8,3 Millionen Euro in das israelische Unternehmen investierte.

Wer nun Bedenken wegen des Datenschutzes bei diesem autonomen Einkaufserlebnis hat, den will Michael Gabay beruhigen. Er spricht von einer »Privacy by Design« und betont, dass die Gesichter, die Trigo durch seine Kameras erfasst, bewusst unscharf und verschwommen bleiben, biometrische Daten nicht erfasst würden. Nur der Supermarktbetreiber kenne die Identität. Und die Schlange an der Kasse, sie wird bald Geschichte sein.

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Für den frischgebackenen Leiter des ARD-Studios Nairobi ist die »Jüdische Allgemeine« ein Propaganda-Sprachrohr der israelischen Regierung. Eine Entgegnung

von Michael Thaidigsmann  29.06.2026

Rüstungstechnologie

Israelische Raketenabwehr für Katar

Fotos beweisen, dass in katarischen Regierungsmaschinen Militärtechnologie von Elbit verbaut wurde. Dabei pflegen Israel und Katar nicht einmal diplomatische Beziehungen

 29.06.2026

Reaktionen

»Erster Schritt zum Frieden«

Während Jerusalem und Beirut das Abkommen begrüßen, weist die Hisbollah es entschieden zurück

von Sabine Brandes  29.06.2026

Jerusalem

Israel erkennt den Völkermord an den Armeniern an

Die historische Entscheidung birgt diplomatische Sprengkraft. Außenminister Sa’ar bezeichnete die Anerkennung als »moralische Pflicht«

von Sabine Brandes  29.06.2026

Reisen

(Fast) freie Startbahn für den Sommer

Mehr als 200.000 Flugtickets hätten storniert werden müssen, weil am Flughafen Ben Gurion noch immer amerikanische Militärflieger parken. Jetzt gibt es eine Einigung

von Sabine Brandes  29.06.2026

Nahost

Israel greift Ziele in Südsyrien an

Die Armee hat nach eigenen Angaben »mehrere bewaffnete Terroristen« getötet

 29.06.2026

Südlibanon

Israelische Armee zerstört massiven Hisbollah-Tunnel

Der 25 Meter tiefe und 200 Meter lange Tunnel soll nur 10 Kilometer von der israelischen Grenze entfernt gewesen sein

 29.06.2026

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  28.06.2026

Interview

»Es braucht eine umfassende Kampagne«

Der israelische Diplomat Akiva Tor beklagt, dass das angeschlagene Image seines Landes die nationale Sicherheit des jüdischen Staates gefährdet

von Sabine Brandes  27.06.2026