Nahost

Sicherheitslage weiter angespannt

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu Foto: Copyright (c) Flash 90 2023

Nach Tagen der Gewalt in Israel hofft das Sicherheitsestablishment, dass es an den weiteren Pessach-Feiertagen ruhig bleibt. Dafür soll nach Angaben israelischer Medien bis zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan der Zugang für jüdische Besucher auf dem Tempelberg verboten sein. Hier war es in den vergangenen Tagen immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen.

TEMPELBERG In den vergangenen Jahren war es meist Regierungspolitik gewesen, den Zugang für jüdische Gläubige während der letzten zehn Ramadan-Tage zu beschränken. Doch die Hardliner in der jetzigen Koalition in Jerusalem pochen darauf, dass Juden zu allen Zeiten auf den Tempelberg pilgern dürfen. Dort befindet sich die Al-Aksa-Moschee, einer der umkämpftesten Orte im Nahen Osten, und dritthöchstes Heiligtum der Muslime.

Es ist nicht abzusehen, ob Premierminister Benjamin Netanjahu sein Kabinett, darunter rechtsextreme Minister, soweit unter Kontrolle hat, dass er diese Politik durchsetzen kann.

Doch die Kombination aus drei Eskalationen – dem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen und dem Libanon sowie die gewaltsamen Ausschreitungen auf dem Tempelberg in der Jerusalemer Altstadt – drohte jeden Tag, die Lage in der gesamten Region weiter außer Kontrolle geraten zu lassen. Hunderte von Menschen hatten sich etwa in Amman versammelt und gefordert, dass die jordanische Regierung den israelischen Botschafter ausweist.

Während all dieser Vorfälle war die Zukunft des israelischen Verteidigungsministers Yoav Gallant weiter unklar, den der Premier vor knapp zwei Wochen kurzerhand gefeuert hatte. Am Montag trat Netanjahu vor die Presse und erklärte im Angesicht der Sicherheitslage, »wir haben die Differenzen hinter uns gelassen«. Gallant wurde wieder eingesetzt. Als Antwort twitterte der: »Wir machen mit voller Kraft weiter, für Israels Sicherheit.«

»Wir machen mit voller Kraft weiter - für Israels Sicherheit.«

verteidigungsminister yoav gallant

»Unser Land wird von Terroristen angegriffen«, sagte der Ministerpräsident im IDF-Hauptquartier in Tel Aviv. Verantwortlich sei aber nicht seine Koalition, sondern unter anderem die Opposition, die Protestbewegung gegen seine Justizüberholung und Armeereservisten, die den Dienst verweigerten. »Unsere Feinde interpretierten die Aufrufe zur Dienstverweigerung als Schwäche unserer nationalen Stärke« hob er hervor.

Der Vorsitzende der Nationalen Einheit, Benny Gantz, kritisierte Netanjahu dafür, dass er die Schuld für den Anstieg des Terrors auf die Opposition abgewälzt hatte, und twitterte kurz: »Jammern baut keine Führung auf.«

ALARMBEREITSCHAFT In den kommenden Tagen, während der jüdischen und muslimischen Feiertage, befinden sich die Sicherheitsbehörden weiterhin in höchster Alarmbereitschaft.

Am Dienstagmorgen nahmen Soldaten eine mutmaßliche palästinensische Terrorzelle in der Stadt Jenin fest, die einen »unmittelbaren Angriff plante«, wie das israelische Militär mitteilte. Truppen seien in das Versteck eingedrungen und hätten die fünf Verdächtigen verhaftet, dabei nach eigenen Angaben »militärische Ausrüstung« beschlagnahmt und das Feuer palästinensischer Bewaffneter erwidert, »die während der Operation auf die Truppen schossen und Sprengkörper schleuderten«, gab die IDF an.

Nahost

Sexuelles Fehlverhalten

Strafgerichts-Chefankläger Karim Khan wurde suspendiert

von Sabine Brandes  10.06.2026

Iran

Angeblicher Israel-Spion: Mullahs beschlagnahmen Vermögen von Fußballheld Karimi

Der frühere Kapitän der Nationalmannschaft lebt im Exil in den USA und gehört zu den bekanntesten Kritikern des Regimes

von Sabine Brandes  10.06.2026

Meinung

So macht man Stimmung

Die deutsche Berichterstattung über den Krieg zwischen Israel und der Terrormiliz Hisbollah ist unterkomplex und einseitig. Über die wahren Interessen der Libanesen wird dabei hinweggegangen

von Ahmad Mansour  10.06.2026

Umfrage

Vertrauen in Trumps Unterstützung für Israels Sicherheit nimmt deutlich ab

Der Grund für den Vertrauensverlust könnte in den laufenden Gesprächen zwischen Washington und Teheran liegen, von denen sich Israelis nicht viel erhoffen

 10.06.2026

Nahost

Nach Abschuss eines US-Hubschraubers: Washington greift Iran an

Die Hintergründe

 10.06.2026

Diplomatie

Frankreich verbietet Bezalel Smotrich die Einreise

Wegen der Siedlungspolitik im Westjordanland verhängt Frankreich Sanktionen gegen extremistische Siedler – und untersagt Israels Finanzminister Smotrich die Einreise

 09.06.2026

Krieg

Hisbollah-Terrorist dringt nach Israel ein

Ein bewaffneter Hisbollah-Kämpfer dringt nach Israel ein und eröffnet das Feuer. Die Armee reagiert sofort – das Gebiet bleibt weiter unter Beobachtung

 09.06.2026

USAID

US-Behörde erhebt Terrorvorwürfe gegen UNRWA-Mitarbeiter

Erneut werden Vorwürfe gegen 101 weitere Mitarbeiter des UN-Hilfswerks für die Palästinenser in Gaza erhoben. Sie sollen militante Hamas-Mitglieder sein, sagt USAID. UNRWA hatte entsprechende Vorwürfe in der Vergangenheit dementiert

von Andrea Krogmann  09.06.2026

Interview

»Selbst ernannte progressive Linke haben offenbar das völkische Denken gelernt. Das ist alles so absurd«

Der Kabarettist Dieter Nuhr über den Erhalt des Leo-Baeck-Preises, Solidarität mit Israel und Kritik an seiner Person

von Detlef David Kauschke  09.06.2026