Wahlen

Rechtsreligiöser Block liegt vorn

Benjamin Netanjahu, seine Frau Sara und die Likud-Partei in Feierlaune: nach den ersten Ergebnissen der Wahl vom Montag Foto: Flash90

Bis zum Dienstagmorgen waren rund 60 Prozent der Stimmen ausgezählt. Und es sieht aus, als würde der alte auch der neue Ministerpräsident: Benjamin Netanjahu. »Ich werde sofort eine starke nationale Regierung für Israel zusammenstellen«, sagt Netanjahu, kurz nachdem diese vorläufigen Ergebnisse bekannt wurden.

Koalition Zwar schwanken die Zahlen noch, doch laut der bisherigen Auszählung der Wählerstimmen würde es Netanjahus Block aus rechten und religiösen Parteien nicht gelingen, die Mehrheit in der 120 Sitze zählenden 23. Knesset auf sich zu vereinen. Daher müsste er zusätzliche oder andere Koalitionspartner für seine Likud-Partei gewinnen.

Trotz seines bevorstehenden Prozesses wegen Korruption in drei Fällen schaffte es Netanjahu, das Mandat der Israelis zu erhalten. Sein Herausforderer Benny Gantz von der Zentrumsunion Blau-Weiß musste indes herbe Verluste hinnehmen. Für ihn zeigten die Zahlen am Morgen ein enttäuschendes Bild mit 31 oder sogar weniger Mandaten. Bei der Wahl vor einigen Monaten hatte er noch 33 Sitze erhalten.

Nach ersten Angaben des Zentralen Wahlkomitees kam der rechtskonservative Likud auf rund 29 Prozent, Blau-Weiß erhielt etwa 23,3 Prozent.

Nach Angaben des Zentralen Wahlkomitees kam der rechtskonservative Likud entsprechend der vorläufigen Auszählungen auf rund 29 Prozent, Blau-Weiß erhielt etwa 23,3 Prozent. Die Auszählung aller Stimmen wird aufgrund eines neuen Systems länger dauern, zusätzlich kommen die Wahlzettel der Israelis hinzu, die wegen des Coronavirus unter Quarantäne gewählt haben.

Linksbündnis Gewonnen hat auch die ultraorthodoxe Partei Schas, die voraussichtlich neun Mandate auf sich vereinen kann. Die aschkenasische strengreligiöse Partei Vereintes Tora-Judentum kommt demzufolge auf acht Sitze, Avigdor Liebermans Israel Beiteinu auf sieben. Stark verloren hat das Linksbündnis aus Arbeitspartei, Gescher und Meretz. Es holte wahrscheinlich nicht mehr als sechs Mandate, ebenso viel wie die Rechtspartei Jamina.

Als starker Gewinner geht voraussichtlich auch die Vereinte Arabische Liste aus dem Rennen. Sie motivierte ihre Wähler, gegen Netanjahu und den Friedensplan von US-Präsident Donald Trump zu stimmen. Derzeit werden ihr 18 Mandate vorausgesagt, sie wäre dann die drittgrößte Gruppe in der Knesset.

Regierungsbildung Die konkreten Zahlen werden für den späten Dienstag erwartet, das amtliche Endergebnis voraussichtlich in einer Woche. Präsident Reuven Rivlin hat danach eine Woche Zeit zu entscheiden, wen er mit der Regierungsbildung beauftragt. Gewöhnlich bekommt der Vorsitzende der Fraktion mit den meisten Stimmen den Auftrag. Er hat dann sechs Wochen Zeit, um eine Koalition zu bilden.

»Die Rechtswähler stimmen in Zahlen ab, die wir so noch nicht gesehen haben«, erklärte Dudi Chasid, zuständig für die Analysen beim Fernsehkanal 11. »In Orten wie Beer Schewa, Netiwot oder den jüdischen Siedlungen war es besonders deutlich.« Seiner Analyse zufolge hat das Linksbündnis aus Arbeitspartei, Gescher und Meretz an Blau-Weiß verloren, und die wiederum an den Likud.

»Politik ist etwas Chaotisches«, resümierte am Wahlabend die einstige Vorsitzende der Arbeitspartei, Schelly Jachimowitsch. »Wir sehen an diesem Ergebnis, wie sehr die Überzeugungen der Israelis tatsächlich auseinandergehen.«

Wehrpflicht

Massenproteste: Charedim legen Verkehr in Zentralisrael lahm

Die Demonstration richteten sich gegen die Festnahme von 19 Wehrdienstverweigerern nach Ausschreitungen vor dem Haus des stellvertretenden Präsidenten des Obersten Gerichts

 12.06.2026

Studie

KI-Modelle reproduzieren antisemitische Vorurteile

Zwei israelische Forscher sagen, ihre Analyse zeige, wie »ein uraltes Vorurteil durch komplexe Muster von Eigenschaftszuschreibungen und kultureller Codierung in modernen technologischen Systemen fortbesteht«

 12.06.2026

Krieg gegen den Terror

Israel bereitet offenbar Vorstoß auf Hisbollah-Hochburg Nabatieh vor

»Die Hisbollah zieht sich zurück, hält aber an der Linie von Nabatieh fest«, sagt ein ranghoher IDF-Offizier

 12.06.2026

Iran

Krieg auf Eis gelegt

Die direkte Konfrontation zwischen Israel und dem Mullah-Regime ist gestoppt. Doch die Spannungen in der Region bleiben unverändert hoch

von Sabine Brandes  11.06.2026

Knesset

Armeedienst und Torastudium sollen gleichgestellt werden

Trotz des Widerstands der Opposition und einiger Koalitionsmitglieder geht der kontroverse Gesetzesvorschlag durch die erste Lesung

von Sabine Brandes  11.06.2026

Gesellschaft

Erste Frau in IDF-Eliteeinheit Sayeret Matkal

Seit 2024 dürfen auch Frauen in die geheimnisvolle Einheit aufgenommen werden. Nun hat erstmals eine Israelin die harte Aufnahmeprüfung bestanden

von Sabine Brandes  11.06.2026

Jerusalem

Bericht: Regierung will Hunderte Millionen für 61 Siedlungen bereitstellen

Nach Informationen des Journalisten Barak Ravid will das Kabinett noch heute über einen Plan abstimmen, der die praktische Umsetzung der Projekte im Westjordanland ermöglichen würde

 11.06.2026

Meeressäuger

Pottwale vor der Küste Ashdods gesichtet

Der Fund gelingt einem Wisschenschaftlerteam, kurz bevor es seine Forschungsfahrt wegen iranischer Angriffe abbrechen muss

 11.06.2026

Berlin

Dieter Nuhr erhält den Leo-Baeck-Preis

Der Kabarettist ist mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet worden. Zentralratspräsident Josef Schuster würdigte den Kabarettisten für seinen entschiedenen Einsatz gegen Antisemitismus

von Detlef David Kauschke  10.06.2026