World Holocaust Forum

Meldungen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender besuchen das AMCHA-Zentrum Jerusalem und sprechen dort mit Holocaust-Überlebenden. Foto: dpa

Unterstützung

Unterstützungsleistungen für Überlebende des Holocaust bleiben auch 75 Jahre nach der Befreiung eine Notwendigkeit. Mithilfe von Psychotherapien, sozialen Aktivitäten und Hausbesuchen durch die Selbsthilfeorganisation AMCHA wird den oft schwer traumatisierten Menschen ermöglicht, im Alter ein würdevolles Leben zu führen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Mittwoch das AMCHA-Zentrum in Jerusalem besucht und ist dort mit Schoa-Überlebenden zusammengekommen. Auf seiner Reise anlässlich des World Holocaust Forums wird er von Lukas Welz, dem Vorsitzenden von AMCHA Deutschland, begleitet. »Gerade im Alter werden die traumatisierenden Erinnerungen zur Belastung, wenn das soziale Netz schwächer wird, die Einsamkeit zunimmt, Partner und Freunde sterben. Die Folgen können schwere Depressionen, soziale Isolation und Angstzustände sein«, erklärt Welz. »Der Holocaust wirkt bis heute auf den Alltag vieler Überlebender und ihrer Familien nach. Ihr Schicksal sollten wir bei allem Gedenken an die Vergangenheit nicht vergessen.« Im vergangenen Jahr unterstützte AMCHA 8725 Überlebende des Holocaust mit Therapien und sozialen Aktivitäten. Die meisten haben als Kinder überlebt und sind heute zwischen 75 und 91 Jahre alt.

 

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Verkehr

Israel ist dieser Tage froh und stolz, mit dem 5. World Holocaust Forum das größte diplomatische Ereignis in der Geschichte des Landes auszurichten. Doch die Staatsgäste müssen hin- und herchauffiert werden, oft mitten durch die Stadt mit ihren vielen Einbahnstraßen, winzigen Gassen und schwer befahrbaren Kopfsteinpflastern. Die Jerusalemer und Pendler aus anderen Städten müssen währenddessen mit Chaos im Straßenverkehr und stundenlangen Wartezeiten zurechtkommen. Polizei und andere Sicherheitsbehörden sind in höchster Alarmbereitschaft ob der hohen Zahl der Präsidenten und gekrönten Häupter aus aller Welt. Viele Straßen in Jerusalem sind daher komplett gesperrt, darunter mehrere Hauptverkehrsadern wie die Boulevards Rabin, Herzl und Weizman. Die Autobahn Nummer eins, die Tel Aviv und Jerusalem verbindet, war an mehreren Tagen mehrere Stunden abgeriegelt, um die hochrangigen Besucher vom Flughafen in die Hauptstadt zu transportieren. Die Polizei rät der Bevölkerung, soweit möglich, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

 

Eindruck  

Soziale Medien spielen heute in der Diplomatie eine immer größere Rolle. Auch der Zentralrat der Juden ist aktiv auf allen Kanälen. Zentralratspräsident Josef Schuster erzählt auf Instagram von seinen Eindrücken in Israel als Mitglied der Delegation um Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: »Es ist eine beeindruckende Reise. Beeindruckend deshalb, weil es auch zu ersten Begegnungen mit Überlebenden kam. Eindrucksvoll wie immer.« Die Reise sei zudem Ausdruck des gewachsenen Verhältnisses zwischen Israel und Deutschland. »Wohl aber auch eine Wertschätzung des deutschen Staatsoberhauptes – nicht nur in seiner Funktion, sondern auch in seiner Person.«

 

Geste

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Mitglieder seiner offiziellen Delegation haben ihre Plätze für die Zeremonie in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem aufgegeben, um Platz für Schoa-Überlebende zu machen, die gern dabei sein würden, für die es jedoch ursprünglich keine Sitzplätze mehr gegeben hatte. Dank Selenskyj und seinem Team können die Damen und Herren nun live dabei sein.

 

Prinz
Auch der britische Thronfolger Prinz Charles ist in Jerusalem abgekommen. Am Donnerstag kam er mit Präsident Reuven Rivlin zusammen und hat dabei die Bedeutung des Holocaust-Gedenkens und des Kampfes gegen Antisemitismus unterstrichen. »Es mag mit Juden beginnen, doch niemand weiß, wie es enden wird.« Alle Menschen hätten die Verpflichtung, Antisemitismus zu bekämpfen. Er nannte die Erfahrung in Jerusalem sehr bedeutungsvoll und erwähnte, dass viele seiner Lehrer im Laufe seines Lebens Schoa-Überlebende gewesen seien. Rivlin dankte dem Prinzen von Wales für seinen Einsatz, Antisemitismus in all seinen Formen zu begegnen.

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Entschuldigung

Der französische Präsident Emmanuel Macron wurde am Mittwoch dabei aufgenommen, wie er israelisches Sicherheitspersonal in der Jerusalemer Altstadt konfrontierte. »Jeder kennt die Regeln … raus, bitte«, meckerte er. Angeblich hätten die Beamten versucht, auf das Gelände der St. Anne Kirche zu gelangen, worüber ein Disput zwischen französischen und israelischen Kräften ausbrach, den Macron offenbar zu beenden suchte. Der Schutz auf französischem Grund und Boden obliegt Frankreich – auch in Jerusalem. Anschließend schrieben verschiedene israelische Medien, dass Frankreich sich dafür entschuldigte. Das jedoch stimmt so nicht. Denn kurz darauf folgte das offizielle Dementi aus dem Elysée-Palast: »Es gibt keine präsidiale Entschuldigung an die israelischen Sicherheitskräfte«. Macron betonte, dass alles in Ordnung sei.

 

Verantwortung

Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), Uwe Becker, fordert ein stärkeres Engagement für jüdisches Leben und warnt vor den Gefahren des wachsenden Antisemitismus. »Der Antisemitismus des 21. Jahrhunderts weht als Hauch von Auschwitz wieder durch zu viele Straßen und Wohnstuben Europas, ohne dass seine bedrohliche Kälte die Menschen wirklich aufschreckt. Unsere Gesellschaft muss endlich aufwachen und Aufstehen für Jüdisches Leben und gegen Judenfeindlichkeit. Kränze niederzulegen reicht nicht.« Im Vorfeld des 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers von Auschwitz mahnt Becker eine neue Handlungskultur im Umgang mit Judenhass an. Der Opfer dieses dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte zu gedenken, muss und wird immer Teil unserer zivilisatorischen Verantwortung bleiben, sie ist zum Bestandteil unserer Identität geworden. Doch so zeitlos diese Verantwortung bleibt, so dauerhaft erwächst daraus die Verpflichtung, gegen jegliche Form der Judenfeindlichkeit vorzugehen und sich für jüdisches Leben heute und in der Zukunft einzusetzen. Und dazu gehört gerade auch jüdisches Leben in Israel.»

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