Die Israelis wollen ins Ausland. Nach dem Inkrafttreten der Waffenruhe explodiert die Nachfrage nach Flügen förmlich. Viele versuchen, nach Wochen des Krieges gegen den Iran das Land zu verlassen, andere wollen unbedingt den Sommerurlaub buchen, da die Pessachferien im Ausland so gut wie unmöglich waren. Auch wollen viele Menschen endlich wieder nach Israel reisen. Doch Experten erwarten keine rasche Rückkehr zum normalen Flugverkehr.
Laut Oren Cohen Maguri, Marketingleiter bei der Reiseagentur Flying Carpet, wollen sich die Israelis »auf jeden Fall die Möglichkeit sichern, das Land zu verlassen«. Die Branche verzeichne eine hohe Nachfrage nach Frühbuchungen, vor allem aufgrund der Unsicherheit der Waffenruhe. »Wer jetzt bucht und das Risiko einer Stornierung auf sich nimmt, hat einen klaren Vorteil.« Denn die Knappheit der Plätze könnte sich bis in den Sommer ziehen.
Lufthansa und Swiss kehren bis Ende Mai nicht zurück
Denn viele ausländischen Fluggesellschaften planen trotz der Einstellung der Kämpfe vorerst keine kurzfristige Wiederaufnahme der Verbindungen nach Israel. Die Lufthansa Group teilte mit, dass ihre Fluggesellschaften, Lufthansa, SWISS, Austrian Airlines und Brussels Airlines, die Aussetzung ihrer Flüge von und nach Tel Aviv bis zum 31. Mai verlängern. Eurowings und Lufthansa Cargo werden ihre Flüge bis zum 30. April aussetzen.
Einige nordamerikanische Airlines haben ihre Verbindungen sogar bis in den Herbst gestrichen. Die Billigflieger Ryanair und Easyjet haben Israel bereits seit Längerem vollständig aus ihrem Programm genommen.
Einige jedoch kehren zurück: Neun ausländische Fluggesellschaften werden voraussichtlich in dieser Woche schrittweise ihre Flüge zum und vom Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv wieder aufnehmen, teilte die israelische Flughafenbehörde am Wochenbeginn mit. Dazu gehört die israelisch-griechische Fluggesellschaft Bluebird Airways, die den Flugbetrieb mit einem eingeschränkten Flugplan und einem täglichen Flug zwischen Tel Aviv und Athen wieder aufnimmt.
Verkehrsministerin Miri Regev: »Wir bemühen uns, den Flugverkehr auszuweiten und die Luftfahrtindustrie wieder vollumfänglich in Betrieb zu nehmen.«
Die zypriotische Fluggesellschaft TUS Airways plant, Israel ab Dienstag wieder anzufliegen, und einen Tag darauf soll Etihad Airways voraussichtlich wieder die Strecke Abu Dhabi–Tel Aviv bedienen, allerdings auch hier eingeschränkt. Ethiopian Airlines und Smartwings wollen ebenfalls bereits in wenigen Tagen wieder nach Israel fliegen.
»Wir bemühen uns, den Flugverkehr auszuweiten und die Luftfahrtindustrie wieder vollumfänglich in Betrieb zu nehmen«, sagte Verkehrsministerin Miri Regev am Montag. »Die Rückkehr der ausländischen Fluggesellschaften ermöglicht es, das Flugangebot zu erhöhen. Damit hat die israelische Bevölkerung wieder die Möglichkeit, eine größere Vielfalt an Reisezielen anzufliegen.«
Die Flughafenbehörde teilte außerdem mit, dass fortgeschrittene Verhandlungen über die Rückkehr weiterer ausländischer Fluggesellschaften, darunter der emiratischen Fluggesellschaft flydubai, im Gange seien.
Wizz Air fliegt ab 25. April Israel wieder an
Der Billigflieger Wizz Air kündigte an, Israel ab 25. April wieder anzufliegen. Allerdings will auch Wizz nicht sofort wieder alle Ziele anbieten. Auch einzelne Airlines aus den Golfstaaten signalisierten Interesse, zum Ben-Gurion-Flughafen zurückzukehren.
Generell gehen Reiseexperten davon aus, dass die Rückkehr internationaler Airlines zu einem normalen Flugplan ein langsamer Prozess sein wird. Voraussetzung sei vor allem eine stabile Sicherheitslage. Erst wenn die internationalen Luftfahrtbehörden ihre Warnungen für Flüge in der Region aufheben, entscheiden die Airlines, ob sie die Israel-Routen wieder einsetzen. Zudem spielen organisatorische Faktoren eine Rolle, da Flugzeuge und Crews oft mittlerweile auf anderen Routen eingesetzt sind.
Neben dem Mangel an Flügen spielt auch der Preis für Kerosin eine Rolle, der seit Beginn des Konflikts mit dem Iran stark gestiegen ist. Selbst wenn die Waffenruhe halten sollte, dürfte vor allem der Beginn der Sommersaison weiterhin von eingeschränkten Kapazitäten geprägt sein – und entsprechend teuer werden.