Regierungsbildung

Mandat für Gantz wird nicht verlängert

Benny Gantz von Blau-Weiß wird keine Regierung bilden. Foto: Flash90

Regierungsbildung

Mandat für Gantz wird nicht verlängert

Premier Netanjahu hat es mit einer großen Koaliton offenbar nicht mehr so eilig

von Sabine Brandes  12.04.2020 18:15 Uhr

Benny Gantz wird wahrscheinlich keine Regierung in Israel bilden. Am Sonntag informierte Präsident Reuven Rivlin den Vorsitzenden der Partei Blau-Weiß, dass er sein Mandat nicht verlängern werde. Gantz hatte einige Tage zuvor erklärt, dass er mehr Zeit für eine Einheitsregierung benötige.

Obwohl Gantz beteuert hatte, »just in diesem Moment arbeiten wir an einer Einheitsregierung«, habe der Präsident diese Entscheidung getroffen, nachdem er auch mit Premier Benjamin Netanjahu vom Likud gesprochen hatte. Der habe indes gesagt, man sei von einer Vereinbarung weit entfernt. Rivlin erläuterte, dass das Mandat an die Knesset zurückgehe, wenn bis Montag um Mitternacht kein Koalitionsvertrag unterzeichnet sei.

Nachdem Netanjahu die Allianz um Gantz zerschlagen hatte, hat er es nun offenbar mit der Bildung einer Regierung nicht mehr so eilig.

Netanjahu hatte zuvor unter Druck gestanden, eine große Koalition zu bilden, als Gantz nach den Wahlen am 2. März mit 61 Parlamentariern eine Mehrheit in der Knesset auf sich vereinen konnte. Das hatte Netanjahus Macht gefährdet. Doch nachdem er die Allianz um Gantz zerschlagen hatte, indem er den einstigen Stabschef wegen der Corona-Krise zur Bildung einer Notfallregierung drängen konnte, hat er es nun offenbar nicht mehr so eilig damit.

Denn Netanjahu hat derzeit das, was er will: das Amt des Premierministers als Chef einer Regierung. Zwar nur Interim – aber doch Regierung. Selbst wenn es Neuwahlen geben sollte, würde dies vor allem wegen der Maßnahmen zur Eindämmung des Virus sicherlich nicht vor September geschehen. Derzeit unterstützen lediglich noch 20 Abgeordnete Gantz, der Rest der Opposition steht nach seinen Verhandlungen mit Netanjahu nicht mehr hinter ihm.

Mandat Stattdessen hat der Ministerpräsident ein weiteres Mandat erhalten. Orly Levy-Abekassis hätte es mit ihrer Partei Gescher bei den Wahlen im März nicht über die 3,25-Prozent-Hürde der Knesset geschafft. Also war sei ein Bündnis mit den Linksparteien Awoda und Meretz gegründet. Die verließ sie allerdings nun mit Pauken und Trompeten, indem sie Netanjahu als nächsten Premier vorschlug und sich dem rechten Block anschloss.

Die einstigen Verbündeten sind entrüstet. Der Vorsitzende von Meretz, Nitzan Horowitz, erklärte: »Sie repräsentiert nicht einen einzigen Wähler unserer Liste. Es ist widerlich, dass sie Stimmen für ihren eigenen Vorteil stiehlt. Diese politische Bestechung zwischen ihr und Netanjahu muss sofort aufgedeckt werden«.

Diplomatie

Lebendiges Netzwerk

30.000 Euro für die deutsch-israelische Zusammenarbeit: Botschafter Ron Prosor zeichnet vier wegweisende Initiativen aus

 03.06.2026

Flugverkehr

Maschine von Israir die Landung verweigert – angeblich aus politischen Gründen

Die Maschine der israelischen Airline musste nach Kroatien ausweichen. Jerusalem wirft den slowenischen Behörden politische Diskriminierung vor.

von Sabine Brandes  03.06.2026 Aktualisiert

Beirut

Hisbollah: Angriffe auf Tel Aviv bei neuen Attacken Israels

Terror-Funktionär Mahmud Komati droht dem jüdischen Staat auf dem katarischen TV-Sender Al Araby

 03.06.2026

Jerusalem

Israel verweigert US-Aktivistin Linda Sarsour die Einreise

»Israel wird seine Tore nicht länger für diejenigen öffnen, die daran arbeiten, es zu zerstören«, schreibt Diaspora-Minister Amichai Chikli

 03.06.2026

Tel Aviv/Gaza

Israel tötet Hamas-Terroristen, der am 7. Oktober Geiseln verschleppte

Youssef Ayesh Awad Ramadan soll Hersh Goldberg-Polin, Alon Ohel, Eliya Cohen und Or Levy aus einem Schutzbunker nahe Re’im verschleppt haben

 03.06.2026

Judenhass

Bayerisches Hotel verschickt antisemitische Nachricht an Israeli

»Tut uns leid, in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt«: Diese Nachricht erhielten israelische Touristen vom Hotel »Zum Hirschen« in der Ortschaft Lam

von Imanuel Marcus  03.06.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Roman Gofman neuer Leiter von Israels Geheimdienst Mossad

Ein Mann aus dem Militär und Berater Netanjahus wird nun Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes. Dem umstrittenen Wechsel an der Spitze des Mossad war ein Rechtsstreit vorausgegangen

 02.06.2026

Erwiderung

An allem sind ... oder, Herr Ahmetović?

Der SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetović macht keinen Hehl daraus, wen er zum Hauptverantwortlichen für nahezu sämtliche Probleme, Konflikte und Krisen in Nahost erklärt

von Sacha Stawski  02.06.2026

Film

Die Entwirrung der UNRWA

Eine neue Dokumentation beleuchtet Geschichte, Auftrag und politische Rolle des Palästinenserhilfswerks

von Maria Ossowski  02.06.2026