Kurzmeldungen

Mail aus Jerusalem

Baseball: ohne Zukunft in Israel? Foto: Flash 90

Liga
Israelis lieben Amerika und ahmen gern amerikanische Sitten nach. Dennoch sind Versuche, eine israelische Baseball-Liga einzurichten, bisher gescheitert. Ein 2007 gestarteter Anlauf führte nur sechs Mannschaften zusammen und musste nach einer Saison aufgegeben werden. Jetzt will eine Gruppe amerikanischer Geschäftsleute – unter ihnen einer der Eigentümer des legendären Baseballclubs New York Yankees – beweisen, dass sich Israel doch noch für den Schlagballsport made in USA gewinnen lässt. Um das zu bewerkstelligen, wollen die Initiatoren nicht kleckern, sondern klotzen und planen, wie es heißt, den Bau eines großen Baseballstadions in Jerusalem. Der Erfolg des Vorhabens wird letztendlich davon abhängen, ob nicht nur amerikanische Immigranten, sondern auch eine größere Zahl gebürtiger Israelis als Zuschauer gewonnen werden kann.

lernen
An Israels säkularen Schulen gehört der Tanach-Unterricht zu den unbeliebtesten Fächern. Ein Großteil der Abiturienten schafft die Reifeprüfung zum Buch der Bücher nur knapp und hat selbst bei so grundlegendem Wissen wie den Zehn Geboten oder dem Schöpfungsbericht erhebliche Probleme. Deshalb will das Erziehungsministerium eine umfassende Reform des Bibelunterrichts in die Wege leiten. Sowohl in der Grundschule als auch auf dem Gymnasium sollen die Schüler mehr und systematischer lernen. Zu diesem Zweck werden größere Teile des Tanach vom Wahlfachstatus in den Pflichtunterricht überführt. Ferner soll das Wissen künftig durch die Lektüre des Originaltextes und nicht nur mithilfe vereinfachter Broschüren vermittelt werden. Ohne ausreichendes Bibelwissen, mahnte das Ressort, fehlen den Kindern jüdische Wurzeln.

Last
Religiöse Soldaten sind offenbar stärker als ihre säkularen Kameraden motiviert, Führungspositionen zu übernehmen. Nach einer jüngsten Analyse war im Jahre 2007 fast ein Drittel aller Absolventen des Infanterieoffizierslehrgangs der Streitkräfte religiös, während der entsprechende Anteil 1990 lediglich 2,5 Prozent betrug. Hierbei handelt es sich fast ausschließlich um Nationalreligiöse, die nur zwölf Prozent der jüdischen Bevölkerung ausmachen, sind doch ultraorthodoxe Soldaten eine seltene Ausnahme. Auch die Siedler tragen eine überproportionale Last. Eine weitere Untersuchung ergab, dass jeder siebte Kompaniechef bei der kämpfenden Truppe in der Westbank lebt, obwohl der Anteil der Siedlungen an der jüdischen Gesamtbevölkerung bei fünf Prozent liegt.

Liberalisierung
Die Zahl gleichgeschlechtlicher Paare, die offiziell ein Kind adoptierten, ist in Israel im letzten Jahr auf 70 gestiegen – mehr als das Doppelte des Vorjahres. Das geht aus Angaben des Sozialministeriums hervor. Bis vor Kurzem war die gleichgeschlechtliche Adoption rechtlich nicht möglich, selbst dann nicht, wenn das Kind von einer der beiden Partnerinnen zur Welt gebracht wurde. Als Nächstes plant Sozialminister Jitzchak Herzog eine Regelung, die auch männlichen Paaren die Adoption von mithilfe einer Leihmutter geborenen Kindern erlaubt.

Lieferung
Hat die Invasion begonnen? Vor einer Woche kam die erste Lieferung chinesischer Pkw in Israel an. Dabei handelt es sich um 160 Fahrzeuge der Marke MG 550. Die zumindest nach israelischen Maßstäben recht große Familienkutsche ist zwar nicht entscheidend billiger als vergleichbare Westmodelle, versucht aber, durch umfangreiches Zubehör zu bestechen. Die kleine Partie könnte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft werden, stehen doch auch andere chinesische Hersteller – auch bei Elektro-Pkw – Gewehr bei Fuß, um ihre Ware in Israel auszurollen. Wenn die Marketingstrategie aufgeht, kann China im kleinen Israel schon bald zu einer Kfz-Großmacht aufsteigen. Schließlich ist die Volksrepublik für den Judenstaat jetzt schon der nach den USA zweitgrößte Lieferant von Industrieprodukten.

Lebensgefahr
Die in der arabischen Welt verbreitete Unsitte, bei Hochzeiten Freudensalven mit scharfer Munition abzufeuern, ist auch in Israel üblich und fordert in arabischen Wohnorten schon mal Verletzte, im Extremfall sogar Tote. Jetzt haben auch die jüdischen Gäste einer Barmizwa-Feier im nordisraelischen Kfar Tavor einen Einblick in die Risiken des alten Brauchs bekommen. Kurz nach dem Dinner schlugen zwei Gewehrkugeln im Hinterhof des Festsaals ein. Allem Anschein nach waren die Geschosse im benachbarten arabischen Dorf Schibli abgefeuert worden, in dem zur gleichen Zeit eine von unaufhörlichen Schüssen begleitete Hochzeit stattfand. Zwar kamen die Barmizwa-Gäste mit dem Schrecken davon, doch die ausgelassene Stimmung war nach dem Vorfall dahin.

Löwen
Falscher Alarm an der Grenze ist ein ebenso nervender wie häufiger Bestandteil des Soldatenlebens. Jedes in freier Wildbahn lebende Tier, das den elektronischen Sicherheitszaun berührt – etwa ein nach Nahrung suchendes Wildschwein –, löst eine vergebliche Suche nach möglicherweise eingedrungenen Terroristen aus. Jetzt haben sich findige Reservisten auf ökologisch gerechte Kriegführung verlegt: Sie baten den Wildpark Safari in Ramat-Gan um Löwenkot, den sie anschließend an strategischen Stellen ihres Grenzabschnittes platzierten. Der Geruch der Raubkatzen hält streunende Tiere fern. Der Nachteil: Das »Kampfmittel« verliert nach einigen Tagen seinen Geruch und muss erneuert werden. Auch hat Israel bei Weitem nicht genug Löwen, um seine Grenzen umfassend zu bestreuen.

Avi Gil (in Uniform), links von Benjamin Netanjahu

Explosives Interview

»Die Geiseln hätten früher zurückkehren können«

Der ehemalige Militärsekretär des Premiers, Avi Gil, erhebt schwere Vorwürfe: Warnungen vor dem 7. Oktober seien ignoriert, Abkommen aus politischen Gründen verhindert und Protokolle manipuliert worden. Netanjahu weist die Anschuldigungen zurück

von Sabine Brandes  11.10.2026

Nahost

IDF: Terrorinfrastruktur in Gaza zerstört

Israelische Armee und Sicherheitsbehörden haben nach eigenen Angaben im Gazastreifen Waffenlager, eine Raketenabschussrampe und eine Kommandozentrale zerstört. Verteidigungsminister Katz droht dem neuen Hamas-Chef

 11.10.2026

Passagiere am Flydubai-Schalter am Ben-Gurion-Flughafen Tel Aviv, 30. September

Vereitelter Terroranschlag

Flydubai-Passagiere wollen auf Hunderte Millionen klagen

Nach dem versuchten Anschlag an Bord des Fluges nach Tel Aviv bereiten Israelis Klagen gegen die Airline und möglicherweise mehrere Staaten vor

von Sabine Brandes  11.10.2026

Gesellschaft

Hamas-Massaker überschattet Israels Wahlkampf

Die meisten Israelis sehen den 7. Oktober als wichtigen Faktor für ihre Wahlentscheidung. Umfragen zeigen, dass weder Netanjahus Lager noch die Opposition die Mehrheit erhält

von Sabine Brandes  11.10.2026

Frachtschiffe vor Anker in der Straße von Hormus bei Bandar Abbas (Iran)

Nahost

Bericht: Iran kann noch immer Raketen und Drohnen produzieren

Teheran soll demnach weiterhin gut ausgestattet mit Raketen sein und schnell nachproduzieren können. Die USA sollen zudem Israel gedrängt haben, Iran erneut anzugreifen – alleine

 11.10.2026

Nahost

Der Lieberman-Plan

Soll das Westjordanland neu verwaltet werden?

von Sabine Brandes  10.10.2026

Kino

Ich habe »Naza« gesehen, und es ist ein übles Stück Propaganda

Es ist erschreckend zu sehen, wie große Teile der Filmwelt sich gerade selbst zu nützlichen Idioten der Hamas degradieren, indem sie ihr von Lügen und Blut getränktes Narrativ übernehmen

von Philipp Peyman Engel  10.10.2026

Essay

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Die Grenzen universitärer Selbstgewissheit

Antisemitismus ist an Universitäten längst kein Ausnahmeproblem mehr. Drei Jahre nach dem 7. Oktober stellt sich deshalb eine unangenehmere Frage: Was haben Universitäten über sich selbst gelernt?

von Frederek Musall  09.10.2026

Luftfahrt

Wer kontrolliert die Flüge nach Israel?

Nach dem vereitelten Anschlag auf einen Flydubai-Flug gerät das israelische Sicherheitssystem für ausländische Airlines unter Druck

von Sabine Brandes  08.10.2026