Chanukka

Licht in Vitrinen

Das Licht ist stimmungsvoll und warm. Lange Schatten bilden sich in den Vitrinen. Obwohl hier keine echten Kerzen brennen, verströmt die Ausstellung der Chanukkiot aus aller Welt im Jerusalemer Israel‐Museum die feierliche Atmosphäre des Lichterfestes. Chanukka ist da.

Die Leuchter zeigen sich den Besuchern auf Hochglanz poliert. Doch es ist nicht nur ihre Schönheit, die es zu bewundern gibt. Mit ihren unterschiedlichen Gestaltungen spiegeln sie die Geschichten der jüdischen Gemeinden wider, aus denen sie stammen: Jemen mit seinen aus Stein gemeißelten Lampen, Deutschland, aus solidem Silber gegossen, oder Italien mit den Kandelabern, die an römische Wasserfontänen denken lassen.

Chanukka erinnert an den Sieg der jüdischen Kämpfer über die Griechen im zweiten Jahrhundert v.d.Z. Als die Hasmonäer im Tempel in Jerusalem Einzug hielten, hatten sie vor, den siebenarmigen Leuchter zu entzünden. Sie fanden nur ein kleines Kännchen mit Öl, das nicht länger als einen Tag hätte reichen dürfen. Doch der Leuchter brannte acht volle Tage lang: das Wunder von Chanukka. Entsprechend der talmudischen Legende entzünden Juden in aller Welt bis heute acht Tage lang Lichter in den Chanukkaleuchtern.

MITTELALTER »Wir wissen nicht, ab wann genau die Juden ein einzelnes Objekt hatten, um dieses Ritual zu zelebrieren«, erklärt Rachel Zarfati, die leitende Kuratorin der Ausstellung. Doch dass das Lichterfest schon in antiker Zeit gefeiert wurde, darüber gibt es kaum Zweifel. In der talmudischen Epoche habe es hauptsächlich separate Kännchen aus Ton gegeben, erläutert sie und zeigt ein originales aus dem ersten Jahrhundert. Um die Geschichte lebendig zu machen, basteln heute israelische Kinder in Kindergärten und Schulen jedes Jahr an Chanukka diese kleinen schlichten Lämpchen. Ähnliche Lampen gab es noch lange im Jemen, wo später simple Chanukkiot auftauchten, die ganz aus Stein gemeißelt sind.

Eine Lampe aus dem 13. Jahrhundert bildet Hufeisen und verzierte Bögen ab.

Verzierter wurde es in Europa im Mittelalter. Während der Blütezeit des Islam zeigte sich der Einfluss der maurischen Architektur in den spanischen Königreichen auch hier. Eine Lampe aus dem 13. Jahrhundert bildet Hufeisen und verzierte Bögen ab, wie sie für die arabischen Gebäude typisch waren. Im 15. Jahrhundert, dem gotischen Zeitalter, sind viele der europäischen Chanukkiot mit der Rosette versehen, charakteristisch für gotische Kathedralen.

Zarfati weiß: »Die Menschen lebten in diesen Gegenden, schauten sich in ihren Städten und Dörfern um, und genau diese Einflüsse sehen wir in der Gestaltung der Leuchter.« Am Ende des 15. Jahrhunderts, nach der Vertreibung der Juden aus Spanien, hätten die Menschen ihre künstlerischen Fähigkeiten in die Länder mitgenommen, in die sie zogen, und paarten sie mit den Einflüssen der Umgebung. »Dafür sprechen diese massiven Lampen aus Marokko mit den reich verzierten Rücken, oft Arabesken.« In den hohen Rückseiten sollte sich das Leuchten der Kerzen reflektieren und für noch mehr Licht in dunkler Zeit sorgen.

»Das Alter der Lampen ist an den Größen, Mustern und Verzierungen zu erkennen«, so Zarfati. »Darüber hinaus kann man sogar den wirtschaftlichen Status der Gemeinde, den Zustand des Zusammenlebens mit Nichtjuden und die Loyalität zur Regierung ablesen.«

Italienische Chanukkiot aus der Renaissance zeigen oft Putten und andere mystische Wesen, die in der italienischen Kunst allgegenwärtig waren. »Sie tummelten sich auf den berühmten italienischen Springbrunnen – und auch auf den Chanukkiot.« Ein Leuchter aus Polen aus dem 19. Jahrhundert zeigt eine hölzerne Synagoge, wie sie für die Gegend und Zeit typisch war. An der Seite der Chanukkia befinden sich zwei Halter für Schabbatkerzen. »Eine praktische Idee für die meist sehr ärmlichen Gemeinden in polnischen Dörfern. So brauchte es nur eine Lampe.«

VIELFALT Das Israel‐Museum beherbergt eine umfangreiche Kollektion von Chanukkaleuchtern aus der ganzen Welt – mehr als 1000 Stück, berichtet Zarfati voller Stolz. Die meisten sind Spenden. »Dabei ist es nicht einmal die Zahl, die die Sammlung so wertvoll macht, sondern die unglaubliche Vielfalt.« Zarfati ist sicher, dass das Museum Chanukkiot aus allen Ländern, in denen es jüdische Gemeinden gibt oder gab, sein Eigen nennt.

In der Gestaltung der Leuchter spiegelt sich auch das Verhältnis zur nichtjüdischen Umgebung.

Rund 150 sind derzeit ausgestellt, darunter auch eine der wertvollsten. Es ist ein großer glänzender Leuchter aus dem 19. Jahrhundert in Deutschland, aus purem Silber gegossen und vollendet gestaltet. »Die jüdische Gemeinde hatte ihn bei einem der berühmtesten Goldschmiede, einem Christen, in Auftrag gegeben«, weiß die Expertin. »Diese Tatsache erzählt uns viel über die deutschen Gemeinden dieser Zeit, sowohl über die wirtschaftliche Situation als auch über die Emanzipation in ihrer damaligen Umgebung.« Ganz besonders hatten sich offenbar die Juden im österreichisch‐ungarischen Kaiserreich angepasst. Sie porträtierten auf ihrer Chanukkaleuchte Kaiser Franz Joseph und den lothringischen Adler. Eine nationale Hommage zum Lichterfest.

»Je wohler sich die Juden in einem Land fühlten, desto größer wurden die Leuchter, und umso mehr wurden sie auch – dem Gebot entsprechend – offen gezeigt. Entweder im Fenster oder sogar vor der Haustür«, sagt Zarfati. »Und so unterschiedlich sie auch sein mögen, eines haben sie alle gemeinsam: das wunderschöne Leuchten, wenn an Chanukka die Kerzen auf ihnen brennen – egal wo auf der Welt.«

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