Pandemie

Jeder Dritte hat sich infiziert

Drive-Through-Teststationen gibt es überall im Land. Foto: Flash 90

Trotz Rekordzahlen von schwerkranken Corona-Patienten in den Hospitälern nimmt Jerusalem weitere Beschränkungen für das öffentliche Leben zurück. Am Wochenbeginn trat die Einschränkung des grünen Gesundheitspasses in Kraft.

Die Vorlage des Impfzertifikats für die meisten Unterhaltungsorte, einschließlich Hotels, Restaurants, Fitnessstudios und Kinos, fällt damit weg. Die Infektionsrate würde weiter sinken, gibt derweil das Gesundheitsministerium an.

INFEKTIONSRISIKO Der aktuelle grüne Pass ist für jene gültig, die in den vergangenen vier Monaten entweder genesen sind oder zwei Dosen des Impfstoffs erhalten haben, und zudem für jene, die zu einem beliebigen Zeitpunkt drei oder vier Spritzen bekommen haben. Beim Betreten von Innenräumen mit erhöhtem Infektionsrisiko wie Nachtklubs oder bei Hochzeiten muss das Zertifikat jedoch weiterhin vorgelegt werden.

Entschieden wurde auch, dass Beschränkungen bei Menschenmengen aufgehoben werden, wenn dort der grüne Pass vorgezeigt werden muss. Die sogenannten »Purple Pass«-Anforderungen, die Geschäfte dazu verpflichteten, die Kapazität zu begrenzen, oder Restaurants, ihre Tische 1,5 Meter entfernt voneinander aufzustellen, fällt komplett weg.

»Es ist Teil des Trends, mit dem Virus zu leben.«

Nachman Ash, Generaldirektor des gesundheitsministeriums

Nachman Ash, Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, begründete die Entscheidung: »Da Omikron auch die Geimpften infiziert, hat der grüne Pass an den meisten Orten an Wirksamkeit verloren. Wir haben uns entschieden, seine Verwendung auf Orte mit hohem Risiko zu beschränken. Es ist Teil des Trends, mit dem Virus zu leben.«

Israel habe die Beschränkung auch deshalb zurückgenommen, da die Fallzahlen schnell zurückgingen. Gleichsam verzeichnet der kleine Nahoststaat die höchsten Zahlen an schwerkranken Corona-Patienten seit Beginn der Pandemie. Für den Verlauf einer Welle sei dies jedoch logisch, erläutern Gesundheitsexperten. Der Rückgang der Patientenzahlen hinke immer einige Wochen hinterher. Die schweren Fälle hatten am Sonntag nach aktuellen Daten des Gesundheitsministeriums 1263 erreicht. Bis Montag war diese Zahl auf 1235 gesunken.

UNGEIMPFTE Das Ministerium gab an, dass schwere Fälle bei Ungeimpften viel häufiger seien. Bei ungeimpften Patienten ab 60 Jahren gab es 415,6 schwere Verläufe pro 100.000 Menschen, verglichen mit 35,9 bei Geimpften. Bislang sind in Israel 9180 Menschen an den Folgen einer Erkrankung mit dem Coronavirus gestorben.

Währenddessen ging der R-Wert weiter zurück, er liegt mittlerweile bei 0,86. Der R-Wert zeigt, wie viele Menschen ein Infizierter ansteckt, basiert auf Daten der vergangenen zehn Tage. Jeder Wert unter 1 bedeutet, dass die Pandemie zurückgeht.

Israel ist weltweit führend bei neuen täglichen Infektionen pro Kopf.

Im Laufe der Pandemie hätte sich nahezu jeder dritte Israeli infiziert, das sind rund drei Millionen Menschen. Mehr als die Hälfte der Infektionen sind in den vergangenen zwei Monaten aufgetreten – während sich das infektiöse Omikron weiterhin im ganzen Land ausbreitet. Israel ist damit weltweit führend bei den täglich neu verzeichneten Corona-Fällen pro Kopf. 0,6 Prozent der Bevölkerung wurden in der vergangenen Woche täglich positiv getestet.

DURCHSCHNITT Die Zahlen, die den siebentägigen laufenden Durchschnitt eines jeden Landes vergleichen, bringen Israel an die Spitze, erklärte Professor Eran Segal vom Weizmann-Institut, der Mitglied des Pandemie-Beratungsteams der Regierung ist.

Der Gesundheitsexperte Salman Zarka sagte im öffentlich-rechtlichen Radiosender Kan, dass die Übertragungsrate zwar definitiv zurückgehe, »das Ende der Viruswelle haben wir aber noch nicht erreicht«.

Gazastreifen

Hamas gräbt »unter der Nase der IDF« nach letzter Geisel

Die Öffnung des Grenzübergangs Rafah ist an die Rückführung der Leiche von Ran Gvili geknüpft

von Sabine Brandes  07.01.2026

Wirtschaft

Israel-Tourismus erholt sich langsam

Zwar ist die Branche noch weit vom Rekordjahr 2019 entfernt, doch in 2025 tourten 1,3 Millionen Besucher durchs Land

von Sabine Brandes  07.01.2026

Diplomatie

Gideon Sa’ar besucht Somaliland

Vor Ort bezeichnete der israelische Außenminister die Entscheidung seines Landes, Somaliland anzuerkennen, als »moralisch richtig«

 07.01.2026

Dialog

Israel und Syrien vereinbaren Kommunikationskanal unter US-Vermittlung

Mit US-Unterstützung nehmen Israel und Syrien ihren Dialog wieder auf. Ein neuer Kommunikationsmechanismus soll künftig Streit zwischen den beiden verfeindeten Ländern verhindern

 07.01.2026

Jerusalem

Massenprotest gegen Wehrpflicht - Bus überrollt Menschen

Bei einem Protest Ultraorthodoxer gegen den Militärdienst in Jerusalem wurden mehrere Menschen von einem Bus erfasst. Die Polizei spricht von »gewalttätigen Unruhen«

 07.01.2026

Be'eri

Nach dem 7. Oktober

Daniel Neumann hat den Kibbuz Be’eri besucht und fragt sich, wie es nach all dem Hass und Horror weitergehen kann. Er weiß, wenn überhaupt, dann nur in Israel

von Daniel Neumann  06.01.2026

Wissenschaft

Israels Forscher erzielen Erfolg in Alzheimerforschung

Ausgerechnet ein zelluläres »Entsorgungssystem«, das eigentlich schädliche Proteine beseitigen soll, könnte zur Weiterverbreitung der Krankheit beitragen

 06.01.2026

Sexualisierte Gewalt

Romi Gonen: »Der Hamas-Chef schlug mir einen Deal vor«

Die ehemalige Geisel der Terrororganisation berichtet in Teil zwei ihres Interviews, was nach den Übergriffen geschah

von Sabine Brandes  06.01.2026

Jerusalem

Netanjahu attackiert Opposition in hitzigem Knesset-Duell

Die Aufklärung des 7. Oktobers, die Wehrpflicht für Ultraorthodoxe und »Katargate« wurden auf Druck der Opposition im israelischen Parlament diskutiert

 06.01.2026