Krise

Israelische Ärzte in die Emirate?

»Wir heilen den Riss in der Gesellschaft«, steht auf dem Schild der Ärztevereinigung Israels Foto: Flash90

Erst waren es nur einige Dutzend. Doch mittlerweile haben sich mehr als 3000 israelische Medizinerinnen und Mediziner einer WhatsApp-Chatgruppe angeschlossen, die wegen der umstrittenen Justizumwandlung Auswanderung und Jobmöglichkeiten in anderen Ländern bespricht. Ein Land, das besonderes an den Ärzten aus Israel interessiert sein soll: die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

ANGEBOTE Das berichtete die Nachrichtensendung des Fernsehkanals Zwölf am Montag. Angeblich seien auch schon »ausgesprochen lukrative Angebote bei mehreren Medizinern eingetrudelt«, heißt es. Israelische Mediziner gelten als äußerst gut ausgebildet und werden in der ganzen Welt gesucht, vor allem in Ländern, die über einen Ärztemangel klagen, wie beispielsweise den Golfnationen.  

Die Angebote seien von offiziellen Stellen in den VAE und Bahrain gekommen, so der Bericht weiter. Sie umfassten angeblich ein Gehalt, das dreimal so hoch ist wie der Standard in Israel, Bildungschancen für die Kinder der Ärzte sowie ein sogenanntes »goldenes Visum«, das einen langfristigen Aufenthalt ermöglicht - und seien von Israelis »sehr interessiert« aufgenommen worden. Es gibt auch Gruppen von Ärzten, die darüber diskutieren, wie man in Länder Europas, die USA, Neuseeland oder Kanada umsiedeln kann.

Die israelischen Gesundheitsbehörden schlagen wegen der drohenden Abwanderung der Mediziner Alarm.

Mitarbeiter des öffentlichen Gesundheitswesens sorgen sich bereits seit einer Weile, dass die Pläne der Regierung negative Auswirkungen auf ihre Berufsgruppe haben könnten. Einige von ihnen nehmen regelmäßig an den Protestkundgebungen teil. Auf den T-Shirts steht geschrieben: »Mediziner für die Demokratie«.

Die israelischen Gesundheitsbehörden schlagen derweil wegen der drohenden Abwanderung der Mediziner Alarm. In der vergangenen Woche hielt der Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, Mosche Bar Siman-Tov, eine Notfallsitzung ab und forderte die Ärzte auf, das öffentliche Gesundheitssystem Israels nicht aufzugeben.

FUNDAMENT Er verstehe die schwierigen Gefühle von vielen und die instinktiven Reaktionen auf das Problem, erklärte er. »Allerdings weiß auch jeder, dass wir kein anderes Land und kein anderes Gesundheitssystem haben. Ich glaube wirklich, dass niemand von uns das Privileg hat, aufzugeben, weder gegenüber dem Land noch gegenüber dem System. Wir sind das Fundament der gesellschaftlichen Solidarität in Israel.«

Als Reaktion auf die Verabschiedung eines Gesetzes, das den Gerichten die Möglichkeit entzog, Kabinetts- und Ministerentscheidungen aufgrund ihrer »Vernünftigkeit« aufzuheben, führte die Israel Medical Association letzte Woche einen eintägigen Streik durch und ließ öffentliche Gesundheitseinrichtungen mit einer Notbesetzung an Personal zurück. Ein Arbeitsgericht ordnete später am Tag an, dass die Gesundheitsbranche ihre Arbeit wieder aufnehmen müsse.

»Noch habe ich keine Entscheidung getroffen, doch ich schaue mich in jedem Fall um.«

israelischer arzt N.

Auch die internationale Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warnt Israel vor einem Mangel an Ärzten. Dieser könnte bereits in zwei Jahren akut sein.

ALIJA Einer, der »nicht mehr weiß, wie lange ich hier noch leben kann«, ist der Arzt N. Vor einigen Jahren war er im Rahmen eines Projektes zur Verbesserung der Krankenhausmedizin in Israel aus den USA gekommen und machte Alija als junger Mediziner. »Ich habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen«, erzählt er unter dem Schutz der Anonymität, weil er sich um seine derzeitige Anstellung sorgt.

»Doch ich schaue mich in jedem Fall im Ausland um. Wenn es hierzulande mit der Politik weiter in diese Richtung geht, und ich das richtige Angebot bekomme, könnte es sein, dass ich nicht mehr zögere – so schwer mir das auch fallen mag«.

Syrien

Israels Armee: Angriffe in Syrien zum Schutz dortiger Drusen

Nach neuer Gewalt im Süden greift Israels Armee Stellungen der syrischen Regierung an. Das israelische Militär will eigenen Angaben zufolge die drusische Minderheit verteidigen

 20.03.2026

Meinung

Siedlergewalt: Eine Schande für Israel

Generalstabschef Zamir und Rabbi Lichtenstein haben recht: Die Exzesse gegen Palästinenser im Westjordanland müssen gestoppt werden, bevor es zu spät ist

von Ayala Goldmann  20.03.2026

Sport

Wegen Fanverhaltens: FIFA bestraft Israel

Der Fußball-Weltverband FIFA hat Israels Verband mit einer Geldstrafe belegt. Zudem muss bei den nächsten Spielen der Nationalmannschaft im Stadion ein Transparent gezeigt werden

 20.03.2026

Jerusalem

Netanjahu: »Wir schützen die ganze Welt«

Am 20. Tag des Krieges gegen den Iran äußerte sich Israels Ministerpräsident auf einer Pressekonferenz ungewöhnlich ausführlich

von Imanuel Marcus  20.03.2026

Gefahr

Israel: Iran kann kein Uran mehr anreichern

Seit 20 Tagen attackieren Israel und die USA den Iran mit schweren Luftangriffen. Dem israelischen Ministerpräsidenten zufolge hat die gemeinsame militärische Operation bereits Ergebnisse gebracht

 19.03.2026

Alltag im Krieg

Mitgehört im Bunker ...

Schlaflos in Tel Aviv: Iranische Raketen halten in den Nächten die Israelis wach

von Sabine Brandes  19.03.2026 Aktualisiert

Krieg

Araghtschi droht mit Vergeltung für Angriffe auf Infrastruktur

Irans Außenminister droht mit massiver Vergeltung, sollte Israel erneut Öl- und Gasanlagen angreifen. Araghtschi stellt auch eine weitere Bedingung für ein Kriegsende

 19.03.2026

Westjordanland

Generalstabschef Zamir: »Bevor es zu spät ist«

Zwischen Warnung und Kontrollverlust: Israels Sicherheitselite schlägt Alarm wegen ausufernder Siedlergewalt

von Sabine Brandes  19.03.2026

Philosophie

Habermas, Israel und die Juden

Eine kritische Würdigung

von Frederek Musall  19.03.2026