Gaza

Israel korrigiert Darstellung des Angriffs auf Sanitätsfahrzeuge

Beisetzung von getöteten Mitarbeitern des Palästinensischen Roten Halbmonds am 31. März Foto: IMAGO/APAimages

Der israelische Angriff auf einen Hilfskonvoi bei Rafah im Gazastreifen am frühen Morgen des 23. März, bei dem 15 Personen getötet wurden, sorgt für Diskussionen.

Nachdem die »New York Times« am Freitag Unstimmigkeiten in der ursprünglichen israelischen Darstellung der Vorkommnisse aufgedeckt und ein Handy-Video von dem Vorfall veröffentlicht hatte, räumte das israelische Militär am Samstag »Fehleinschätzungen« ein. Zunächst hatte die IDF erklärt, der Konvoi habe sich im Dunkeln fortbewegt, »ohne Scheinwerfer und Notsignale«, und so verdächtig gewirkt, dass man das Feuer eröffnet habe.

Auf dem Video, das laut »New York Times« von einem Sanitäter gefilmt wurde und der Zeitung von einem hochrangigen UN-Mitarbeiter zugespielt wurde, ist jedoch ein Krankenwagen und ein Feuerwehrauto zu erkennen, die Blaulicht eingeschaltet haben. Außerdem ist auf dem Film eine Person zu erkennen, die eine orangene Sanitäteruniform trägt. Offenbar war es im Augenblick des Beschusses durch die IDF auch schon nicht mehr völlig dunkel. Das israelische Militär gab nun an, dass die ursprüngliche Schilderung der beteiligten Soldaten der Golani-Brigade nicht richtig gewesen sei.

Auch die Identität der Getöteten ist weiterhin unklar. Israel hatte ursprünglich behauptet, neun von ihnen seien Kämpfer der Hamas oder des Islamischen Dschihad gewesen, allerdings nur eine Person namentlich identifiziert. Medienberichten zufolge korrigierte die IDF nun die Zahl der möglicherweise involvierten Terroristen auf sechs, ohne aber Namen zu nennen. Entschieden wies das Militär Berichte von einer »Hinrichtung« eines der Sanitäter zurück.

Nur wenige Stunden vor dem Vorfall hätten Soldaten zwei Hamas-Mitglieder getötet und einen dritten festgenommen. Als sich der Konvoi der Stelle näherte und die Sanitäter ausstiegen, seien die israelischen Streitkräfte davon ausgegangen, dass es sich ebenfalls um Hamas-Terroristen handele, und diese auf sie zukommen würden. Sie hätten deshalb das Feuer eröffnet.

Getötete zunächst von IDF-Soldaten begraben

Anschließend seien, so die Darstellung des israelischen Militärs, die Leichen der Getöteten vergraben worden, um sie vor wilden Tieren zu schützen. Die Vereinten Nationen seien über den Ort des Massengrabs umgehend informiert worden, so die IDF. Die beschossenen Fahrzeuge habe man später mit schwerem Gerät von der Straße entfernt und zerstört.

Laut der Hilfsorganisation Palästinensischer Roter Halbmond waren die Krankenwagen unterwegs, um Verwundete zu versorgen. Die Organisation sprach von einer gezielten Tötung von Sanitätern und einem »Kriegsverbrechen« und forderte eine Untersuchung. Man habe »forensische Beweise« dafür, dass die Rettungskräfte gezielt »aus nächster Nähe ins Visier genommen« worden seien.

Auch das Auswärtige Amt in Berlin forderte von Israel Aufklärung. Das Video des Vorfalls sei »wirklich furchtbar«, erklärte eine Sprecherin des Außenministeriums am Montag. Die Vorwürfe müssten nun untersucht und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Die israelische Armee betonte, dass die Untersuchung des Vorfalls noch nicht abgeschlossen sei. Nach der Veröffentlichung des Videos erklärte das Militär, Generalmajor Yaniv Asor werden den Vorfall erneut untersuchen. Die vollständigen Ergebnisse würden umgehend dem Stabschef der israelischen Streitkräfte, Eyal Zamir, vorgelegt. mth

Diplomatie

Papst ernennt neuen Botschafter für Israel

Erst seit 1994 haben der Vatikan und Israel volle diplomatische Beziehungen. Der Botschafter des Papstes dort ist zugleich auch Delegat für Palästina. Nun hat der Papst einen Wechsel vorgenommen

 22.01.2026

Nahost

Israelis verwirrt wegen Trumps Iran-Reden

Das Verteidigungsministerium in Jerusalem erhöht die Alarmbereitschaft der Armee

von Sabine Brandes  22.01.2026

Gazastreifen

Hamas will angeblich die Waffen niederlegen

Berichten zufolge hat die Terrororganisation mit den USA eine Vereinbarung getroffen, dass sie eine »politische Partei« werden kann

von Sabine Brandes  22.01.2026

Gaza

Konkurrenz für die UNO?

Der »Friedensrat« nimmt langsam Gestalt an. Russlands Präsident Wladimir Putin und Israels Premier Benjamin Netanjahu wurden zur Teilnahme eingeladen

von Sabine Brandes  22.01.2026

Medien

Sophie von der Tann für Grimme-Preis nominiert

Die umstrittene ARD-Journalistin Sophie von der Tann führt die Liste der Nominierungen für den Grimme-Preis an. In allen Kategorien dominieren die Öffentlich-Rechtlichen. Zugleich gibt es Kritik an zahlreichen Leerstellen

von Jana Ballweber  22.01.2026

Nevatim-Luftwaffenbasis

Eyal Zamir: Israels Armee auf Einsatz gegen jeden Gegner vorbereitet

Der Generalstabschef warnt vor »Mehrfrontenbedrohungen«. Die IDF seien jedoch »einsatzfähig, ausgebildet und in höchster Alarmbereitschaft«

 22.01.2026

Meinung

Liebe Iraner, wir fühlen mit euch!

Als Israelin wünscht sich unsere Autorin nichts mehr, als dass das brutale Regime in Teheran bald fällt. Ein offener Brief an die mutigen Menschen im Iran

von Sabine Brandes  21.01.2026

Tel Aviv

Trump-Satz zu Ran Gvili sorgt für Hoffnung und Empörung

Ran Gvilis Mutter Talik sagt, es müsse endlich gehandelt werden. »Lasst uns das beenden und ihn nach Hause bringen«, fordert sie

 21.01.2026

Jerusalem

Zwei tote Babys und ein Riss in der israelischen Gesellschaft

Der Oberste Gerichtshof stoppt die Obduktionen der ultraorthodoxen Säuglinge nach gewalttätigen Protesten

von Sabine Brandes  21.01.2026