Sicherheit

Israel beendet Abkommen mit Syrien über Truppenentflechtung

Foto: Koby Gideon, GPO

Der israelische Premierminister schaut im Angesicht der dramatischen Entwicklungen beim Nachbarn in Richtung Syrien. Am Sonntag besuchte Benjamin Netanjahu zusammen mit Verteidigungsminister Israel Katz und dem Vorsitzenden des Regionalrats, Uri Kellner, einen Beobachtungspunkt auf dem Berg Bental auf den Golanhöhen.

Der Premierminister wurde vom Leiter des Nordkommandos der IDF, Ori Gordin, über die Geschehnisse in Syrien, die Verstärkung der israelischen Streitkräfteeinheiten an der syrischen Grenze und die Kampfbereitschaft für zukünftige Operationen informiert.

»Dies ist ein historischer Tag für den Nahen Osten«, kommentierte Netanjahu. »Der Zusammenbruch des Assad-Regimes und der Tyrannei in Damaskus bietet große Chancen, birgt aber auch erhebliche Gefahren.«

Lesen Sie auch

Dieser Zusammenbruch sei die direkte Folge des israelischen Vorgehens gegen die Hisbollah und den Iran, die wichtigsten Unterstützer Assads. »Es löste eine Kettenreaktion all jener aus, die sich von dieser Tyrannei und ihrer Unterdrückung befreien wollen«, resümierte Netanjahu.

Ende des Truppentrennungsabkommens von 1974

Gleichzeitig warnte der Premier, dass Israel gegen mögliche Bedrohungen vorgehen müsse. Eine davon sei das Ende des Truppentrennungsabkommens von 1974 zwischen Israel und Syrien. Dieses Abkommen galt 50 Jahre lang. Doch in der vergangenen Nacht habe es geendet, als die syrische Armee ihre Stellungen aufgab.

»Wir haben der israelischen Armee den Befehl gegeben, diese Stellungen einzunehmen, um sicherzustellen, dass sich keine feindliche Kraft direkt an der Grenze Israels festsetzt. Dies ist eine vorübergehende Verteidigungsposition, bis eine geeignete Regelung gefunden ist«, erläuterte Netanjahu. »Wir werden die Ereignisse sehr aufmerksam verfolgen.«

Zur selben Zeit betonte er, dass »Israel allen jenseits unserer Grenze in Syrien eine Hand des Friedens ausstreckt: den Drusen, den Kurden, den Christen und Muslimen, die in Frieden mit Israel leben wollen.«

»Wenn wir nachbarschaftliche und friedliche Beziehungen zu den neuen Kräften aufbauen können, die in Syrien auftauchen, ist das unser Wunsch.«

»Wenn wir nachbarschaftliche und friedliche Beziehungen zu den neuen Kräften aufbauen können, die in Syrien auftauchen, ist das unser Wunsch. Aber wenn uns das nicht gelingt, werden wir alles tun, was nötig ist, um den Staat Israel und die Grenze Israels zu verteidigen.«

Am selben Tag habe der Ministerpräsident bei Treffen mit Angehörigen von Geiseln erklärt, dass der Sturz des syrischen Diktators Bashar al-Assad helfen könne, eine Einigung über ihre Rückkehr zu erzielen, gab sein Büro später an. Es befinden sich derzeit noch immer 100 Geiseln in der Gewalt der Hamas im Gazastreifen.

Ebenfalls am Sonntag habe die israelische Luftwaffe nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters drei Luftangriffe auf einen Sicherheitskomplex im Bezirk Kafr Sousa der syrischen Hauptstadt Damaskus sowie auf ein Forschungszentrum durchgeführt, in dem iranische Wissenschaftler angeblich Raketen entwickelten.

Der arabischsprachige Sprecher der israelischen Armee, Avichay Adraee, forderte die Bewohner von fünf Dörfern im syrischen Golan auf, bis auf Weiteres in ihren Häusern zu bleiben.

Israelische Abgeordnete wollen Kontrolle über syrische Golanhöhen

Unterdessen forderten zwei israelische Abgeordnete auf der Plattform X die Regierung auf, die Kontrolle über die syrischen Golanhöhen zu übernehmen. Der Minister für Diaspora-Angelegenheiten, Amichai Chikli, schrieb, dass Israel nach dem Sturz des Assad-Regimes »seine Kontrolle über den Gipfel des Hermon wiederherstellen und eine neue Verteidigungszone auf Grundlage der Waffenstillstandslinie von 1974 einrichten muss.«

Der Abgeordnete Tzvi Succot von der Rechtsaußen-Partei Religiöser Zionismus schrieb, dass »Israel angesichts des neuen dschihadistischen Regimes in Syrien eine Sicherheitszone einrichten muss, die die syrischen Golanhöhen und bedeutende Gebiete in der Nähe der Grenze umfassen sollte.«

Succot fügte hinzu, dass »die politischen und militärischen Kosten für einen solchen Schritt wahrscheinlich niedriger sind als je zuvor, während der Sicherheitsvorteil, den er mit sich bringen wird, immens« sein würde.

Meinung

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

Safed

Festgenommene Hisbollah-Terroristen in zivilem Krankenhaus in Nordisrael behandelt

Im Ziv Medical Center in Safed waren die libanesischen Patienten einem Zeitungsbericht zufolge gefesselt und wurden rund um die Uhr von Soldaten bewacht

 19.06.2026

Fußball

»Ich weiß, wer Weltmeister wird«

Uri Geller über die Weltmeisterschaft, den Gewinner des Turniers und seinen fatalen Einfluss auf einen verschossenen Elfmeter bei der EM 1996

von Detlef David Kauschke  19.06.2026

Jerusalem

Ehemalige Geisel berichtet von sexuellem Missbrauch durch Hamas-Terroristen

In einem Gespräch mit Israels First Lady Michal Herzog schildert der junge Israeli mehrere Übergriffe

 19.06.2026

Umfrage

Mehrheit der Israelis misstraut Trump bei Iran-Abkommen

Was denken Bürger über die Wahrung der Interessen des jüdischen Staates durch den amerikanischen Präsidenten? Wie sehen sie Ministerpräsident Netanjahus Rolle in Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt?

 19.06.2026

Berlin

Merz lehnt Apartheid-Vergleich entschieden ab

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat Israel mit einem Apartheid-System verglichen. Merz widerspricht sehr deutlich

 18.06.2026

Washington

US-Vize Vance verbittet sich israelische Kritik an Trump

Aus der israelischen Regierung wird Kritik laut – nicht nur am Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran, sondern auch an Präsident Trump. Dessen Vize kann mit damit allerdings gar nichts anfangen

 18.06.2026

Nachrichten

Quallen, Rauchen, Gesetz

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  18.06.2026

BDS

Boykottversuch gegen israelische Stadtbahn gescheitert

Eine spanische Gewerkschaft fordert von der Firma CAF, die Arbeiten an den Tel Aviver Wagen einzustellen. Doch die weigert sich standhaft

von Sabine Brandes  18.06.2026