Jerusalem

Intrige gegen den Leiter von Yad Vashem?

Danny Dayan Foto: Flash90

Es waren ungewöhnliche Worte in einem noch ungewöhnlicheren Umfeld: Vor dem Abflug zum Staatsbesuch in Zypern äußerten sich sowohl der israelische Premier Benjamin Netanjahu als auch seine Frau Sara zum Eklat um den Leiter der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, Danny Dayan.

Auf dem Flughafen behauptete Netanjahu, die vorherige Einheitsregierung habe jeden politischen Vertreter ersetzt, der sich mit seiner Likud-Partei verbündet habe, und dennoch habe ihr niemand vorgeworfen, die Ämter zu politisieren. »Es gibt keine Politisierung, aber stattdessen jede Menge Fake News«, so der Ministerpräsident.

Dementi Seine Frau nutzte die Gelegenheit ebenfalls, um zu dementieren, dass sie über einen Auftritt der Sängerin Keren Peles am Jom Haschoa in Yad Vashem verärgert gewesen sein soll. Peles war von Dayan eingeladen worden.

Laut einem Bericht von Kanal 12 versuche Bildungsminister Yoav Kisch allerdings bereits seit mehreren Monaten, Dayan zu entlassen - und zwar angeblich auf Netanjahus Geheiß. Kisch habe Dayan einen Brief geschickt, in dem er ihm Missmanagement in der Gedenkstätte, auch finanzieller Art, vorwirft. An dessen Stelle wolle die Koalition die ehemalige Likud-Abgeordnete Keren Barak einsetzen. Kisch bestätigte den Brief, wies jedoch den Vorwurf zurück, dass irgendetwas politisch motiviert sei.

Der Leiter des Prüfungsausschusses von Yad Vashem, Yossi Horowitz, erklärte indes in der Tageszeitung Haaretz: »Seit Dayan gewählt wurde, übt er seine Position mit großem Talent und Erfolg aus. Wir müssen jeden Versuch ablehnen, politische Erwägungen in eine so sensible und wichtige Rolle einzubeziehen.« Auch Mitarbeiter, die dem Vorstand nicht nahestehen, gaben in verschiedenen israelischen Medien an, »Yad Vashem wird hervorragend geführt«.

»Diese ganze Geschichte ist einfach zu viel für mich.«

sängerin keren peles

Feindseligkeit Dass die Kritik an Dayan eine Intrige sei, die zwischen Kisch und Netanjahu koordiniert wird, meinen andere. Grund sei vor allem ihre Feindseligkeit gegenüber dem ehemaligen Minister Gideon Sa’ar. Er kandidierte bei den Wahlen 2021 gemeinsam mit Dayan in einer Partei, die der Bennett-Lapid-Regierung beitrat. Kurz nach der Regierungsbildung wurde Dayan zum Vorsitzenden von Yad Vashem ernannt.

Dayan war früher Vorsitzender des Jesha-Rates der jüdischen Siedlungen im palästinensischen Westjordanland, trat dann jedoch der Partei von Sa´ar bei und kritisierte Netanjahu öffentlich. Hinter vorgehaltener Hand wird zudem gemunkelt, dass das Maß für den Premierminister endgültig voll war, als klar wurde, dass Dayan die Umwälzung der Justiz ablehnt, die derzeit von der Koalition vorangetrieben wird.  

Zur Verteidigung Dayans schrieben 123 Holocaust-Wissenschaftler aus der ganzen Welt am Wochenende einen offenen Brief, in dem sie »große Besorgnis« zum Ausdruck brachten. Sie lobten Dayans Arbeit und betonten seine Rolle bei der Wahrung der Unabhängigkeit der Institution. Sogar die US-Regierung nahm Dayan in Schutz und deutete an, Netanjahus Regierung versuche, das Holocaust-Museum zu politisieren.

Professionalität »Ich schätze die Arbeit von Institutionen wie Yad Vashem seit langem. Die sorgfältige und unschätzbare Forschung zur Schoa ist nicht zuletzt dieser Professionalität und Unabhängigkeit zu verdanken«, twitterte die US-Antisemitismus-Beauftragte Deborah Lipstadt.

Am Montag berichtete Kanal 12, allerdings ohne Quellenangabe, dass man in Jerusalem mittlerweile davon ausgeht, Dayan bleibe im Amt. Vor allem wegen dem Sturm der Kritik aus dem Ausland. Auch die Sängerin Keren Peles meldete sich zu Wort. Auf X, vormals Twitter, schrieb sie: »Diese ganze Geschichte ist einfach zu viel für mich.«

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