Nahost

Im Zeichen der Unruhen

Wenn nicht alle mithören sollen: Angela Merkel und Benjamin Netanjahu Foto: Kugler

Die aktuellen Unruhen in Nahost haben Kanzlerin Angela Merkel offenbar dazu bewogen, Israel mit Nachdruck auf die stockenden Friedensverhandlungen hinzuweisen. Angesichts der wachsenden Unsicherheit in Ägypten und Tunesien sei ein Stillstand »keine akzeptable Grundlage«, sagte sie am Montag. Zu den dritten Regierungskonsultationen war Merkel mit ihrem halben Kabinett nach Jerusalem gereist. Die Gespräche standen vor allem im Zeichen der aktuellen Geschehnisse im Nachbarland am Nil.

Die Kanzlerin drängte besonders darauf, die Verhandlungen zwischen den Israelis und Palästinensern so bald wie möglich fortzusetzen. Klare Worte fand sie für die Siedlungspolitik und bezeichnete die Wiederaufnahme der Bautätigkeiten als sehr starke Behinderung. Netanjahu konterte, der Konflikt ginge nicht um Siedlungen im Westjordanland, sondern um jene mit Namen Tel Aviv, Jaffa und Haifa. »Deshalb verlangen wir, dass die Führung der palästinensischen Autonomiebehörde kommt und sagt: Der Konflikt ist vorbei, wir erkennen den jüdischen Staat an.« In der gemeinsamen Pressekonferenz betonte Netanjahu, dass Israel weiterhin an einem Frieden arbeiten werde. »Natürlich wollen wir die Stabilität in der Region sichern, damit dieser Frieden Wurzeln schlagen kann.«

sanktionen Die Entwicklungen in Ägypten sieht Jerusalem mit Besorgnis. Netanjahu äußerte die Befürchtung, dass – ähnlich der Revolution im Iran – eine organisierte islamistische Gruppe an die Macht drängen könnte. Als größte Sorge gilt derzeit, dass der als Stabilisator in der Region geltende ägyptische Präsident Hosni Mubarak tatsächlich abtreten könne und der drei Jahrzehnte alte Friedensvertrag keinen Bestand mehr hätte. Während der Konsultationen rief Netanjahu zudem dazu auf, Sanktionen gegen den Iran zu verstärken. Merkel stimmte zu und betonte, das Nuklearprogramm des Iran sei eine Gefahr für Israel und die gesamte Welt.

Kooperation Die gemeinsame Kabinettssitzung diente der Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten. Zukünftig wollen Israel und Deutschland in den Bereichen Forschung, Umwelt, Klimaschutz, Energie und Entwicklungshilfe noch stärker kooperieren. Verträge für Projekte wurden unterzeichnet, darunter eine Vereinbarung zur Entwicklungszusammenarbeit in den palästinensischen Gebieten sowie zu Bevölkerungsschutz und Katastrophenprävention.

Während die Minister sich bereits am Montagabend auf den Heimweg machten, blieb die Kanzlerin noch einen Tag länger in Israel. Am Dienstag traff sie sich mit Staatspräsident Schimon Peres und Oppositionsführerin Zipi Livni sowie Jugendlichen der Aktion Sühnezeichen. Außerdem konnte sie die Ehrendoktorwürde der Universität Tel Aviv entgegennehmen.

Verhandlungen

Eltern der letzten Geisel fordern Ultimatum an Hamas

Die Angehörigen fürchten, dass Ran Gvili, der getötete israelische Polizist, in Phase zwei »in Gaza zurückgelassen« wird

von Sabine Brandes  18.01.2026

Trauer

»Verzeih, dass ich dich in eine grausame Welt brachte«

Kfir Bibas, das rothaarige Baby, das von palästinensischen Terroristen entführt und in Gaza ermordet wurde, wäre am Sonntag drei Jahre alt geworden

von Sabine Brandes  18.01.2026

Geiseln

»Die Liebe hat gesiegt«

Die Israelis wählen »Habaita« zum Wort des Jahres. Es enthält ein Versprechen: zurück »nach Hause«. Dort geht für die Entführten das Leben weiter. Zwei Paare, die der Terror trennte, haben sich nun verlobt

von Sabine Brandes  18.01.2026

Nahost

Israel verärgert wegen personeller Besetzung von Gaza-Gremium

Ranghoher US-Beamter reagiert auf Kritik Netanjahus: »Das ist unsere Show, nicht seine Show.«

 18.01.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Rachel Goldberg-Polin veröffentlicht Memoiren

Die Mutter der getöteten Hamas-Geisel Hersh Goldberg-Polin: »Ich setzte mich hin, um meinen Schmerz aufzuschreiben, und heraus strömten Verlust, Leid, Liebe, Trauer, Hingabe, Kummer, Verehrung und Zerrissenheit«

 16.01.2026

Waffenstillstands- und Geiselbefreiungsabkommen

Netanjahu bezeichnet Phase 2 als »symbolisch«

Die USA starten den nächsten Schritt in Gaza, obwohl die Hamas die Waffen nicht niedergelegt und die letzte Geisel noch nicht überführt hat

von Sabine Brandes  15.01.2026

Iran

Israelische Experten rechnen mit Fortsetzung der Proteste

Das Mullah-Regime kann die Demonstrationen mit brutaler Gewalt bekämpfen, sei aber außerstande, die tiefergehenden Ursachen der Proteste zu beheben

 15.01.2026

Antisemitismus

Schriftstellerin Funk lebt lieber in Tel Aviv

Künstlerinnen und Künstler aus Israel klagen seit Langem über Schwierigkeiten in Deutschland

 15.01.2026

Naturgewalt

Erdbeben der Stärke 4,2 in Israel

Erstmals wurde das Warnsystem großflächig ausgelöst. Die Erschütterungen waren bis ins Zentrum spürbar

von Sabine Brandes  15.01.2026